Wirtschaft

FBI ermittelt nach Explosion LNG-Fabrik in Texas bis September dicht

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Die texanische Anlage Freeport LNG soll vom russischen Geheimdienst ausgespäht worden sein.

(Foto: picture alliance / dpa)

Eine deutsche Hoffnung auf baldigen Ersatz für russisches Erdgas fällt länger aus: Nach einer Explosion im Juni bleibt eine Großanlage in Texas mindestens bis September geschlossen. Laut einem Bericht ermittelt das FBI, ob Moskau etwas mit dem Unfall zu tun hat.

Die wegen eines Brandes stillgelegte Großanlage zur Produktion von Flüssigerdgas (LNG) im US-Bundesstaat Texas fällt womöglich noch mehrere Wochen aus. Die US-Kontrollbehörde für Pipelines und den Transport für Gefahrengüter (PHMSA) versagte dem Betreiber Freeport LNG die Genehmigung, die Anlage wieder anzufahren. Ein Betrieb sei ohne weitere Maßnahmen ein Risiko für die Sicherheit der Öffentlichkeit, erklärte die Behörde in ihrem vorläufigen Bericht. Erst müsse eine externe Untersuchung abgeschlossen sein.

Das könnte einen Neustart der Anlage, die Erdgas für den Export per Schiff in Form einer stark gekühlten Flüssigkeit verarbeitet, bis September verzögern. Freeport LNG war zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Die Anlage an der US-Golfküste war Anfang Juni nach einer Explosion in Brand geraten. Die PHMSA nannte in ihrem Bericht als Ursache das Versagen eines Sicherheitsventils, das zu einem überhöhten Druck in einer Pipeline geführt habe. So sei LNG und Methan freigesetzt worden. Die Anlage kann bis zu 2,1 Milliarden Kubikfuß Erdgas pro Tag für den Export verarbeiten. Diese Menge würde in etwa ausreichen, um zehn Millionen US-Haushalte einen Tag lang zu versorgen. Die Anlage wird von mehreren Unternehmen genutzt, darunter Sparten von BP, Jera, Kansai Electric, Osaka Gas, SK E&S und Total.

Russischer Geheimdienst verwickelt?

Der Zeitpunkt des Unglücks hatte die Frage aufgeworfen, ob es sich möglicherweise um russische Sabotage handelt. Laut "Washington Examiner" sollen Cyber-Einheiten des Geheimdienstes GRU ungefähr mit Beginn der Ukraine-Invasion gezielte Aufklärungsoperationen gegen Freeport LNG durchgeführt haben, das zu den größten Flüssiggas-Exporteuren der USA gehört. Eine Quelle habe ihm gesagt, das FBI untersuche den Fall, schrieb das Blatt. Die Behörde selbst habe ihm gesagt, sie könne dies weder bestätigen noch leugnen.

Freeport schrieb in einer Stellungnahme, aus Rohren von den Lagertanks zu den Dockanlagen sei Gas entwichen, das sich entzündet habe. Vermutlich sei der Unfall auf einen Bruch infolge eines Überdrucks zurückzuführen. Wie es trotz erforderlicher Sicherheitsmaßnahmen zu so einem Vorfall habe kommen können, ist nun Gegenstand der Ermittlungen.

Der weltweite Bedarf an Flüssigerdgas ist seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine deutlich angestiegen. Insbesondere europäische Staaten versuchen, damit ihre Abhängigkeit von russischen Energieträgern zu verringern. Wirtschaftsminister Robert Habeck befürchtet ein vollständiges Ausbleiben russischer Gaslieferungen durch Nord Stream. Es drohe ab dem 11. Juli "eine Blockade von Nord Stream 1 insgesamt", sagte der Grünen-Politiker der "Süddeutschen Zeitung". Deswegen könne es im Winter problematisch werden.

Quelle: ntv.de, mau/rts

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