Auto
Ganz der Alte? Nicht wirklich, aber der T5 hat seinen  Charakter behalten. Auch, wenn er rundlicher geworden ist.
Ganz der Alte? Nicht wirklich, aber der T5 hat seinen Charakter behalten. Auch, wenn er rundlicher geworden ist.(Foto: Markus Mechnich)

VW T5 Multivan im Test: Der Freundemacher

Markus Mechnich

Wer einen Bulli hat, der hat immer Freunde. So war das früher - und auch mit dem überarbeiteten T5 Multivan von Volkswagen wird das nicht anders werden. Während sich die Fangemeinde über einen Preisrutsch für den Vorgänger freut, zeigt unser Test, was das aufgefrischte Multitalent aus Wolfsburg so alles kann und bietet.

Was waren das für Zeiten, als der Führerschein noch ganz frisch in Besitz, die Welt grenzenlos und der Bulli des besten Freundes der beste Ort auf dieser Erde war. Wer einen VW-Bus sein Eigen nennen durfte, der hatte immer Freunde, oft mehr als ihm lieb war. "Kannste mal mit deinem Bulli vorbeikommen", war eine dieser Fragen, vor denen sich mein Freund Martin damals kaum retten konnte. Oder: "Wollen wir nicht alle zusammen mit dem Bus fahren?" - was natürlich hieß, dass er der Einzige war, der nichts trinken durfte. Dennoch verbinden sich bis heute unvergessliche Erinnerungen mit der Allzweckwaffe von VW.

Die Wiederannäherung zwischen dem Nachfolger, mittlerweile T5 genannt, und dem Autor verläuft unter erschwerten Vorbedingungen. Für unser Rendezvous haben wir ausgerechnet ein hartes Winter-Wochenende im Januar ausgesucht. Eis und Schnee sind unsere Begleiter, da droht die Nostalgie fast  einzufrieren. Und doch kann sich der neue Bulli von seiner guten Seite zeigen. Denn auch bei zweistelligen Minusgraden zeigt er sich robust, springt sofort an und, vor allem, heizt den Innenraum zügig auf.

Die Grundsilhouette ist immer noch gleich. Die 17-Zoll-Alufelgen sind Serie, die getönten Scheiben gehören zur Zusatzausstattung.
Die Grundsilhouette ist immer noch gleich. Die 17-Zoll-Alufelgen sind Serie, die getönten Scheiben gehören zur Zusatzausstattung.(Foto: Markus Mechnich)

Kontinuität ist auch was Schönes. Daher ist der erste Anblick auf dem Parkplatz erfreulich. Verglichen mit dem T3 aus der Jugend hat sich nicht allzu viel verändert. Klar, der Bulli ist rundlicher geworden, etwas glatter. Aber im Großen und Ganzen erkennt man ihn schon wieder. Das Facelift im vergangenen Jahr ist äußerlich an den veränderten Spiegeln und neuen Rückleuchten zu erkennen. In den Spiegeln sind jetzt die Antennen für Telefon, Navi und Radio integriert. Die Heckleuchten sind jetzt mit LEDs bestückt.

Kein Berg ist mehr zu steil

Bilderserie

Technisch hat sich natürlich einiges getan im Vergleich zu dem Bulli aus Jugendtagen. In unserem Testwagen werkelt ein Zwei-Liter-Diesel mit doppelter Aufladung unter der Haube, ein so genannter BiTurbo. Der sorgt für viel Kraft, aber vor allem für ordentlich Drehmoment. 400 Newtonmeter stemmt der frische Diesel, der mit der Neuauflage eingeführt wurde, auf die Vorderachse. Und das schon bei 1500 Umdrehungen pro Minute. Das ist kein Vergleich zu dem T3 aus früheren Tagen. Damals war eine Steigung von mehr als zwei Kilometern und mehr als fünf Prozent noch eine echte Herausforderung.

