Wirtschaft

Kapitalmarktunion dringend nötig Top-Banker machen sich für Fusionen stark

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Die EZB weist seit einiger Zeit darauf hin, dass Fusionen ein Faktor sein könnten, um die unter Druck stehenden Gewinne zu steigern und Kosten zu senken.

(Foto: dpa)

Im internationalen Vergleich läuft den deutschen Banken die Konkurrenz davon. Um mit US-Banken mithalten zu können, rühren Top-Banker kräftig die Trommel für größere europäische Banken. Doch die Hürden für grenzüberschreitende Fusionen sind hoch und Fintechs wittern ihre Chance.

An großen Bankenfusionen über Landesgrenzen hinweg führt nach Ansicht von europäischen Spitzenbankern kein Weg vorbei. Nur dadurch sehen sich die Geldhäuser in der Lage, mit den immer größer werdenden US-Banken mitzuhalten. Die Chefs von Deutscher Bank, Santander und ING hielten bei einer Branchenveranstaltung flammende Plädoyers für ein stärkeres Europa und größere europäische Banken. Ohne den Rückhalt von Regulatoren und Politik werde es aber nicht gehen, betonte Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer.

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht Spielräume für eine Konsolidierung in der Branche - auch in den jeweils eigenen Ländern. "Wir müssen endlich die Größenvorteile Europas nutzen", sagte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing bei der Veranstaltung des "Handelsblatt".

Es könne nicht im Sinne der hiesigen Banken sein, dass alle globalen Institute ihren Sitz außerhalb Europas hätten. "Die Bedeutung von Größe in der Finanzwelt steigt exponentiell an." Nur große Banken könnten die notwendigen Investitionen aufbringen für den Umbau zu einer nachhaltigeren und digitaleren Wirtschaft. Dringend notwendig sei daher eine gemeinsame Kapitalmarktunion.

Auch politischer Wille muss da sein

Deren schleppende Umsetzung sei ein großer Hemmschuh für die europäischen Banken, sagte die Verwaltungsratschefin der spanischen Großbank Santander, Ana Botin. Ohne diese Vereinheitlichung des Banken- und Kapitalmarktes werde es keine Fusionen geben, und die Börsenwerte der Institute fielen weiter hinter diejenigen der US-Geldhäuser zurück. "Einen echten einheitlichen Finanzmarkt in Europa zu haben, ist von zentraler Bedeutung." Santander habe vor zehn Jahren etwa einen so hohen Börsenwert gehabt wie die US-Bank JP Morgan. Inzwischen kommen die Amerikaner auf eine Marktkapitalisierung von 475 Milliarden Dollar - rund siebenmal so hoch wie Santander und 18 Mal so hoch wie Deutschlands größtes Geldhaus.

Zur Jahrtausendwende hätten die 25 größten europäischen Banken noch einen ähnlichen Börsenwert wie die 25 größten US-Häuser erreicht - derzeit seien allein JP Morgan und die Bank of America so viel wert wie die 18 größten europäischen Banken zusammen, rechnete Sewing vor. "International sind uns die großen Banken davongelaufen, weil sie weniger Regulierung haben", erläuterte Börsenchef Weimer. Die Institute in Europa müssten wieder stärker wachsen. "Die Gefahr ist doch, wenn wir uns aus dem Teufelskreis nicht herausbewegen, dass wir am Ende des Tages unsere Banken verlieren."

Entweder stiegen vermehrt Auslandsbanken ein oder Fintechs schnappten sich Marktanteile. Um grenzüberschreitende Fusionen möglich zu machen, sei neben einer Banken- und Kapitalmarktunion auch Rückendeckung der Aufsichtsbehörden und der Politik notwendig, sagte Weimer, der im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt und als möglicher Nachfolger von Aufsichtsratschef Paul Achleitner gehandelt wird. Der Regulator müsse anerkennen, dass Zusammenschlüsse über Landesgrenzen nicht ohne Risiken einhergingen. Auch politischer Wille müsse vorhanden sein.

Sewing will erst vor eigener Tür kehren

Aus Sicht von EZB-Bankenaufseherin Kerstin Jochnick sollten in der Euro-Zone nicht nur länderübergreifende Fusionen erwogen werden. "Ich denke, es gibt auch Spielraum für eine Konsolidierung innerhalb jedes einzelnen Landes im Euro-Raum", sagte sie bei dem Branchentreffen. "Somit ist es nicht nur eine Konsolidierung über Grenzen hinweg, die wir sehen möchten." In einem gewissen Ausmaß gebe es in Europa einfach zu viele Banken.

Die EZB weist seit einiger Zeit darauf hin, dass Fusionen ein Faktor sein könnten, um die unter Druck stehenden Gewinne zu steigern und Kosten zu senken. Bevor Sewing sein Haus in eine große Fusion führt, will er erst weiter vor der eigenen Türe kehren. "Wir scharren nicht mit den Hufen, wir schauen uns auch nicht um", sagte er. "Wir bereiten uns darauf vor, auf Augenhöhe einmal in eine Fusion zu gehen."

Die beste Vorbereitung dafür sei, selbst fit zu werden. Durch den vor rund zwei Jahren gestarteten Umbau sei die Deutsche Bank auf gutem Weg. "Wir werden fitter und fitter, von Quartal zu Quartal." Die Deutsche Bank hatte jahrelang Milliardenverluste angehäuft, bis Sewing im Sommer 2019 einen radikalen Umbau in die Wege geleitet hat. Er machte ganze Abteilungen dicht und stieß riskante Teile des Investmentbankings ab, weltweit fallen 18.000 Jobs weg. Bis Ende 2022 soll der Umbau noch dauern.

Quelle: ntv.de, jki/rts

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