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"Ich finde das Niveau des Diskurses und der Diskussion beunruhigend banal", sagt Bloomberg.
"Ich finde das Niveau des Diskurses und der Diskussion beunruhigend banal", sagt Bloomberg.(Foto: REUTERS)

Neuer Faktor im US-Wahlkampf: Michael Bloomberg erwägt Kandidatur

Den derzeitigen Wahlkampf empfindet Michael Bloomberg als "eine Beleidigung für die Wähler". Der ehemalige Bürgermeister von New York denkt nun über eine Kandidatur zur Präsidentschaftswahl nach. Eine Kandidatur würde den bisherigen Wahlkampf völlig durcheinanderbringen.

Der frühere New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg erwägt laut einem Medienbericht, als Unabhängiger zur Präsidentschaftswahl im November zu kandidieren. "Ich finde das Niveau des Diskurses und der Diskussion beunruhigend banal und eine empörende Beleidigung für die Wähler", sagte Bloomberg der "Financial Times". Die US-Bürger verdienten "weit Besseres". Er prüfe "alle Optionen", sagte er auf die Frage nach einer Kandidatur.

Michael Bloomberg

Bloomberg wurde 1942 ein eine Familie polnisch-russischer Abstammung geboren. Nach einem Ingenieursstudium besuchte er die Universität Harvard und studierte Betriebswirtschaft.

1981 gründete er die nach ihm benannte Finanznachrichtenagentur, mit der er in den frühen 80er-Jahren ein Milliardenvermögen verdiente.

2001 gewann Bloomberg die Bürgermeisterwahl von New York und trat die Nachfolge von Rudolph Giuliani an.

 Der 73-jährige Gründer der gleichnamigen Finanznachrichtenagentur würde mit seiner Kandidatur als Unabhängiger das Rennen zwischen Demokraten und Republikanern völlig durcheinanderbringen. Die "New York Times" hatte vergangenen Monat berichtet, Bloomberg habe Berater beauftragt, einen Plan für eine Kandidatur auszuarbeiten. Für den Wahlkampf könnte er demnach rund eine Milliarde Dollar seines Vermögens bereitstellen, das auf 40 Milliarden Dollar geschätzt wird.

Sein Vermögen ist deutlich höher als das des Immobilienmoguls Donald Trump, der sich um die Kandidatur der Republikaner bewirbt. Sein Vermögen beträgt laut "Forbes" 4,5 Milliarden Dollar. Bloomberg, der als Pragmatiker gilt, aber auch für umstrittene Fragen wie eine Verschärfung des Waffenrechts eintritt, war bis 2001 Demokrat, wechselte dann zu den Republikanern und machte sich 2007 unabhängig. Er erwog bereits wiederholt eine Kandidatur für die Präsidentschaft.

Vorwahl in New Hampshire beginnt

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 Derweil haben die demokratischen und republikanischen Kandidaten kurz vor der Vorwahl im US-Bundesstaat New Hampshire noch einmal um Stimmen geworben. Kreuz und quer reisten sie durch den Bundesstaat im Nordosten, um die Wähler von sich zu überzeugen.

Bei den Demokraten geht der 74 Jahre alte Bernie Sanders als klarer Favorit ins Rennen. Der Senator von Vermont liegt in manchen Umfragen sogar mit 2:1 vor der sechs Jahre jüngeren Ex-Außenministerin Hillary Clinton. Vermont ist ein Nachbarstaat von New Hampshire. Am Montag vergangener Woche hatte Clinton die Vorwahl in Iowa mit einem hauchdünnen Vorsprung gewonnen.

Bei den Republikanern führt der umstrittene Multimilliardär Donald Trump in Umfragen vor den Senatoren Marco Rubio und Ted Cruz. Während Letzterer in Iowa auf den ersten Platz kam, präsentiert sich Rubio als Kompromisskandidat und polarisiert weniger als Trump und Cruz. Bei den Vorwahlen sieben die beiden großen Parteien ihre Bewerber aus. Die jeweiligen Spitzenkandidaten der Republikaner und Demokraten werden dann auf Parteitagen im Sommer gekürt. Die Präsidentschaftswahl folgt am 8. November. Die ersten Wahllokale öffnen um 6 Uhr (12 Uhr deutscher Zeit). Sie schließen zu unterschiedlichen Uhrzeiten, manche haben bis 20 Uhr (2 Uhr deutscher Zeit am Mittwochmorgen) geöffnet. Mit ersten Trends wird kurze Zeit später gerechnet.

Zwar hat New Hampshire zahlenmäßig geringe Bedeutung für die Kandidatenkür. Die Bundesstaaten, in denen zuerst abgestimmt wird, gelten aber als wichtige Bewährungsprobe für die Kandidaten. Schon in der vergangenen Woche stiegen einige Bewerber aus dem Rennen aus. Organisiert werden die Vorwahlen in New Hampshire im Unterschied zu Iowa nicht von den Parteien, sondern von der Regierung des Bundesstaates. Es gibt 307 Wahllokale. Gewählt wird geheim. Abstimmen dürfen alle registrierten Wähler - also nicht nur eingetragene Demokraten und Republikaner. Wer keiner der beiden Parteien angehört, wird unter "unabhängig" geführt und kann entweder für die Bewerber von Demokraten oder für die der Republikaner stimmen.

Quelle: n-tv.de

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