Was dem T3 aus früheren Tagen durchaus auch zu eigen war, ist eine gewisse Trunksucht. Der Benziner mit 78 PS war eigentlich nie zu überreden, seine Dienste unter dem Pensum von zehn Litern zu absolvieren. In der Regel lag der Konsum eher bei 12-15 Litern. Auch da kann der Neue glänzen. 7,8 Liter wird als Normverbrauch für den BiTurbo mit 180 PS angegeben. Im Schneesturm auf der A2 sind wir tatsächlich mit einem Verbrauch von 7,8 Litern unterwegs. Punktlandung. Für ein Auto mit dieser Größe und diesem Gewicht ein beachtlicher Wert. Bei normaler Fahrt und etwas flotterer Gangart steigt der Konsum auch nicht über neun Liter. Da hätte uns damals sicher erfreut und nach dem Tanken noch Geld für ein weiteres Kaltgetränk im Portemonnaie gelassen.

Schwergewicht leicht zu fahren

Größe und Gewicht sind naturgemäß entscheidende Punkte bei einem Großraum-Fahrzeug. Unter zwei Tonnen geht es mit dem T5 nicht ab. Das Leergewicht des kleinsten Multivans liegt bei 1999 Kilogramm. Unser Fahrzeug bringt stolze 2247 Kilogramm auf die Waage. Wer will, kann da noch mal 726 Kilogramm draufpacken. Das sind Werte, die so ein guter T3 nicht im Traum erreicht hätte, im Positiven wie im Negativen. Mit zarten 1395 Kilogramm nimmt sich der Bulli von einst heute wie ein Leichtgewicht aus. Allerdings durfte der Alte noch fast eine Tonne zuladen. Machte man zwar besser nicht, sonst kam das brave Auto doch arg ins Schwitzen, aber erlaubt war es.

Der rockt: finden auch die Jungs von der Metall-Band "The Outside". Deren Tourbus ist ein T3 Multivan.
Der rockt: finden auch die Jungs von der Metall-Band "The Outside". Deren Tourbus ist ein T3 Multivan.(Foto: Markus Mechnich)

Solche Probleme kennt der neue T5 nicht. Zumindest nicht der Spitzendiesel, der sich bei uns zum Test vorstellt. Dank eines ausgeklügelten Fahrwerks und eines bärenstarken Motors lässt sich der Neue steuern wie ein Pkw. Die Aufstellneigung in schnellen Kurven ist minimal, selbst wenn es eng wird, scheint er keine Neigung zum Kippen zu haben. Durch die Westerwälder Berge zieht uns der T5 auch Steigungen von drei, vier und mehr Kilometer wie an der Schnur gezogen hoch. Selbst mit einigem Gepäck an Bord gibt sich der Reihen-Vierzylinder keine Blöße. Sauber, kann man nur sagen. Diese Motorisierung macht wirklich Spaß. Und zusammen mit dem Fahrwerk wird daraus eine Spitzenkombi. Lediglich die Bremsen wirken in manchen Situationen etwas gefühllos.

Komplexe Bestuhlung

Doch was den Erfolg des Bulli seit 1950, da kam der erste VW Bus auf den Markt, ausmacht, ist seine Flexibilität. Das muss Platz drin sein und bei Bedarf muss hinten auch mal leer gemacht werden können. Kurz gesagt: Das kann der Neue auch. Die drei Sitze hinter den vorderen Plätzen sind auf Schienen verschiebbar, die Sitzbank hinten ebenfalls. Die drei mittleren Sitze können ausgebaut werden, was sich in der Praxis als nicht unkompliziert herausstellt. Nach einigem Gefriemel ist das Gestühl aber durchaus aus den Führungsschienen zu befreien. Unter der Sitzbank bieten sich drei Durchlade-Möglichkeiten, wovon aber nur die mittlere wirklich zum Durchschieben geeignet ist. Schön, aber nicht neu, ist der ausziehbare Mitteltisch, für die kurze Konferenz unterwegs oder das Biergelage auf dem Zeltplatz. Den kannte auch der gute alte T3.

