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Teure Abos für 5 oder 10 Euro in der Woche buchen die meisten wohl nicht absichtlich.
Teure Abos für 5 oder 10 Euro in der Woche buchen die meisten wohl nicht absichtlich.(Foto: jwa)

Abgerechnet übers Handy: Was tun bei teurer Abo-Abzocke?

Von Johannes Wallat

Immer wieder tappen Smartphone-Nutzer über Werbebanner, gefälschte Buttons und versteckte Links in die Abofalle - fast immer ungewollt und oft unbemerkt. n-tv.de erklärt, wie man der Abzocke vorbeugt und was Betroffene tun sollten.

Smartphones nutzen die meisten Menschen zum Telefonieren, zum Surfen im Netz und für viele Apps - kleine Spiele, Messenger-Anwendungen und nützliche Zusatz-Dienste. Viele davon sind gratis, oft durch Werbung finanziert, die gegen einen kleinen Aufpreis ausgeschaltet wird. So weit, so klar. Man kann mit seinem Smartphone aber auch andere kostenpflichtige Dienste nutzen, die von Drittanbietern angeboten und direkt über die Handyrechnung abgerechnet werden - Premium-SMS oder kostenpflichtige Abos zum Beispiel. In vielen Fällen wurden diese nicht absichtlich oder bewusst bestellt, oft handelt es sich dabei um sogenannte Abofallen.

Ungewollt und unerwartet

Wer schon einmal selbst in die Falle getappt ist, weiß, wie ärgerlich so ein Fall ist. Man bekommt plötzlich eine SMS vom Mobilfunkanbieter, in der etwas von einem Kauf bei Anbieter XY steht und davon, dass dafür künftig wöchentlich ein gewisser Betrag berechnet wird. Oder auf der monatlichen Rechnung tauchen plötzlich hohe Beträge auf. Vom Anbieter hat man noch nie etwas gehört, bestellt hat man nirgendwo irgendetwas und schon gar nicht bewusst eingewilligt, einen nicht näher benannten Dienst für 4,99 Euro pro Woche in Anspruch zu nehmen.

Wie kann so etwas passieren? Wege in die Abofalle gibt es viele. Im Februar 2016 berichtete der Verein für Internetsicherheit "Mimikama" über eine gefälschte "Bild"-Schlagzeile zum angeblichen Unfall von Til Schweiger, die bei Facebook verbreitet wurde. Wer vom Desktop-PC aus darauf klickte, landete auf einer Gewinnspielseite. Wer den Link übers Handy öffnete, kam auf eine "dubiose Sex-Seite mit einer fiesen Abofalle". Vergleichbare Fälle gibt es viele, von gefälschten Android-Systemwarnungen über harmlos anmutende Buttons, Werbebanner und angebliche WhatsApp-Meldungen bis zu den oben genannten Sensationsmeldungen. Die deutschen Verbraucherzentralen erreichen täglich zahlreiche Beschwerden.  

Drittanbieter sofort sperren

Der erste Schritt für Betroffene ist ein Anruf beim Mobilfunkanbieter, um eine Drittanbietersperre einzurichten. Das ist der wirksamste Schutz gegen weitere teure Abzock-Abos. Auf Antrag ihrer Kunden sind Mobilfunkanbieter seit Mai 2012 gesetzlich dazu verpflichtet, eine Sperre für die oft ungewollten Leistungen von Fremdanbietern einzurichten. Einmal aktiviert, sind alle sogenannten "Mehrwertdienste" von Dritten gesperrt, die ihr Geld über die mobile Bezahlfunktion (WAP-Billing) bekommen.

4,99 Euro pro Woche: Die Benachrichtigungs-SMS kommt mitten in der Nacht.
4,99 Euro pro Woche: Die Benachrichtigungs-SMS kommt mitten in der Nacht.(Foto: jwa)

Die Drittanbietersperre kann am einfachsten über einen Anruf bei der Kundenhotline oder über die Unternehmens-Homepage eingerichtet werden. Kunden von Vodafone müssen sich über "MeinVodafone" einloggen und können dann bei "Mein Mobilfunk" unter dem Punkt "Rechnung" das "Mobile Bezahlen" ein- oder ausschalten. Telekom-Kunden können einzelne Dienste online übers Kundencenter sperren. Wer alle Dienste pauschal sperren möchte, muss die Hotline anrufen, das geht vom Smartphone aus über die Kurzwahl 2202. Nutzer von O2 müssen sich für eine Sperre mit dem Kundenservice in Kontakt setzen, entweder über die Hotline, den Live-Chat oder über das O2-Forum. Wer einen Vertrag bei E-Plus hat, kann sich im Kundencenter bei "Mein E-Plus" anmelden und dort die Sperre einrichten.  

Bedenken sollte man aber: Es gibt auch seriöse Anbieter, die das WAP-Billing nutzen. Wenn die Drittanbietersperre erst einmal eingerichtet ist, kann man auch sonst nichts über die Mobilfunkrechnung bezahlen, zum Beispiel Klingeltöne, Nachrichtendienste oder Parktickets per SMS. Und während die Provider die Sperre kostenlos einrichten müssen, kann das Entsperren unter Umständen Geld kosten.

Wie bekomme ich mein Geld zurück?

