Wirtschaft

Geld, Juwelen, Ländereien Was erbt Charles III. von der Queen?

16369393.jpg

Die britischen Kronjuwelen gehören nicht zum Privatbesitz der Monarchin oder des Monarchen, können damit also auch nicht vererbt werden.

(Foto: picture alliance / Photoshot)

Artikel anhören
Diese Audioversion wurde mit Sprachproben unserer Moderatoren künstlich generiert.
Wir freuen uns über Ihr Feedback zu diesem Angebot.

Elizabeth II. hinterlässt nicht nur die Krone und die Verantwortung für die Monarchie, sondern auch ein großes Vermögen. Welches Erbe tritt Thronfolger Charles III. an? Wie setzen sich die Besitztümer des Königshauses zusammen und wer bekommt nach dem Ableben der Queen was?

Königliche Finanzen umweht immer ein Hauch des Geheimnisvollen, im Fall der britischen Royals sind sie aber wesentlich transparenter, als mancher denkt. Ob und wie viel Geld, geschmückt mit ihrem eigenen Konterfei, Queen Elizabeth II. in ihren Handtaschen mit sich herumgetragen hat, ist zwar nicht überliefert. Aber die Vermögenswerte der verstorbenen Königin sind - zumindest grob - sehr gut nachvollziehbar.

220485520.jpg

"Forbes" taxierte Schloss Balmoral vor einigen Jahren auf 140 Millionen Dollar.

(Foto: picture alliance / empics)

Fest steht: Elisabeth II. war wohlhabend - auch wenn man den Kontostand oder den Inhalt ihrer Geldbörse nicht kennt. Nicht so reich wie Microsoft-Mitbegründer Bill Gates, dessen Vermögen auf 115 Milliarden US-Dollar geschätzt wird oder Ex-Amazon-CEO Jeff Bezos auf 153 Milliarden Dollar. Aber mit einem persönlichen Vermögen von umgerechnet 500 Millionen Dollar (431 Millionen Pfund) knackte sie 2012 laut "Fortune Magazine" immerhin den Guinness-Weltrekord als reichste Königin.

Sie war auch das reichste Mitglied der royalen Familie. Ihr Privatvermögen ist vor allem breit gestreut. Neben Geld gehören zu ihren Besitztümern Kunst, Juwelen, Geldanlagen und Immobilien - unter anderem Balmoral Castle in Schottland, wo sie am Donnerstag auch starb.

2003-11-20T000000Z_1241055319_RP4DRHXRSXAD_RTRMADP_3_ARTS-FABERGE.JPG

Das Faberge-Mosaik-Ei von 1914, eines von vier Faberge-Eiern in der königlichen Sammlung der britischen Königin Elizabeth ll.

(Foto: REUTERS)

Einen Großteil ihres Vermögens hat Elizabeth II. selber geerbt, unter anderem von ihrem Vater König George VI. Sein Erbe trat sie 1952 an, als er verstarb und sie selbst Königin wurde. Wie viel sie erbte, ist nicht bekannt. Das wertvollste Gut aus dem Besitz der Queen soll aber eine Briefmarkensammlung sein, die sie von ihrem Großvater König George V. geerbt hatte. Geschätzter Wert: 124 Millionen Dollar.

Der Nachlass ihrer Mutter Elizabeth - Queen Mum -, der 2002 auf sie überging, wird auf 70 Millionen Dollar geschätzt. Dazu gehörten "Investitionen in Gemälde, eine Briefmarkensammlung, feines Porzellan, Juwelen, Pferde und sogar eine wertvolle Sammlung von Faberge-Eiern", schreibt "Fortune". Ihr verstorbener Ehemann, Prinz Philip, hinterließ ihr im vergangenen Jahr umgerechnet ein Vermögen von rund 30 Millionen Dollar.

imago0147283110h.jpg

Der Buckingham Palace, die offizielle Residenz des britischen Monarchen in London, zählt nicht zum Privatbesitz.

(Foto: imago images/Parsons Media)

Dieses Privatvermögen - erwirtschaftet oder geerbt - kann die Queen auch persönlich weitervererben. Schlösser wie Balmoral oder Sandringham dürften wohl in den Besitz des neuen Königs Charles III. übergehen, wird vermutet. "Forbes" taxierte Balmoral vor einigen Jahren auf 140 Millionen Dollar. Sandrinham war damals 65 Millionen Dollar wert. Charles III. hat Glück: Als Souverän des Landes ist er per Gesetz von der Erbschaftssteuer in Höhe von 40 Prozent befreit.

