Wirtschaft

Konjunkturelle Bremsspuren Industrie rechnet mit deutlich mehr Kurzarbeit

118534396.jpg

Das Verarbeitende Gewerbe ist anfälliger für konjunkturelle Schwankungen als andere Branchen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die deutsche Wirtschaft kühlt sich zunehmend ab und das bekommen auch die Beschäftigten zu spüren. Immer mehr Unternehmen scheinen Kurzarbeit anmelden zu wollen. Besonders im Verarbeitenden Gewerbe könnten die Zahlen in den nächsten Monaten schwindelerregende Höhen erreichen.

*Datenschutz

Die konjunkturelle Abschwächung hinterlässt allmählich ihre Spuren auf dem Arbeitsmarkt: Die deutsche Industrie rechnet mit einem Anstieg der Kurzarbeit. So sollen 8,5 Prozent der Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe davon ausgehen, in den kommenden drei Monaten Kurzarbeit anmelden zu müssen. Das geht aus der jüngsten Umfrage des Münchner ifo Instituts hervor.

Das wäre dann der höchste Wert seit Anfang 2013. Vor einem Jahr waren es noch 2,6 Prozent. Die deutsche Industrie befinde sich seit Mitte vergangenen Jahres in einer Rezession. "Kurzarbeit ist ein Mittel der Wahl, wenn Unternehmen trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten ihre Fachkräfte halten wollen", sagte Timo Wollmershäuser, Leiter der ifo Konjunkturprognosen.

Der ifo-Umfrage zufolge fahren derzeit bereits 3,8 Prozent der Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe Kurzarbeit. Das ist der höchste Wert seit Mitte 2013. Auf seinem letzten Tiefstand Ende 2017 hatte der Anteil nur 0,4 Prozent betragen. Seitdem steigt er fast kontinuierlich an.

Kein Vergleich zum Krisenjahr 2009

Selbst bei zunehmender Kurzarbeit sei man in Deutschland aber "meilenweit von Zuständen entfernt, wie wir sie in der Finanzkrise hatten", sagte Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der "SZ". Zum Höhepunkt der Krise im Jahr 2009 waren teilweise bis zu 1,5 Millionen Arbeitnehmer in Kurzarbeit beschäftigt gewesen.

Das Kurzarbeitergeld wird von der Bundesagentur für Arbeit gezahlt. Es beträgt in der Regel 60 Prozent des ausgefallenen Nettoeinkommens und kann maximal zwölf Monate bezogen werden. Im Verarbeitenden Gewerbe wird besonders häufig Kurzarbeit angemeldet, weil diese Branche starken Konjunkturschwankungen unterliegt. Deshalb liegen die Zahlen der ifo zum Anteil der Kurzarbeit im Verarbeitenden Gewerbe gerade in Konjunkturkrisen oft deutlich über den Anteilen der Gesamtwirtschaft.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil will in Zukunft Kurzarbeit mit Weiterbildungsmaßnahmen verknüpfen. Er kündigte für Herbst eine Gesetzesinitiative für ein sogenanntes Transformationskurzarbeitergeld an, wie es etwa die IG Metall vorgeschlagen hatte. Bei Unternehmen im Umbau sollen dadurch Entlassungen verhindert werden und die von Arbeitsausfall Betroffenen sollen sich zugleich weiterqualifizieren können.

Quelle: n-tv.de, lwe/DJ

Mehr zum Thema