Was aber tun, wenn bereits Geld berechnet wurde? Häufig wird mit dem Abschluss des Abos direkt die erste Rate fällig. In diesem Fall ist es wichtig, den wie auch immer zustande gekommenen Vertrag sofort zu kündigen, damit es nicht noch teurer wird. Das Problem: Dafür muss man sich mit dem Drittanbieter in Verbindung setzen, die Mobilfunkanbieter als Rechnungssteller fühlen sich nicht verantwortlich. Das ist aber nicht immer so einfach, denn oft werden für die Abwicklung externe Zahlungsdienstleister eingesetzt.

Ein aktuelles Beispiel: Der Mobilfunkanbieter bestätigt per SMS einen Kauf bei Firmen wie "Clarion Marketing Limited" oder "Doctor Mobile" für je 4,99 Euro pro Woche. Für Rückfragen wird in beiden Fällen eine kostenlose 0800-Nummer angegeben sowie die Internet-Adresse "mobile-info.cc". Beide führen zum österreichischen Dienstleister Dimoco, der mobile Bezahlungen abwickelt. Dimoco bezeichnet sich als "Vertragspartner der Mobilfunkbetreiber", der in der Mobilfunkrechnung anstelle des tatsächlichen Dienstanbieters als "technischer Partner" genannt werden könne. Für Beschwerden und Widersprüche weist Dimoco allerdings darauf hin, dass "für den Dienst selbst sowie dessen Abrechnung [...] der jeweilige Diensteanbieter zuständig (ist)." Nur dieser könne daher weiterhelfen.

Das Problem ist: Die Kontaktdaten der Diensteanbieter rückte in diesem Fall Dimoco nicht heraus, E-Mail-Adresse und Telefonnummer führen direkt wieder zum eigenen Kundendienst. Auch ein Besuch bei der von Clarion betriebenen Seite "Fonzone" führt nicht weiter: Im Impressum stehen die gleiche Telefonnummer und E-Mail-Adresse wie in der Info-SMS, sie führen zurück zu Dimoco. Wer in eine Abofalle getappt ist, hat so weder eine Möglichkeit, einfach nachzuvollziehen, wann und wie der Kaufvertrag zustande gekommen ist, noch mit dem Anbieter direkt in Kontakt zu treten. E-Mails mit der Bitte um Kostenrückerstattung werden von Dimoco mit einer standardisierten Nachricht beantwortet, dass sich die Anfrage in Bearbeitung befinde.

[Update] Dimoco: Fehler des Call Centers

Laut Dimocos Pressesprecherin hat der Kundenbetreuer im obigen Fall nicht den Richtlinien des Unternehmens entsprechend gehandelt. In der Stellungnahme heißt es:

"Um Konsumenten bestmöglich zu bedienen, nutzen Diensteanbieter, die über DIMOCO ihren Carrier Billing Zahlungsverkehr abwickeln, oftmals ein externes, professionelles Call Center. Die Call Center Betreuer sind so geschult, dass jede einzelne Anfrage direkt mit dem zuständigen Diensteanbieter geklärt wird. Ziel ist es, dem Konsumenten schnellstmöglich Feedback zu seiner konkreten Anfrage – auch hinsichtlich des technischen Ablaufs (wann und wo wurde die Transaktion ausgelöst) - zu geben."

Kunden sollen sich bei Rückfragen zu mobilen Transaktionen an den Endkundenservice wenden:

Mo-Fr 08:00-22:00

Sa/So und Ferien 09:00-18:00

Tel: DE 0800 0000 557 (EUR 0/Min.)

E-Mail: info@mobileinfo.cc

Web: http://mobile-info.cc/customercare/

Hilfe und Musterbriefe bei der Verbraucherzentrale

Die Verbraucherzentralen raten, den strittigen Betrag keinesfalls zu zahlen. Ihnen sind diese Maschen hinlänglich bekannt, sie bemängeln, dass sich die Mobilfunkanbieter nicht zuständig fühlen. Unlängst hatte deshalb die Verbraucherzentrale Hamburg (vzhh) gegen E-Plus (BASE) geklagt (Az.: 179/14/02), weil das Unternehmen bei einer Kundin eine Zahlung von über 200 Euro angemahnt hatte: Wer eine Zahlung verlange, müsse auch erklären wofür und könne nicht auf einen Dritten verweisen, so die Begründung. Eine gesetzliche Verpflichtung oder Anweisung der Bundesnetzagentur, bestrittene Drittanbieterforderungen einzuziehen, gebe es demnach nicht.

Die Klage hatte Erfolg, das Landgericht Potsdam stellte klar, dass der Verbraucher Beanstandungen gegenüber dem Mobilfunkanbieter geltend machen kann und sich nicht an den Drittanbieter wenden muss. Laut vzhh sollten Beschwerden wegen solcher Abrechnungen unter Verweis auf das Urteil also direkt an den Mobilfunkanbieter gerichtet werden - solange dieser eine entsprechende Zahlung verlangt. Die Beschwerde sollte schriftlich, am besten per Einschreiben mit Rückschein, vorgebracht werden. Darüber hinaus ist es möglich, die Forderungen von der Bank zurückbuchen lassen oder die Rechnung von vornherein nur im berechtigten Umfang zu bezahlen. Rechtliche Beratung bieten die Verbraucherzentralen an. Zum Weltverbrauchertag am 14. März hat die Verbraucherzentrale NRW eine Website eingerichtet, auf der Betroffene Hilfe finden. Eine Infografik erklärt dort alle Schritte, um sich vor Abzocke zu schützen und Geld zurückzufordern. Dort gibt es auch Musterbriefe.

Quelle: n-tv.de

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