Innen ist Praktikabilität Trumpf. Der Extra-Sitz ist drehbar und, wie die anderen auch, herausnehmbar. Das ist aber nicht besonders einfach in der Handhabung.
Innen ist Praktikabilität Trumpf. Der Extra-Sitz ist drehbar und, wie die anderen auch, herausnehmbar. Das ist aber nicht besonders einfach in der Handhabung.

Sieben Sitzplätze bietet das Lastentier aus Wolfsburg, das eigentlich ein Hannoveraner ist, an. Und ein Hannoveraner ist ein edles Tier, genauso wie der T5. Das Ambiente im Innenraum hat deutlich zugelegt. Da zeigen sich Jahre der Entwicklung im direkten Vergleich. Überall Ablagen, teils mit riesigem Format. Das Handschuhfach ist gekühlt, was uns allerdings bei Außentemperaturen um die zehn Grad Minus nicht ganz so beeindruckte. Sonnenrollos und getönte Scheiben, das ist schon was anderes als die Kiste meines Kumpels Martin, die im Sommer tropische Temperaturen entwickelte und im Winter nicht warm zu kriegen war. Könnte daran gelegen haben, dass er gerne mal nur auf drei Zylindern gelaufen ist. Tröstlich war diese Erklärung auf langen Fahrten allerdings wenig.

Freude auf lange Strecken

Da hätten wir uns damals etwas von der Unterhaltung gewünscht, die uns der Neue bieten kann. In der Mitte des Armaturenbretts thront das RNS 510 als Spitze der Multimediasysteme, die Volkswagen derzeit anbietet. Im T5 hat es Navigation, Freisprecheinrichtung mit Bluetooth-Verbindung und sogar ein DVB-T-Empfänger zum Fernsehen an Bord. Bei letzterem schaltet sich das Bild während der Fahrt allerdings ab, was den Beifahrer ärgert, aber für mehr Sicherheit im Verkehr sorgt. Die Funktionen sind alle einwandfrei bedienbar, lediglich die umständliche Bluetooth-Verbindung ist etwas nervig.

Viel Nutzwert und immer noch ein bisschen kultig: Der VW T5 Multivan stellt einen feinen Kompromiss dar und beherrscht Konzertsaal ebenso wie Auto-Werkstatt.
Viel Nutzwert und immer noch ein bisschen kultig: Der VW T5 Multivan stellt einen feinen Kompromiss dar und beherrscht Konzertsaal ebenso wie Auto-Werkstatt.(Foto: Markus Mechnich)

Dass der Bulli von heute immer noch dazu geeignet ist, die Welt zu erobern, zeigt sich spätestens am vorderen Gestühl. Die Sitzposition ist aufrecht und gerade. Dieser Unterschied zu Limousinen macht aus dem Hannoveraner ein richtig gutes Langstreckenauto. Wir sind selten so entspannt nach 700 Kilometern am Stück aus einem Fahrzeug gestiegen. Keine Rückenschmerzen und keine Kniebeschwerden - wo geht’s hier bitte nach Afrika?

Schmerzhafter Preis

Aber Nostalgie zur Seite, das gute Bulli-Gefühl will schließlich auch mit Zahlenwerk unterlegt sein. Das stramme Gewicht wurde schon erwähnt. Dafür kann der T5 mit einer Zuladung von bis zu 4525 Liter glänzen. Das ist ein außergewöhnlicher Wert, der sich natürlich in der Karosserieform begründet. Stramm ist auch das, was er wegzieht. Bis zu zweieinhalb Tonnen darf man an den Multivan anhängen. Da lässt sich das Boot, oder wahlweise das Pferd, gleich mit in den Urlaub nehmen. Das gestiegene Raumgefühl im Innenraum ist einem verlängerten Radstand zu verdanken. Das lässt den T5 noch größer wirken als seine Vorgänger, die ja auch schon nicht mit Platz geizten. Die Band muss neben ihren Instrumenten keine Platzangst mehr fürchten.

