Wirtschaft

"Unabhängiger Geist" Weidmann erhält "Freiheitspreis der Medien"

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Verleger Wolfram Weimer und Ilse Aigner zeigten sich von Jens Weidmann beeindruckt (2. v. r.), Christiane Goetz-Weimer (r.), Mit-Verlegerin, ebenfalls.

Markus Hofman

Als Bundesbank-Präsident tritt Jens Weidmann immer wieder als Kritiker der Zinspolitik der EZB in Erscheinung - eine Rolle, die der Jury des "Freiheitspreises der Medien" imponiert. Dafür ehrt sie den 49-Jährigen nun in der Kategorie "Wirtschaft und Finanzen".

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann ist beim Ludwig-Erhard-Gipfel der Weimer Media Group am Tegernsee mit dem "Freiheitspreis der Medien 2018" ausgezeichnet worden. Der oberste deutsche Notenbanker erhielt den Preis in der Kategorie "Wirtschaft und Finanzen".

Die Laudatio hielt Ilse Aigner, Bayerns Stellvertretende Ministerpräsidentin und Staatsministerin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie. "Eigentlich darf die Politik die Arbeit eines Bundesbank-Präsidenten gar nicht beurteilen", sagte Ilse Aigner. Im Falle von Jens Weidmann als seine Laudatorin erledige sie dies aber gern.

Er sei ein Vorbild, "da er in einer unglaublichen Geschwindigkeit Karriere gemacht hat". Weidmann ging im Jahr 2011 als bis dahin jüngster Präsident in die Geschichte der Bundesbank ein. Zudem sei er ein sehr "erfrischender Klartext-Sprecher". Der 49-Jährige sei ein überzeugter Europäer, dem es um das Ganze gehe. Das halte ihn dennoch nicht von Kritik an der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ab. Seine Thesen und Werte propagiere er aber mit viel Fingerspitzengefühl.

Weidmanns Preis wiegt schwer

Die Jury begründete die Verleihung des Preises an Weidmann mit dessen "mutigen Eintretens für Geldwertstabilität und die Verteidigung unabhängiger Zentralbanken durch die Politik". In der Jury-Begründung heißt es weiter: "Jens Weidmann hat sich als unabhängiger Geist und Gestalter erwiesen, der seine Positionen mit hoher Sachkompetenz, klaren Wertvorstellungen, Autorität und Glaubwürdigkeit vertritt. Sein fester innerer Kompass lässt ihn das seriöse Ziel der nachhaltigen Geldwertstabilität auch gegen den politischen Mainstream verfolgen."

Als Präsident der Deutschen Bundesbank und Mitglied des EZB-Rates hat Weidmann mehrfach vor einer zu lockeren Geldpolitik und dem Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB gewarnt. Er gilt als Kandidat für das Amt des EZB-Präsidenten und Nachfolger von Mario Draghi, dessen Amtszeit 2019 endet.

Bei der Auszeichnung im Seeforum in Rottach-Egern bekam Weidmann einen mehrere Kilogramm schweren und von Künstlerin Suse Kohler gestalteten Preis überreicht: ein Abbild von Gipfel-Namensgeber Ludwig Erhard auf einer Glasplatte und einem Sockel aus Ulmenholz. "Auf jeden Fall ein gewichtiger Preis, wie Sie gemerkt haben. Er ist sehr schwer", sagte Weidmann nach der Übergabe durch die Verleger Wolfram Weimer und Christiane Goetz-Weimer schmunzelnd.

Auch Lindner geehrt

In seiner Rede bekräftigte der Bundesbanker sein "Eintreten für stabiles Geld und eine nachwertige Geldpolitik". Es sei die Aufgabe der Geldpolitik, eine Politik der Preisstabilität umzusetzen. Weidmann betonte sein Credo, "eine moderate Teuerung anzustreben und keine Null-Inflation", da eine Inflationsrate von null nicht optimal sei. "Das streben auch die anderen Notenbanken an." Ideal sei vielmehr eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent.

"Das Mandat der EZB ist es, Preisstabilität anzustreben und nicht ein Zins, der allen gefällt", sagte Weidmann. Letzteren gebe es ohnehin nicht. Deshalb erklärte der Bundesbank-Präsident weiter, dass er sich auch künftig für ein Ende der Nullzinspolitik einsetzen werde. "Das Niedrigzinsumfeld belastet." Langfristig der richtige Weg sei eine Stabilisierung – wenn auch nicht zu schnell. Warum, erklärte Weidmann mit einem Vergleich: "Wenn Taucher aus zu großer Tiefe aufsteigen, dann wird es gefährlich."

Neben Weidmann erhielt FDP-Chef Christian Lindner den "Freiheitspreis der Medien 2018" in der Kategorie "Politik". Grund sei, dass er "den deutschen Liberalismus zurück ins Parlament geführt" und "der Idee der Freiheit und der Rechtsstaatlichkeit einen großen Dienst erwiesen" habe.

Quelle: n-tv.de, jog