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Das iPhone 7 Plus ist nicht so wasserdicht, wie sich das manche Nutzer vorstellen.
Das iPhone 7 Plus ist nicht so wasserdicht, wie sich das manche Nutzer vorstellen.(Foto: kwe)
Freitag, 04. August 2017

Der Nutzer trägt das Risiko: Kein Smartphone ist wirklich wasserdicht

Von Klaus Wedekind

Auch wenn Smartphones als wasserdicht zertifiziert sind, sollten sie nie absichtlich mit ins Wasser genommen werden. Denn der Teufel steckt im Detail und wenn etwas schiefgeht, ist meistens der Nutzer der Dumme.

Für aktuelle Smartphones ist es inzwischen fast ein Muss, dass sie wasserdicht sind. Die Hersteller werben auch gerne damit und Nutzer könnten bei so manchen Fotos auf den Produktseiten denken, die Geräte seien auch für Unterwasser-Schnappschüsse geeignet. Sie sollten sich allerdings zweimal überlegen, ob sie das Gerät tatsächlich auf einen Tauchgang schicken, denn sie können damit fürchterlich baden gehen.

Eine Befragung von 5050 Kunden der Handy-Werkstätten von Clickrepair hat ergeben, dass es relativ häufig zu Wasserschäden bei "wasserdichten" Smartphones kommt. Konkrete Zahlen-Beispiele liefert die Statistik für die aktuellen iPhone-Modelle und Samsungs Galaxy-S7-Geräte. So wurden beim iPhone 7 Plus 11 Prozent der festgestellten Schäden durch eingedrungenes Wasser verursacht. Beim Galaxy S7 sind es 9 Prozent und beim Galaxy S7 Edge 6 Prozent. Mit 3 Prozent wurden beim iPhone 7 die wenigsten Wasserschäden registriert.

Risiko: Totalschaden

Die Werte müssen nicht unbedingt bedeuten, dass das eine Smartphone dichter als das andere ist. Die Zahlen könnten unter anderem auch auf unterschiedliches Verhalten der Käufergruppen zurückzuführen sein oder dass größere Smartphones leichter aus der Tasche rutschen als kleinere. Klar ist aber: Auch Smartphones, die als wasserdicht zertifiziert sind, können leckschlagen - mit meist verheerenden Folgen. Denn in der Regel komme es dann zu einem Totalschaden, sagt Werkstättenleiter Erol Tasgin. "Lediglich die Daten des kaputten Gerätes können wir dann manchmal retten. Dafür muss das Gerät in kürzester Zeit in der Werkstatt sein."

Kunden, die dann hoffen, der Hersteller müsse für die Reparatur geradestehen, werden meistens enttäuscht. Denn bei Garantie und Gewährleistung kommt es aufs Kleingedruckte an. So müssen Kunden gewöhnlich nachweisen, dass das Gerät nicht über die in der Zertifizierung genannten Bedingungen hinaus belastet wurde - und das ist nur sehr selten bei einem Wasserschaden der Fall. Die iPhones haben beispielsweise die Zertifizierung IP67. Dabei gibt die erste Kennziffer an, wie gut ein Gerät gegen Eindringen von Staub geschützt ist. Die 6 bedeutet, dass die Smartphones vollständig staubdicht sind, eine höhere Zahl gibt es hier nicht. Spannender ist die zweite Kennziffer. Sie zeigt an, wie stark der Schutz vor eindringendem Wasser ist. 7 steht für "Schutz gegen zeitweiliges Untertauchen".

Keine Garantie

Um die Zertifizierung zu erhalten, müssen die Geräte 30 Minuten in 1 Meter Wassertiefe überstehen. "Na super", wird sich da vielleicht ein Nutzer denken, "dann kann ich ja mal schnell ein Foto von meinen Kindern im Planschbecken machen." Irrtum, denn Apple weist auf einer Info-Seite darauf hin, dass unter "kontrollierten Laborbedingungen" getestet wurde. Das bedeutet unter anderem, dass das Gerät in keinen anderen Flüssigkeiten als sauberem Wasser baden gehen sollte. Außerdem gibt der Hersteller trotz IP67 an, dass die iPhones nur gegen Spritzwasser geschützt seien und der Schutz als Resultat normaler Abnutzung nicht dauerhaft sei. Und dann die ganz kalte Dusche: "Die Garantie deckt keine Schäden durch Flüssigkeiten ab."

Auch Samsung zieht enge Grenzen, wenn es um mögliche Wasserschäden geht. Das Galaxy S7 und das Galaxy S7 Edge können nach IP68 eigentlich sogar dauerhaft in mehr als 1 Meter Wassertiefe überleben. Doch Samsung schränkt auf der Produktseite den Schutz auf 30 Minuten in 1,5 Metern Tiefe und ausschließlich in klarem Wasser ein. Und "bei Salzwasser und anderen Flüssigkeiten, insbesondere Seifenlauge, Alkohol und/oder erhitzter Flüssigkeit" gilt die Zertifizierung nicht. Wichtig ist auch der Hinweis, dass die Deckel der Einschübe von SIM- und microSD-Karten mit dem Gerät abschließen müssen. Dass dies bei einem reklamierten Wasserschaden der Fall war, müssen Kunden erstmal beweisen können.

Gefährliche Mini-Schäden

Selbst wenn ein Nutzer das Gerät vor einem Tauchgang gewissenhaft kontrolliert, darf er sich nicht allzu sicher fühlen: "Wir stellen oft fest, dass Wasserschäden durch einen vorher verursachten Sturzschaden mit Haarrissen zustande kamen. Aber auch verformte Anschlüsse oder stark verbogene Geräte sind unter anderem ein Grund für eindringendes Wasser", sagt Tasgin. Produktionsfehler - eine Voraussetzung für einen Garantiefall - seien die Ausnahme.

Nutzer eines Smartphones mit IP67/68 sollten damit zufrieden sein, dass ihr Gerät mit großer Wahrscheinlichkeit einen ungewollten Wasserplatscher heil übersteht. Auf absichtliche Tauchgänge verzichten sie aber besser, da sie nicht auf Garantie oder Gewährleistung hoffen dürfen, wenn das Handy absäuft.

Quelle: n-tv.de

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