So viel Luxus will aber auch bezahlt werden. Und da kommen wir zum schmerzhaften Teil. Der BiTurbo mit seinen 180 PS ist eine tolle Motorisierung für das Auto. Aber ein Grundpreis von 47.184 Euro ist auch wirklich ein Wort. Wird das Fahrzeug in der Version mit verlängertem Radstand geordert, dann liegt der Grundpreis bei 50.003 Euro. Damit hat er wohl keine Chance darauf, die meistverkaufte Version zu werden. Das wird wohl eher wieder der Zwei-Liter-Diesel mit 102 PS, der schon beim Vorgänger der Bestseller war. Wer 2300 Euro drauflegt, bekommt die Ausstattung "Comfortline" dazu, die uns im Test viel Freude bereitet. Für 2089 Euro gibt es auf Wunsch noch ein siebenstufiges Doppelkupplungsgetriebe. Das Festplatten-Navi kostet 2576 Euro, wem ein Radio reicht, der kommt mit mindestens 631 Euro davon. Die Serienausstattung ist dagegen ordentlich. Drei-Zonen-Klima (hinten ist die dritte Zone), 17-Zoll-Leichtmetallfelgen oder Tempomat sind Serie. Die Anhängerkupplung kostet hingegen 833 Euro extra.

Man kann es nicht anders ausdrücken: Wir haben uns ein bisschen verliebt. Bulli-Fahren ist eben immer noch was Besonders. Das hohe Sitzen bringt Souveränität mit sich, und der VW Bus an sich stößt immer noch auf viel Interesse und Sympathie. Das spüren wir sehr deutlich auf unseren über 1000 Testkilometern. Passanten bleiben stehen, betrachten sich das Fahrzeug und schwelgen in Erinnerung. Irgendwie ist jeder schon ein mal in einem Bulli gesessen.

Technisch ist der Hannoveraner schon lange in der Gegenwart angekommen. Gerade als Multivan, also als Großraumlimousine, bietet er einen wunderbaren Kompromiss zwischen Nutzwert und Komfort. Dabei zeigt er die Reife eines fast Sechzigjährigen. Durchdachte Lösungen innen und außen, Bestwerte bei den wirklich wichtigen Dingen eines solchen Fahrzeugs, nämlich Zuladung und Gepäckvolumen. Im Gegenzug gibt es nur wenige echte Schwächen. Allen voran wäre da der stolze Preis anzuführen. Doch das war Fans schon immer bewusst: Bulli fahren ist nicht die billigste, vielleicht die praktischste, aber auf jeden Fall die kultigste Art der Fortbewegung.

 

Datenblatt

 
Abmessungen LxBxH
4.89 / 1,90 / 1,99 Meter
Leergewicht
2274 kg
Sitzplätze
8
Ladevolumen
max. 4525 Liter
Maximale Zuladung
726 kg
max. Anhängelast
(gebremst)
bis 2500 kg

 
Motor
Reihen-Vierzylinder
Common-Rail-Direkteinspritzung
mit doppelter Turboaufladung
2 Liter Hubraum
Antrieb und Getriebe
Frontantrieb,
6-Gang
max. Leistung
180 PS (132 kW) bei 4000 U/Min
Kraftstoffart
Diesel
Tankinhalt
70 Liter
Höchstgeschwindigkeit
191 km/h
max. Drehmoment
400 Newtonmeter bei 1.500 - 2500  U/Min
Beschleunigung 0 - 100 km/h
11,4 Sekunden
Verbrauch pro 100 Kilometer(Innerorts/Außerorts/Kombiniert)
Testverbrauch
9,8/6,7/7,8 Liter
8,4 Liter
CO2-Emissionen
205 Gramm pro Kilometer
Schadstoffklasse / Feinstaubplakette
EURO 5 / Grün
Grundpreis
47.184 Euro

 

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen