Wirtschaft

Gutscheine und Anzahlungen Kunden halten Gastronomen über Wasser

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Zusammengeklappt: Der Umsatz vieler Gastronomen in Deutschland ist auf null zurückgegangen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Innerhalb weniger Tage ist der Umsatz vieler Hotels und Restaurants auf null gesunken. Lange halten die meisten Gastronomen das nicht durch. Manche Kunden sind bereit, ihnen etwa durch den Kauf von Gutscheinen Geld vorzuschießen. Doch die Aussichten bleiben düster.

"Gespenstisch" sei sein Spaziergang am Morgen über die Insel gewesen, erzählt Oliver Suchy ntv.de am Telefon. "Dabei ist das Wetter wunderbar." Zu Beginn der Osterferien in vielen Bundesländern startet auch auf Sylt die Tourismussaison so richtig - normalerweise. Heute morgen ist Suchy, der das Restaurant "Altes Zollhaus" sowie ein Hotel und Ferienwohnungen betreibt, aber niemandem begegnet. "Die Insel ist praktisch abgeriegelt", erzählt der Gastronom. Am Abfahrtsbahnhof des Autozuges steht eine Polizeistreife und fängt alle Touristen ab. Die Fähre nach Dänemark hat ihren Betrieb eingestellt. "Unsere Auslastung ist nach der entsprechenden Anordnung von 100 Prozent auf 0 gesunken", berichtet Suchy.

Ohne Einnahmen kämpft er seitdem wie Zehntausende Gastronomen auf Sylt und in ganz Deutschland ums wirtschaftliche Überleben. Liquidität heißt das Schlüsselwort. Trotz Kurzarbeitergeld, das auch Suchy für die meisten seiner 25 Mitarbeiter schon beantragt hat, bleiben Fixkosten, die jeden Monat bezahlt werden müssen. Und schlimmer: Gäste stornieren ihren Urlaub und verlangen ihre Anzahlungen zurück. "Ich habe bereits Aktien aus meinen privaten Ersparnissen verkauft, um den Betrieb zu erhalten", sagt Suchy. "Aber lange wird das nicht reichen."

Um ohne Geschäft liquide zu bleiben, appellieren immer mehr Gastronomen an ihre Gäste. "Wir bitten alle, ihre Reservierung nicht zu stornieren - wozu sie selbstverständlich das Recht haben im Moment - sondern zu verschieben", sagt Suchy. Damit würde die Liquidität aus den Anzahlungen zunächst im Betrieb bleiben.

Jetzt bezahlen - später essen

Andere werben bei ihren Kunden darum, Gutscheine zu kaufen. Dafür haben sich innerhalb der vergangenen Wochen mehrere Plattformen wie "helfen.berlin" und "PayNowEatLater"  etabliert. Die Metro übernimmt bis Ende Mai die Kosten für Gastronomen, die ihr Portal hilfelokal.de nutzen. Die Gastronomen erhalten dabei sofort das Geld, um Mieten und andere Kosten begleichen zu können. Die Leistung dafür müssen sie erst später erbringen, wenn die Beschränkungen aufgrund der Corona-Epidemie aufgehoben werden.

Das Interesse der Gastronomen sei riesig, berichtet Patrick Kosmala, einer der Gründer von "PayNowEatLater". Rund 100 neue Restaurants und Cafés meldeten sich inzwischen täglich, um teilzunehmen. Und auch der Umsatz nimmt rasant zu und liegt inzwischen bei etwa 100.000 Euro pro Tag, die Kunden allein auf dieser einen Plattform in Gutscheine für künftige Mahlzeiten oder Drinks investieren.

Während viele Gewerbetreibende und gerade auch Gastronomen berichten, dass die versprochenen staatlichen Hilfen zu langsam fließen, könnte das von den Kunden per Essensgutschein oder Urlaubsanzahlung vorgeschossene Geld helfen, das unmittelbare Überleben einiger Betriebe zu sichern. Eine langfristige Lösung ist es aber nicht. "Wir kaufen uns Zeit", sagt der Sylter Restaurantbetreiber Suchy. Der Einnahmeausfall werde damit nicht verhindert, sondern nur verschoben und im besten Fall auf eine längere Zeit gestreckt. Denn das Geld der Kunden, die nun zahlen, werde später fehlen. "Kurzfristig hilft das sehr, mittelfristig kann das sehr hart werden, langfristig gesehen ist der Betrieb dadurch aber hoffentlich gerettet." Dazu komme, dass ja niemand weiß, ob das Geschäft wieder das Vorkrisenniveau erreichen werde. "Die Aussichten sind in jeden Fall sehr düster", so Suchy.

"PayNowEatLater"-Gründer Kosmala hat für die Gastronomen allerdings eine positive Nachricht. "Ein Teil der Gutscheine wird erfahrungsgemäß nie eingelöst", erzählt er. Normalerweise liege die Quote der Gutscheine, die tatsächlich zum Einsatz kommen, nur bei 60 Prozent. "Das heißt, die Gastronomen können damit zusätzliche Umsätze generieren."

Quelle: ntv.de