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Lufthansa-Rettung gesichert Durchatmen in Frankfurt

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"Hoffnung verleiht Flügel" hat diese Lufthansa-Mitarbeiterin auf ihre Engelsflügel geschrieben - der Konzern kann sie gebrauchen.

(Foto: dpa)

Die Lufthansa-Aktionäre stimmen dem Staatseinstieg zu. Eine Insolvenz ist erst einmal vom Tisch - aber viele Probleme bleiben. Und die sind gewaltig.

Die Zitterpartie dauerte lange. Wochenlang stand die staatliche Rettung der Lufthansa auf der Kippe. Immer wieder schien es möglich, dass Deutschlands Vorzeige-Airline durch die Folgen der Corona-Krise in die Pleite taumelt. Nicht einmal die von der Bundesregierung angebotene 9-Milliarden-Euro-Hilfe sorgte für Ruhe. Im Gegenteil: Die Konditionen sorgten für immer hitzigere Diskussionen. Am Ende stimmten die Aktionäre mit der dafür erforderlichen Zweidrittelmehrheit einer 20-prozentigen Kapitalbeteiligung des Staates zu. Sie akzeptierten die Auflagen, die Berlin verlangte. Auch der streitbare Großaktionär Heinz Hermann Thiele schwenkte um - und vermied damit ein insolvenzähnliches Schutzschirmverfahren. Das hätte reichlichen Reputationsverlust bedeutet. Bis auf Weiteres gilt deshalb: Wer zahlt, bestimmt.

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Die Probleme bleiben. Die Folgen der Corona-Krise sind noch immer nicht komplett überwunden. Wie auch? Die Herausforderungen, die Lufthansa-Chef Carsten Spohr meistern muss, sind nach wie vor gewaltig. Der Konzern ist hochverschuldet und muss sich in einem brutal harten und schrumpfenden Markt behaupten. Ob sich das rechnet, dass sich die Unternehmensgruppe gleich mehrere Drehkreuze leistet? Zweifel sind erlaubt.

Viele der Lufthansa-Jets bleiben am Boden. Die Zahl der Passagiere ist nach wie vor überschaubar. Und ob es jemals wieder dazu kommt, dass so viele Menschen wie vor der Krise so häufig in ein Flugzeug steigen, ist längst nicht ausgemacht. Die Furcht vor Ansteckung mit dem Coronavirus steckt vielen Business- und Privatreisenden - auch nach den immer neuen Hiobsbotschaften - in den Knochen. Nicht auszumalen, wenn es zu einer weiteren starken Corona-Welle käme.

Und für den von den vielen Rettungsgesprächen gestressten Lufthansa-Chef und seine Vorstandskollegen fängt die Arbeit jetzt erst richtig an. Er muss unpopuläre Maßnahmen durchsetzen und dafür sorgen, dass der Konzern wieder Geld verdient. Die aktuelle Lage fordert ihren Tribut - trotz der Rettung. Mitarbeiter, die sich über Jahre in Arbeitsplatzsicherheit wähnten, drohen Opfer der geplanten Personalabbauprogramme zu werden. Aktionäre müssen mit der Verwässerung ihres Investments leben. Und Kunden, die auf eine Auszahlung nicht durchgeführter, aber schon bezahlter Flüge warten, zittern auch noch. Viele wurden vertröstet. Wann sie ihre verfallenen Tickets erstattet bekommen, steht in den Sternen.

Der öffentliche Druck ist Spohr sicher. Kommt die Lufthansa in noch größere Nöte, stehen Steuermilliarden im Feuer. Entspannend ist das nicht.

Quelle: ntv.de