Technik
Wie immer gut besucht: Google eröffnete die I/O mit einer langen Keynote.
Wie immer gut besucht: Google eröffnete die I/O mit einer langen Keynote.(Foto: Google/Screenshot: jwa)

I/O mit AI, VR und Android O: Google zeigt Technologie auf nächstem Level

Von Johannes Wallat

Google eröffnet seine Entwicklermesse I/O. Schwerpunkte der gut zweistündigen Eröffnungsveranstaltung sind Android O, Googles Assistant und Virtual Reality. Mit einem neuen Gerät geht Google einen entscheidenden nächsten Schritt.

Googles Entwicklermesse I/O hat ihre Tore geöffnet. Wie jedes Jahr strömen zahlreiche Technik-Experten, Programmierer und Entwickler ins kalifornische Mountain View, um der mehrtägigen Konferenz beizuwohnen. Das Programm ist vollgepackt, spannend für Außenstehende ist vor allem die Keynote, mit der die I/O traditionell eröffnet wird. Im Zentrum der diesjährigen Eröffnungs-Präsentation von Google-Chef Sundar Pichai stehen Android, Künstliche Intelligenz und Maschinelles Lernen sowie Virtuelle Realität.

"AI First"

Vom Motto "Mobile First" hat sich Google verabschiedet. Jetzt heißt es "AI First" - also Künstliche Intelligenz zuerst. Dazu gehören kleine Alltagshilfen wie automatische Antworten bei Gmail - die "Smart Replys" schlagen mögliche Antwortsätze auf Mails vor - und die Spracherkennung, deren Genauigkeit Google ständig verbessert und die zum Beispiel beim smarten Lautsprecher Google Home zum Einsatz kommt.

Google Lens

Auch die Bilderkennung gehört dazu: Googles Software erkennt Inhalte in Bildern, kann Aufnahmen automatisch verbessern oder störende Elemente aus Fotos entfernen. Die Plattform "Google Lens" bringt im Assistant und in Fotos diese und andere Fähigkeiten unter ein Dach: Richtet ein Nutzer die Kamera auf ein Restaurant in der Straße, zeigt Googles Assistant die nötigen Informationen dazu an, Bild- und Standorterkennung gehen Hand in Hand. Szenenapplaus gibt's für diese Funktion: Ein Foto vom Strichcode und dem WLAN-Code auf einem fremden Router reicht aus, und Googles Assistant erledigt die Anmeldung im WLAN von selbst.

Assistant

Apropos Assistant: Googles Gehilfe versteht nicht nur natürliche Sprache und Folgefragen, sondern kann nun auch durch Tippen angesprochen werden oder erkennt, dank Google Lens, seine Umgebung und kann entsprechend Termine eintragen, Rezepte anzeigen, Musik spielen und vieles mehr. Ab Sommer wird der Google Assistant auch auf Deutsch verfügbar sein. Auch Android TV bekommt den Assistant. Kleines, aber wichtiges Detail: iPhone-Nutzer können ihn jetzt ebenfalls konsultieren.

Home

Google Home, Googles smarter Assistant-Lautsprecher, wird im Sommer auch nach Deutschland kommen. Zu den neuen Funktionen gehören "proaktive Benachrichtigungen", die den Nutzer zum Beispiel daran erinnern, zu einem Termin aufzubrechen. Home kann bald auch Anrufe tätigen, "Hands free", also über Sprachbefehle, vorerst aber nur in den USA. Spotify-Nutzer können mit Home nun auch den Gratis-Dienst nutzen. Hinzu kommen Soundcloud und Deezer sowie, per Update, Bluetooth-Unterstützung. Home kann zudem nützliche Informationen aufs Smartphone oder zum Fernseher schicken, zum Beispiel Routenbeschreibungen, Kalendereinträge oder Wettervorhersagen. Google verteilt dafür ein Update für seine Chromecast-Geräte.  

Fotos

Googles Fotos-App bekommt die smarten Fähigkeiten von Google Lens (später im Jahr) und wird auch ein Stück selbstständiger. Der Dienst wird in Zukunft Fotos zum Teilen vorschlagen ("Suggested Sharing"): Die App erkennt Inhalte und Personen auf Fotos und empfiehlt dem Nutzer auf dieser Basis, welche Bilder er mit welchen Menschen teilen könnte. Über "Shared Libraries" teilt man gesamte Sammlungen mit Partnern, Freunden oder Verwandten. Nutzer bestimmen selbst, welche Bilder genau geteilt werden, unter anderem nach Datum oder Personen im Bild. Die Empfänger können entscheiden, welche Bilder sie in ihrer eigenen Bibliothek speichern. Die neuen Funktionen kommen "in den kommenden Wochen" zu Android, iOS und zum Web-Dienst. Mit Googles "Photo Book"-Service können Nutzer direkt aus der App Fotobücher erstellen und sich nach Hause schicken lassen, vorerst aber nur in den USA.

