Politik

"Bitte klatschen Sie": Jeb Bush muss schon um Applaus betteln

Von Christian Rothenberg

Bei einer Wahlveranstaltung bittet Jeb Bush plötzlich um Beifall. Die Zuhörer folgen der Aufforderung nur müde. Daraufhin wird der US-Präsidentschaftsbewerber verhöhnt.

Was wäre, wenn? Jeb Bush spricht zurzeit häufig darüber. "Ich wäre ein Oberbefehlshaber, der die Unterstützung des Militärs hätte. Ich rede keinen Trash Talk, ich wäre keiner, der ausgrenzt, kein Agitator oder Aufschneider", sagt Bush am Dienstag auf einer Wahlveranstaltung in New Hampshire, während er zwischen den Stuhlreihen umherläuft. Der nächste Präsident müsse wesentlich ruhiger sein, so Bush, sein Ziel sei es, zu einer friedlicheren Welt beizutragen. Bush stoppt plötzlich, reibt sich die Hände, legt den Kopf zur Seite und schaut etwas schüchtern in die Runde: "Bitte klatschen Sie."

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Zurückhaltender Applaus setzt ein, einige Zuschauer klatschen nur zaghaft, andere gar nicht. Kein Vergleich zu den Jubelarien, die andernorts Ted Cruz oder Donald Trump auslösen. Die Szene steht symbolisch für Bushs Situation. Sein Zuspruch ist inzwischen so niedrig, dass er die Leute fast anflehen muss, und selbst dann kommt wenig. Fast könnte man Mitleid mit ihm haben. Eigentlich sollte Bush den Amerikanern Mut machen, aber dazu ist er kaum noch imstande. Sein Wahlkampf ist bisher die Geschichte eines gnadenlosen Scheiterns. Kaum jemand glaubt noch daran, dass in einem Jahr der dritte Bush ins Weiße Haus einzieht.

Dabei begann alles so verheißungsvoll. Noch im Sommer galt Bush als Topfavorit unter den Präsidentschaftsbewerbern. Von April bis Juli lag er in den Umfragen der Republikaner auf Platz eins. Inzwischen erreicht Bush nicht mal mehr fünf Prozent. Sein großes Dilemma: Selbst die ausgezeichneten Netzwerke, die Bush als große Stärke bescheinigt wurden, helfen ihm nicht. Für viele US-Amerikaner steht er stellvertretend für das verhasste Establishment, gegen das Kandidaten wie Trump und Cruz zurzeit so erfolgreich mobilisieren. Im Vergleich zu ihnen wird Bushs Schwäche umso offensichtlicher: Er ist kein guter Redner, der die Menschen mitreißt.

Endstation Nevada?

Die niederschmetternde Realität ließ sich beim symbolisch wichtigen Caucus in Iowa beobachten. Bei der ersten Vorwahl holte Bush nur 2,8 Prozent. Das bedeutete Platz sechs und nur einen Delegierten. Eine Statistik der "Washington Post" belegt: Eine Stimme in Iowa kostete Bush 5200 Dollar an Wahlkampfmitteln. Kein anderer Bewerber der Republikaner zahlte so viel für eine Stimme. Auch Bush kennt die alte Regel: Wer in Iowa nicht mindestens Dritter wird, kann nicht Präsident werden. Rand Paul, der in Iowa besser abschnitt als Bush, zog daraus bereits Konsequenzen und beendete seine Kampagne. Auch andere Kandidaten wie Rick Santorum sind angesichts ihrer mangelnden Erfolgsaussichten schon ausgestiegen.

Und Bush? Bisher gibt sich der frühere Gouverneur von Florida noch nicht geschlagen. Er setzt alle Hoffnungen auf die zweite Vorwahl in der kommenden Woche in New Hampshire. Die Umfragen sehen Bush bei bis zu 14 Prozent und damit zwar weit hinter Trump, aber immerhin auf Augenhöhe mit Cruz und Marco Rubio. Die Anspannung ist groß in Bushs Lager. Die nächsten Wochen dürften entscheiden, ob eine Fortsetzung seiner Kampagne überhaupt lohnt. Wenn es in New Hampshire und auch zwei Wochen später bei den Vorwahlen in Nevada und South Carolina nicht laufen sollte, wird Bush möglicherweise schon hinwerfen. Dann müsste er sich dem Druck im Lager der gemäßigten Republikaner beugen und seinen politischen Ziehsohn, den moderaten Rubio, unterstützen. Der 44-Jährige hat neben Cruz und Trump die besten Chancen auf eine Kandidatur. Für Bush wäre es ein sang- und klangloses Ausscheiden, für die stolze Bush-Dynastie eine Blamage.

Bezeichnend für Bushs Situation sind auch die Reaktionen auf seinen Klatsch-Appell in US-amerikanischen Medien und sozialen Netzwerken. Nach weniger als 24 Stunden verzeichnet ein Video der Szene bei YouTube schon mehr als 100.000 Klicks. In den Kommentaren dominiert Häme. "Das ist das Traurigste überhaupt in diesem Wahlkampf", kommentiert ein Nutzer. Ein anderer schreibt: "Die Zuhörer haben noch weniger Energie als er." Das ist nicht gerade der Zuspruch, den Bush in diesen Tagen dringend benötigt.

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Quelle: n-tv.de

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