Politik
Kasich überraschte in New Hampshire, Clinton machte den Fehlstart perfekt.
Kasich überraschte in New Hampshire, Clinton machte den Fehlstart perfekt.

New Hampshire und die Folgen: Clinton angezählt, Kasich überstrahlt "Robot"

Von Christian Rothenberg

Donald Trump und Bernie Sanders lassen sich feiern, Hillary Clinton erlebt eine herbe Schlappe. Wie ist der Stand im Rennen um die US-Präsidentschaftswahl? Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Vorwahlen in New Hampshire.

Was war die größte Überraschung?

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Bei den Republikanern sicherlich John Kasich. Fiel der Ex-Gouverneur beim Caucus in Iowa noch weit zurück (1,9 Prozent), schnappte er sich in New Hampshire mit starken 15,9 Prozent den zweiten Platz hinter Donald Trump. Ein anderer Bewerber der Grand Old Party enttäuschte derweil auf ganzer Linie. Marco Rubio, zuletzt in die Rolle des Geheimfavoriten gestellt und dann als "Marco Robot" verspottet, holte lediglich 10,6 Prozent und blieb damit weit hinter den Erwartungen zurück. "Es wird nie wieder passieren", versprach der Senator von Florida nach der Niederlage. Bei den Demokraten ist das Bewerberfeld deutlich übersichtlicher. Die größte Überraschung ist hier das Ergebnis von Bernie Sanders. Der Senator von Vermont hatte zwar schon in Umfragen vor Hillary Clinton gelegen. Aber dass er (60 Prozent) die ehemalige Außenministerin (38 Prozent) so deutlich besiegen würde? Ein Achtungserfolg. Bemerkenswert: Der 74-Jährige holte 85 Prozent bei den Unter-34-Jährigen.

Was bedeutet das Ergebnis für die Favoriten?

Ergebnis in New Hamsphire

Bei den Republikanern: Trump (35,1 Prozent; 10 Delegierte), Kasich (15,9; 3), Cruz (11,6; 2), Bush (11,1; 2), Rubio (10,5; 0), Christie (7,5; 0), Fiorina (4,2; 0), Carson (2,3; 0).

Bei den Demokraten: Sanders (59,9 Prozent; 13), Clinton (38,4; 9).

"Menschen von New Hampshire, vergesst das niemals: Mit euch hat es angefangen", so ließ sich Donald Trump nach der Abstimmung feiern. Nach einem angeknacksten Selbstvertrauen oder Unsicherheit hat man bei dem Milliardär nach dem mageren Abschneiden in Iowa ohnehin vergeblich gesucht. Mit seinem deutlichen Sieg in New Hampshire (35 Prozent) unterstreicht Trump seine Ambitionen und widerlegt auch letzte Spekulationen, wonach er nur ein aufgeblasener Außenseiter sei. Demokraten-Favoritin Clinton erlebte nach dem nur knappen Sieg in Iowa einen weiteren Dämpfer. Auch wenn erst in zwei Staaten gewählt wurde: Dass Sanders bisher mehr Delegiertenstimmen hat, wird das Clinton-Lager erschüttern. 2008 hatte die 68-Jährige in New Hampshire noch gegen Barack Obama gewonnen. Und nun? Nicht mal bei weiblichen Wählern erhielt sie eine Mehrheit. Die Wähler, denen Ehrlichkeit besonders wichtig ist, entschieden sich sogar zu 91 Prozent für Sanders. "Es kommt nicht darauf an, ob man niedergeschlagen wird. Es kommt darauf an, ob man wieder aufsteht", sagte Clinton vor ihren Anhängern. Sicher ist: Bei den nächsten Vorwahlen in Nevada und South Carolina, wo Clinton in Umfragen vorne liegt, muss sie endlich liefern.

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Wer war der heimliche Sieger?

Es gibt zwei, Sanders und Kasich. Sanders demonstrierte spätestens in New Hampshire, dass er doch ein ernst zu nehmenderer Kandidat ist, als viele angenommen hatten. Die bisherigen Resultate verschaffen ihm einen Puffer für die kommenden Vorwahlen, bei denen Clinton gewinnen dürfte. Der Republikaner Kasich bewies in New Hampshire, dass Rubio nicht der einzige gemäßigte Alternativ-Kandidat zu den radikaleren Trump oder Ted Cruz ist. "Heute Nacht hat das Licht die Dunkelheit des negativen Wahlkampfes erhellt", triumphierte Kasich angesichts des Ergebnisses in New Hampshire. Der 63-Jährige, der in seinem Wahlkampf für Kooperation mit den Demokraten wirbt, muss bei den nächsten Vorwahlen zeigen, ob ernsthaft mit ihm zu rechnen ist. Die Lage im Feld der Republikaner bleibt konfus. Um Chris Christie (7,5 Prozent), Carly Fiorina (4,2) und Ben Carson (2,3) ranken sich hartnäckig Gerüchte, dass sie ihre Kampagnen bald beenden könnten. Jeb Bush erklärte nach seinem recht akzeptablen Abschneiden in New Hampshire (11,1 Prozent), dass seine Kampagne nicht tot sei. Der frühere New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg erwägt derweil immer noch eine Kandidatur. Spätestens nach den nächsten Vorwahlen könnte der Druck aus dem Umfeld jedoch groß werden, lieber einem aussichtsreicheren Bewerber wie Rubio zu unterstützen – oder eben Kasich.

Was für eine Bedeutung hat New Hampshire?

Wie Iowa hat New Hampshire eigentlich keine große Bedeutung. In dem Staat in der Region Neuengland an der Ostküste leben lediglich 1,3 Millionen Menschen. Mit vier Wahlmännern ist der Einfluss auf das Ergebnis der Präsidentschaftswahl gering. Die Wählerschaft gilt als wenig religiös, besteht zu 93 Prozent aus Weißen, es gibt kaum Minderheiten – repräsentativ für das Land ist das nicht. Dennoch: Die zweite Vorwahl hat große Symbolkraft. Dort entscheidet sich, ob den Kandidaten der Start in den Wahlkampf gelingt oder misslingt.

Wie geht es jetzt weiter?

Im Februar finden zwei weitere Vorwahlen statt: in South Carolina und in Nevada. In beiden Staaten führen Trump und Clinton in den Umfragen. In beiden Staaten müssen die Kandidaten stärker als bei den zurückliegenden Vorwahlen um die Gunst der Minderheiten, um latein- und afroamerikanische Wähler buhlen. Als vorentscheidend im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur gilt der "Super Tuesday" am 1. März, wenn gleich in einem Dutzend Bundesstaaten gewählt wird. Spätestens dann dürften sich die Reihen der Bewerber – vor allem bei den Republikanern - deutlich lichten.

Wann fällt die endgültige Entscheidung?

Im Juli finden die Wahlparteitage von Republikanern und Demokraten statt, bei denen die Delegierten aus den Bundesstaaten ihre Kandidaten benennen. Im Oktober stehen sich die endgültigen Präsidentschaftskandidaten in drei TV-Duellen gegenüber. Die Wahl findet am 8. November statt, die Amtseinführung am 20. Januar 2017.

Quelle: n-tv.de

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