Wirtschaft

Hochzeit mit Commerzbank? Wer der Deutschen Bank die Braut rauben will

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Nicht nur die Deutsche Bank, auch andere europäische Banken liebäugeln mit der Coba.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bis Ende der Woche will die Deutsche Bank mitteilen, ob die Sondierungsgespräche mit der Commerzbank vertieft werden oder nicht. Eine Reihe europäischer Konkurrenten hat großes Interesse, die Party zu crashen. Und vielleicht nicht mal schlechte Chancen.

In dieser Woche heißt es wohl Hopp oder Top: Bis spätestens Freitag, wenn die Deutsche Bank ihre Quartalszahlen vorlegt, will Deutschlands größtes Geldhaus bekanntgeben, ob es seine Sondierungsgespräche mit der Commerzbank vertieft oder abbricht. Vieles spricht gegen den Deal: der Widerstand von Mitarbeitern und Investoren, der zusätzliche Kapitalbedarf, finanzielle Risiken für die Steuerzahler. Und dann ist da noch Konkurrenz, die der Deutschen Bank nicht kampflos den deutschen Markt überlassen will. Andere Banken würden ihr die Commerzbank offenbar nur zu gerne wegschnappen.

ING versucht es mit politischem Zuckerbrot

Am deutlichsten outete sich vor Ostern die niederländische ING. Laut "Manager Magazin" soll ING-Chef Ralph Hamers auf Tuchfühlung zur Bundesregierung und zu Coba-Chef Martin Zielke gegangen sein. Zielke habe Gespräche zwar abgelehnt, beide Manager hätten aber schon vor dem offiziellen Beginn der Fusionsgespräche zwischen der Deutsche Bank und der Commerzbank Mitte März in informellem Kontakt gestanden, berichtet auch die "Financial Times". Weder ING noch Coba haben bislang zu den Berichten Stellung genommen.

Die ING kann es mit der Deutschen Bank mehr als aufnehmen: Gemessen an der Bilanzsumme ist sie zwar nur etwa halb so groß, ihr Börsenwert ist trotzdem etwa dreimal so hoch. Das liegt daran, dass die Deutsche Bank inzwischen nur noch mit weniger als einem Viertel ihres Buchwerts gehandelt wird, die ING dagegen mit über 90 Prozent ihres Buchwerts.

Kosten- und Reputationsprobleme wie bei der Deutschen Bank sucht man bei der ING vergebens, weil sie stärker aufs Onlinegeschäft statt auf teure Filialen setzt. In Deutschland ist sie bisher eine reine Internetbank ohne eigene Zweigstellen. Durch einen Zusammenschluss mit der Coba bekäme sie ein noch stärkeres Standbein im deutschen Privatkundengeschäft.

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Nicht nur die wirtschaftliche Logik spräche für einen Zusammenschluss. Zudem versucht ING-Chef Hamers Finanzminister Scholz einen Deal mit politischen Zugeständnissen schmackhaft zu machen. So sollen im Falle einer Fusion wohl deutlich weniger Stellen wegfallen als bei einer Hochzeit der Coba und der Deutschen Bank. Laut "FT" soll die ING sogar angeboten haben, das künftige Hauptquartier von Amsterdam nach Frankfurt zu verlegen.

Gegen den Deal spricht allerdings, dass durch einen Zusammengehen zwischen ING und Coba kein nationaler Champion geschaffen würde, wie Finanzminister Scholz es sich wünscht. Faktisch würde eine ausländische Bank die Commerzbank schlucken. Am Ende dürfte kaum etwas gegen den Willen des Finanzministers geschehen: Als größter Aktionär hält der Bund weiterhin 15 Prozent der Coba-Aktien.

Unicredit könnte deutschen Champion schmieden

Auch die Unicredit bleibt im Rennen. Der italienischen Großbank wird schon lange ein Interesse an einem Deal mit dem zweitgrößten deutschen Finanzinstitut nachgesagt. Schon 2017 hat sie mit der Coba geliebäugelt. Nun will sie sich laut Insidern zwar nicht direkt in die Gespräche zwischen Deutscher Bank und Coba einschalten. Laut Insidern steht sie aber bereit, falls die Fusion platzt.

Auch wenn die Unicredit eine italienische Bank ist, hätte sie wohl bessere Chancen als die ING, Finanzminister Scholz einen Deal ihren der Coba als Fusion zur Schaffung eines nationalen Champions zu verkaufen. Denn laut "Financial Times" will das Finanzinstitut aus Mailand die Coba nicht komplett übernehmen, sondern nur einen Mehrheitsanteil erwerben. Dann würde sie das Geldhaus mit der Hypovereinsbank (HVB) zusammenlegen, die ihr bereits seit 2005 gehört.

Unicredit würde ihren Sitz in Italien behalten, die neue Commerzbank weiter an der Frankfurter Börse notiert bleiben. So entstünde nicht nur ein neues deutsches Bankenschwergewicht. Weil sich das Filialnetz der Coba mit dem der HVB weniger überlappt als mit dem Filialnetz der Deutschen Bank, müssten bei diesem Zusammengehen wohl auch weniger Jobs gestrichen werden.

Der Deal könnte wie auch eine Übernahme der Commerzbank durch die ING auf größeres Wohlwollen der EZB stoßen, weil sich die Unicredit damit regional breiter aufstellen würde und ein grenzüberschreitender Finanzkonzern entstünde. Als Risikofaktor gelten allerdings die vielen faulen Kredite und italienischen Staatsanleihen, die in den Büchern der Bank schlummern. Deren Kurs könnte dank der ausgabenfreudigen Populistenregierung in Rom leiden und die Bilanz belasten. Berlin hat deshalb wohl Zweifel, wie stabil die neue deutsche Großbank wäre.

Und schließlich wird auch einer weiteren europäischen Großbank immer wieder Interesse an der Deutschen Bank nachgesagt: BNP Paribas. Auch hier spielen politische Motive eine große Rolle - allerdings der französischen Regierung. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron ist ganz offen für den Einstieg. Denn damit würde Frankreichs nationaler Champion ein Standbein im deutschen Bankenmarkt bekommen. Für Paris wäre das zudem ein großer Fortschritt im Bestreben, grenzüberschreitende Finanzkonzerne zu schmieden und so die europäische Bankenunion voranzutreiben.

Quelle: n-tv.de

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