Youtube

Youtube bringt 360-Grad-Inhalte auf den Fernseher im Wohnzimmer: Beeindruckende Naturaufnahmen oder Konzertmitschnitte können auf dem Fernseher angezeigt werden - die Fernbedienung dreht das Bild um 360 Grad, so dass Nutzer vom Sofa aus in alle Richtungen schauen können. Auch mit Live-Events wird die Rundum-Sofa-Sicht funktionieren. Mit "Super Chat" können Nutzer gegen Geldspende Chat-Nachrichten prominent platzieren. Das Geld kann zum Beispiel an wohltätige Organisationen gespendet werden.

Android

Weiter zu Android O: Zwei Punkte stehen im Fokus, die sogenannten "Fluid Experiences" und "Vitals". Android O bietet flexible Bild-in-Bild-Anzeigen und wechselt bei Bedarf (ein Tipp auf den Home-Button) automatisch in eine Multi-Window-Ansicht - zum Beispiel, um während eines Video-Chats den Kalender anzuzeigen. Benachrichtigungen werden verbessert, unter anderem zeigt Android O Neuigkeiten direkt am App-Symbol an. Ein langer Druck zeigt die Details. "Auto Fill" wird von vielen Diensten unterstützt und trägt zum Beispiel Nutzernamen und Passwörter auf Websites automatisch ein. Auch "Copy & Paste" wird einfacher: Android O erkennt, wenn Nutzer auf Telefonnummern, Straßennamen oder E-Mai-Adressen tippen und markiert automatisch alles, was dazugehört und schlägt passende Apps vor, zum Beispiel Maps, Telefon oder Gmail.

Bei "Vitals" geht es um die lebenserhaltenden Funktionen des Smartphones: Akkulaufzeit, Leistung, Sicherheit. "Google Play Protect" Scannt Apps im Play Store und auf dem Smartphone nach gefährlichen und bösartigen Anwendungen. Die Boot-Zeit bei einem Neustart wird mit Android O reduziert, alle Apps sollen durch Anpassungen unter der Haube schneller starten, flüssiger laufen und den Akku schonen. Hintergrundaktivitäten von Apps werden eingeschränkt. Mit Android O können Nutzer neue Schriftarten und Emojis herunterladen, die Einstellungen können angepasst werden. Szenenapplaus gibt's von den Entwicklern dafür, dass Kotlin offizielle Programmiersprache für Android wird.

Eine Beta-Version von Android O ist ab sofort verfügbar.

VR und AR

Vergangenen Herbst erschien Googles VR-Brille Daydream View. Jetzt gibt Google die nächsten Schritte bekannt: LGs neues Flaggschiff, das später im Jahr vorgestellt wird und noch keinen offiziellen Namen hat, bekommt Daydream-Unterstützung. Auch Samsungs Top-Modelle Galaxy S8 und S8 Plus bekommen im Sommer ein Update für Daydream und können damit zum Beispiel mit Googles Daydrem View genutzt werden.

Ein kleines Highlight der Keynote: Die Standalone-VR-Headsets, zu denen es im Vorfeld bereits Gerüchte gab. Die Geräte, von denen es bisher nur schematische Zeichnungen gibt, kommen ohne Smartphone, ohne Kabel und ohne PC aus. Sie sind voll auf VR ausgerichtet und entsprechend optimiert. Highlight ist das präzise Tracking "World Sense", das dank zahlreicher Sensoren exakt erkennt, an welcher Position sich der Nutzer im Raum befindet. Die Technik hat Google mit Qualcomm entwickelt, die ersten Standalone-Daydream-Headsets werden von HTC und von Lenovo gebaut.

Googles Plattform für Erweiterte Realität (Augmented Reality, AR) ist Tango. Im Sommer geht das Tango-Smartphone Asus Zenfone AR in den Verkauf. Größte Neuerung bei Tango ist eine Art GPS für Innenräume. "VPS" (Visual Positioning Service) erkennt anhand von visuellen Markern, wo exakt sich ein Nutzer befindet - das ist zum Beispiel nützlich in großen Geschäften, Museen, Bahnhöfen oder Flughäfen.

Quelle: n-tv.de

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