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Zwei Sieger und ein Verlierer: Marco Rubio, Bernie Sanders und Jeb Bush. (v.l.)
Zwei Sieger und ein Verlierer: Marco Rubio, Bernie Sanders und Jeb Bush. (v.l.)(Foto: Collage (rts/ntv.de))

Das bedeuten die Ergebnisse in Iowa: Rubio lauert, Sanders feiert, Bush schiebt Frust

Von Christian Rothenberg

Noch neun Monate, dann wählen die US-Amerikaner den Nachfolger von Barack Obama. Bei der ersten Vorwahl erleben die Favoriten böse Überraschungen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Caucus in Iowa.

Was war die größte Überraschung?

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Die erste Vorwahl im Bundesstaat Iowa zeigt: Das Rennen der Präsidentschaftsbewerber ist noch spannender als angenommen. Bei den Republikanern gewann Ted Cruz (28 Prozent) überraschend vor Donald Trump (24). Noch knapper war es bei den Demokraten: Hillary Clinton erreichte in Iowa 49,9 Prozent, ihr Herausforderer Bernie Sanders 49,5 Prozent. Weil es so knapp war, musste in mehreren Countys sogar eine Münze geworfen werden. Der Münzwurf gehört zum Regelwerk des Caucus.

Was bedeutet das Ergebnis für die Favoriten Trump und Clinton?

Beide erhielten beim Start in die heiße Phase des Wahlkampfes einen kräftigen Dämpfer. Trump unterlag, obwohl er zuletzt in allen Umfragen und teilweise deutlich vor Cruz gelegen hatte. Clinton war bei Meinungsforschern vorn, das tatsächliche Ergebnis fiel jedoch nur knapp aus. Dass Sanders wider Erwarten so stark abgeschnitten hat, dürfte das Clinton-Lager verunsichern. Iowa zeigt: Sanders ist womöglich doch stärker als erwartet.

Wer ist der heimliche Gewinner?

Marco Rubio. Der Senator aus Florida hat in Iowa gezeigt, dass der Kampf um die Kandidatur keineswegs nur zwischen Trump und Cruz ausgetragen wird. Rubio sitzt den beiden im Nacken. In Iowa wurde der Senator von Florida nur ganz knapp Dritter. Er erhielt 23 Prozent, deutlich mehr als ihm vorhergesagt wurde. Die Chancen von Rubio, der vor allem im Vergleich zu Trump und Cruz als politisch ausgewogener Kandidat gilt, dürften noch steigen, wenn gemäßigte Kandidaten wie Jeb Bush, Chris Christie und John Kasich aussteigen und ihre Anhänger Rubio unterstützen. Der 44-Jährige lauert daher im Schatten von Trump und Cruz auf seine Chance.

Nach welchem Verfahren wurde in Iowa gewählt?

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In Iowa wurde nach einem Caucus-Verfahren gewählt. In 1681 Wahlkreisen fanden sich die Anhänger beider Parteien zu Wahlversammlungen zusammen und diskutierten. Bei den Demokraten wurde dann offen, bei den Republikanern geheim abgestimmt. Die Kandidaten müssen bei den Vorwahlen auf eine bestimmte Anzahl an Delegierten kommen. Bei den Republikanern benötigt man 1237, bei den Demokraten 2382. In Iowa werden die Stimmen proportional auf die Delegierten verteilt, die der Bundesstaat zu den jeweiligen Parteitagen der Parteien schickt. Bei den Demokraten heißt das: 24 Wahlmänner für Clinton, 21 für Sanders. Bei den Republikanern: 8 für Cruz, jeweils 7 für Trump und Rubio, 3 für Ben Carson und jeweils einer für Rand Paul und Jeb Bush.

Was für eine Bedeutung hat Iowa?

In dem kleinen Bundesstaat im Mittleren Westen leben nur 3 der insgesamt knapp 320 Millionen US-Amerikaner. Die Wähler, die überwiegend weiß und sehr religiös sind, gelten nicht gerade als Querschnitt der USA. Dennoch kommt dem Caucus eine große Signalwirkung zu, gilt er doch als erster Stimmungstest. Die vergangenen Jahrzehnte zeigen: Es wurde kein Bewerber Präsident, der in Iowa nicht mindestens auf Platz 3 gekommen ist. Bitter ist dies vor allem für Jeb Bush. Der Republikaner, der in Iowa mit 3 Prozent nur Sechster wurde, muss seine Hoffnungen auf das Weiße Haus wohl endgültig begraben. Das Gleiche dürfte demnach auch für Paul (5 Prozent) und Chris Christie (2) gelten. Der demokratische Bewerber Martin O'Malley erklärte bereits seinem Ausstieg. Der frühere Gouverneur des Bundesstaats Maryland erhielt in Iowa weniger als 1 Prozent der Stimmen. Bei den Demokraten sind Clinton und Sanders nun die einzig verbleibenden Bewerber.

Wie geht es jetzt weiter?

Schon in der kommenden Woche findet in New Hampshire die nächste Vorwahl statt. Bei den Demokraten liegt Sanders, der aus dem Nachbarstaat Vermont kommt, in Umfragen vor Clinton, bei den Republikanern ist Trump Favorit. Mit Spannung erwartet wird der "Super Tuesday". An jenem 1. März wählen Delegierte in 14 Bundesstaaten ihre Kandidaten für die Republikaner, in zwölf für die Demokraten. Im Rennen der Präsidentschaftsbewerber dürfte dann zumindest eine Vorentscheidung fallen.

Wann fällt die endgültige Entscheidung?

Das wird wohl noch etwas dauern. In allen 50 US-Staaten finden in den kommenden Wochen und Monaten Vorwahlen statt. Wenig aussichtsreiche Bewerber scheiden nach und nach aus. Im Juli finden die Wahlparteitage von Republikaner und Demokraten statt, bei denen die Delegierten aus den Bundesstaaten ihre Kandidaten benennen. Im Oktober stehen sich die endgültigen Präsidentschaftskandidaten in drei TV-Duellen gegenüber. Die Wahl findet am 8. November statt, die Amtseinführung am 20. Januar 2017.

Quelle: n-tv.de

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