Wirtschaft
Auf Kritiker gibt Elon Musk nicht viel - auch wenn sie bei der Börsenaufsicht sitzen. Das kann nicht ewig gutgehen.
Auf Kritiker gibt Elon Musk nicht viel - auch wenn sie bei der Börsenaufsicht sitzen. Das kann nicht ewig gutgehen.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 16. August 2018

Aufsicht ermittelt wegen Tweet: Teslas größtes Problem heißt Elon Musk

Ein Kommentar von Hannes Vogel

Er war Teslas Wunderkind. Er hat als Elektroauto-Visionär Unglaubliches geleistet. Doch dann hat Elon Musk vergessen, wo seine Grenzen liegen. Nun droht seiner Firma der Absturz. Die Märkte werden ihn nicht ewig anbeten.

Er hat Paypal erfunden. Er hat mit SpaceX die Raumfahrt revolutioniert. Er hat die selbstherrlichen Autoriesen, vielleicht die mächtigste Industrie der Welt, gezwungen, ernsthaft in Elektromobilität zu investieren. Es ist keine Übertreibung: Ohne das Genie Elon Musk wäre die Welt nicht dort, wo sie heute ist. Dem visionären Gründer von Tesla ist keine Idee zu groß. Künstliche Intelligenz, Hochgeschwindigkeitstunnel, Reisen zum Mars - der Milliardär bringt Dinge in Bewegung, die unmöglich scheinen.

Video

Doch nun hat Elon Musk die Kontrolle verloren. Analysten beleidigt er als Idioten, wenn ihm ihre Fragen nicht passen. Kritische Ex-Mitarbeiter verklagt er als Saboteure. Spekulanten, die gegen Tesla wetten, verhöhnt er auf Twitter. Und einen Taucher verleumdete er als Kinderschänder, nur weil der seine Hilfe bei der Rettung des Fußballteams aus einer überfluteten Höhle in Thailand abgelehnt hatte. Wehe, wenn es nicht so läuft, wie Musk will.

Der Ausnahme-Unternehmer hat sich viel zu lang an seinem eigenen Erfolg berauscht. Lästige Börsenregeln? Was für Kleingeister, scheint er zu denken. Jetzt muss die gesamte Chefetage zum Rapport bei der US-Finanzaufsicht SEC antreten, weil Musk plötzlich über einen Börsenrückzug getwittert hatte, die Aktie danach wie wild ausschlug und vom Handel ausgesetzt werden musste.

Sein gefährlicher Übermut wird Tesla teuer zu stehen kommen. Noch halten die Märkte der Firma trotz Milliardenschulden und riesiger Produktionsprobleme die Treue. Noch glauben sie an seine Genialität. Aber wenn Musk seine Glaubwürdigkeit verliert, ist Tesla verloren. Er hat die Firma aus dem Nichts geschaffen. Er ist auf dem besten Weg, sie wieder dahin zurückzuführen.

Musk verhält sich wie ein Clown

Die ersten Aktionäre klagen bereits wegen Kursmanipulation. Musk gibt ihnen immer neue Munition: Die angeblich "sichere" Finanzierung seines Buyout-Deals hat sich als Hirngespinst entpuppt. Über Vorgespräche mit Investoren reichen die Pläne nicht hinaus, hat er inzwischen selbst auf Twitter erklärt. Insider berichten in US-Medien, dass der saudische Staatsfonds keinerlei konkrete Schritte für einen Buyout unternommen hätte. Warum Musk behauptet, die Saudis wollten den Deal unbedingt durchziehen, bleibt sein Geheimnis.

Mindestens sind dem Überflieger wegen Teslas Finanzproblemen die Sicherungen durchgebrannt. Laut "New York Times" soll er gegenüber einem Vertrauten eingeräumt haben, den Tweet "impulsiv" abgesetzt zu haben. Er sei wütend auf die Kritiker der Firma gewesen, schreibt das Blatt. Auch viele Tesla-Aufsichtsräte seien von Musk völlig überrumpelt worden.

Schlimmstenfalls wollte er mit seinem Tweet wirklich die Märkte manipulieren. Kurz bevor er über die vermeintlich "sichere" Finanzierung seiner Buyout-Pläne twitterte, haben die größten Tesla-Investoren ihre Anteile reduziert. Im Frühjahr wird bei Tesla eine große Anleihe fällig, die der klamme Konzern mit Aktien statt Cash tilgen kann - aber nur, falls der Kurs hoch genug liegt. Und wie Tesla im dritten Quartal endlich Gewinn schreiben will, kann Musk immer noch nicht erklären.

Es ist ein böses Omen, dass einige der Aufseher nun offenbar Anwälte engagiert haben, um sich rechtlich gegen Musks Machenschaften abzusichern. Sie sollen ihn bekniet haben, nicht mehr zu twittern. Doch Musk schlägt alle Warnungen in den Wind. Er freue sich, mit Goldman Sachs als Berater bei Teslas geplantem Börsenabgang zusammenzuarbeiten, verkündete er am Montag, obwohl die Bank noch gar nicht zugesagt hat.

Es sollte allen Tesla-Anlegern eine letzte Warnung sein. Der Personenkult um Elon Musk wird an den Märkten nicht ewig weitergehen. Wie einst Ikarus ist er so hoch gestiegen, dass er vergessen hat, wo seine Grenzen liegen. Er hat sich bereits mächtig die Flügel verbrannt. Es wäre schade, wenn er abstürzt.

Quelle: n-tv.de