Königliche Finanzen gehen auf Charles III. über

Laufende Einnahmen machten zu Lebzeiten der Queen den kleineren Teil ihres Vermögens aus. Finanziert wurde ihre 70-jährige Regentschaft aus dem "Sovereign Grant", Geld, das die britische Regierung regelmäßig ihrem Staatsoberhaupt überweist. Zuletzt waren das 86,3 Millionen Pfund pro Jahr, rund 100 Millionen Dollar, wie die BBC berichtet. Das Geld für diese "Zuschüsse" des Staates, um den königlichen Pflichten nachzukommen, stammt aus den Einnahmen des sogenannten Crown Estate.

Die "Krongüter", zu denen Schloss Windsor, der Buckingham Palast und andere historische royale Besitztümer gehören, zählen nicht zum Privatbesitz der Queen und können daher nicht vererbt werden. Jedem Souverän des Staates steht allerdings laut der Website der königlichen Familie mindestens 15 Prozent der Gewinne zu. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete das Crown Estate 311 Millionen Dollar. Das bedeutet, dass der königlichen Familie etwa 47 Millionen Dollar für ihre offiziellen Pflichten überwiesen wurden.

Die Bezüge aus den "Krongütern" haben dabei eine interessante Besonderheit: Die Summe darf nicht unter der Vorjahressumme liegen. Und sie ist nicht fix. In der Pandemie musste das Staatssäckl, heißt: die Steuerzahler, ein Loch stopfen, weil die Güter weniger abwarfen. Und 2016 nickte das Parlament sogar eine Erhöhung der Sovereign-Grant-Mittel ab für überfällige Sanierungsarbeiten am Buckinham Palace.

Die Privatschatulle und die royale Marke

Darüber hinaus bediente sich die Queen aus der "Privy Purse". Diese Privatschatulle wird aus den Einnahmen der "Duchy of Lancester" gespeist. Wohnblocks in London, zehn Schlösser sowie Ländereien und Golfplätze in England und Wales zählen dazu. Das Nettovermögen im März belief sich laut "Manager Magazin" auf 652,8 Millionen Pfund oder knapp 760 Millionen Dollar. Der Queen standen davon 24 Millionen Pfund zu. Wie es heißt, werden von diesem Geld vor allem Kosten der anderen Familienmitglieder erstattet

Was nicht aufzuwiegen ist, weder für die Familie noch das Königreich, ist die royale Marke, deren Wert laut einer Schätzung des Beratungsunternehmens Brand Finance im Jahr 2017 etwa 78 Milliarden US-Dollar betrug. Dazu zählt alles rund um die Monarchie und Regentschaft der Queen: materielle Vermögenswerte wie der Buckingham Palace ebenso wie der immaterielle Wert der Monarchie als Marke, weil sie den Tourismus nach Großbritannien und den Verkauf von Produkten ankurbelt. Die Marke kann zwar materiell nicht vererbt werden, trotzdem profitieren die Royals natürlich auch davon. Ob die die royale Marke sich weiter im Wert steigert, bleibt abzuwarten.

Viel Pomp und Besitz für die Monarchie, weniger für die Royals

Festzuhalten bleibt: Die Monarchie strotzt vor Pomp, Juwelen und Besitztümern, aber für die einzelnen Royals bleibt unterm Strich nicht ganz so viel übrig. Die Mitglieder der Königsfamilie sind zwar reich, können aber nicht frei über alle royalen Güter verfügen, sie zum Beispiel verkaufen. Sicher ist Stand jetzt, dass Charles III. als Thronfolger nach dem Tod seiner Mutter am 8. September die Einkommen aus dem Sovereign Grant und Crown Estate erhält.

Mehr zum Thema

Bislang bezog Charles III. als Thronfolger Einnahmen aus dem Herzogtum Cornwall ("Duchy of Cornwall"). Dieses Herzogtum sollte inzwischen aber in den Besitz seines ältesten Sohnes übergegangen sein - so sehen es die royalen Regeln vor. Das heißt, Prinz William wird künftig auch die Einnahmen aus dieser Quelle beziehen. Im Geschäftsjahr 2019/20 betrug der Wert des Herzogtums rund 1,2 Milliarden Dollar. Der erwirtschaftete Gewinn belief sich auf 25 Millionen Dollar. Thronfolger William und seine Familie dürften damit gut versorgt sein.

Was Charles III. vom Privatvermögen seiner Mutter in Höhe von umgerechnet 500 Millionen Dollar erbt, ist dagegen offen. Der König wird das erben, was Königin Elizabeth II. "ihm ausdrücklich zugewiesen hat", schreibt "Fortune". Seine Geschwister Prinzessin Anne, Prinz Andrew und Prinz Edwards dürfen wohl ebenfalls auf ein üppiges Erbe hoffen - ebenso wie die Enkel Prinz William und Prinz Harry. Bei Harry könnte es jedoch noch spannend werden, hat er doch das Königshaus in den zurückliegenden Monaten hart auf die Probe gestellt.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen