Wirtschaft

Exodus der Millionäre beobachtet Superreiche kehren Großbritannien den Rücken

Ein Blick auf den Londoner Finanzdistrikt.

Ein Blick auf den Londoner Finanzdistrikt.

(Foto: picture alliance / NurPhoto)

Der britische Premierminister Sunak ist Multimillionär, doch immer mehr vermögende Privatpersonen verlassen Großbritannien. Das geht aus einem Bericht hervor. Gewinner dieser Entwicklung sind Europa, Asien und der Nahe Osten - dahin zieht es nun die Wohlhabenden.

Großbritannien verliert offenbar schnell seinen Ruf als Magnet für wohlhabende Investoren und Geschäftsleute. 2022 verließen laut einem Bericht der britischen "The Times" weitere 1400 reiche Privatpersonen, mit einem Vermögen von mehr als einer Million US-Dollar, Großbritannien. Die Zeitung bezieht sich dabei auf Daten des Beratungsunternehmens Henley & Partners. Experten gehen davon aus, dass derzeit etwa 737.000 solcher Millionäre in Großbritannien leben.

Der jüngste Millionärs-Exodus setze einen Trend fort, der kurz nach der Brexit-Abstimmung im Jahr 2016 begonnen hatte. Seitdem hätten demnach schätzungsweise 12.000 Millionäre Großbritannien verlassen, um sich woanders niederzulassen. Unter ihnen befinden sich laut dem Bericht gut verdienende Banker, deren Arbeitgeber ihren Arbeitsplatz im Zuge des Brexit nach Europa verlegt hatten. Auch nach Einschätzung der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde werden Versetzungen aus London als Hauptgrund angeführt, dass die Zahl der europäischen Banker, die mehr als eine Million Euro verdienen, im Jahr 2021 um mehr als 40 Prozent auf 1957 gestiegen ist, berichtet "The Times" weiter.

Großbritannien war einst sehr beliebt unter Wohlhabenden, die von der relativen politischen Stabilität und der zurückhaltenden Regulierung angezogen wurden. 2009 etwa kämpfte der damalige Londoner Bürgermeister, Boris Johnson, gegen EU-Regulierungen von Hedgefonds, weil er eine Abkehr von den Fondsmanagern befürchtete. Außerdem liege die Zeitzone nahezu perfekt, um Geschäfte mit Kunden aus aller Welt tätigen zu können, heißt es weiter über die Standort-Vorteile.

Brexit fest verankert - längerfristige Folgen zu spüren

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Doch mittlerweile würden die nachteiligen Auswirkungen der britischen Abkapselung überwiegen, schreibt das Blatt. "Jetzt, da der Brexit fest verankert ist und die sehr realen längerfristigen Folgen zu spüren sind, haben wir eine verstärkte Bewegung von wohlhabenden britischen Bürgern erlebt, die ihren EU-Status zurückfordern wollen, indem sie einen EU-Aufenthalt oder eine EU-Staatsbürgerschaft durch Investition erhalten", sagte Stuart Wakeling, der Leiter des Londoner Büros von Henley & Partners.

Während weltreisende Millionäre in der Vergangenheit versucht waren, sich in Großbritannien niederzulassen, schauen die meisten jetzt in den Nahen Osten und nach Asien. Laut Henley & Partners verzeichneten die Vereinigten Arabischen Emirate im vergangenen Jahr schätzungsweise den größten Zustrom vermögender Privatpersonen.

Quelle: ntv.de, ysc

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