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Kosten beim Elektro-Auto Beim Ladestrom kauft man Katze im Sack

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Ob Smartphone oder Elektroauto, wenn der Akku leer ist, muss man an die Ladestation.

(Foto: dpa)

Wer mit seinem Verbrenner an die Zapfsäule fährt, kann sich bereits vorher ausrechnen, was er für eine Tankfüllung bezahlen wird. Denn, die Preise sind für jeden sichtbar in großen Lettern angeschlagen. Anders ist es an E-Ladesäulen. Hier lädt der Kunde die Katze im Sack.

Damit sich die E-Mobilität in Deutschland durchsetzen kann, reicht nicht allein eine hohe Zahl an Ladesäulen. Ebenso wichtig sind transparente und verbraucherfreundliche Tarife. Allerdings werden wohl noch einige Jahre ins Land gehen, bis bundesweit einheitlich abgerechnet wird.

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An der Tankstelle sind die Preise für den Liter Sprit für jeden ersichtlich.

(Foto: dpa)

Wer Benzin oder Diesel tankt, sieht die aktuellen Preise bei einem kurzen Blick auf die Anzeigesäule an der Tankstelle. Was er am Ende zahlen muss, liest er direkt am Zählwerk der Säule ab. An der E-Ladesäule ist das schwieriger. Zum einen, weil nur an den wenigsten Ladepunkten die Preise angeschlagen sind, zum anderen, weil es häufig keinen Zähler gibt. Wer an einer Ladesäule tankt, kann beispielsweise Strommenge und Kosten häufig erst sehen, wenn die monatliche Abrechnung in der Post ist.

Das Problem ist bekannt

Reklamationen sind so nur schwer möglich. Und dabei wären sie manchmal durchaus angebracht: Ein Ladesäulencheck des Ökostromanbieters "Lichtblick" zeigte, dass es zwischen den unterschiedlichen Anbietern Preisunterschiede von bis zu 100 Prozent gibt. Ein Umstand, der wie gesagt nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist. Hinzu kommt: Je nach Säule, Betreiber und Stromlieferant wird entweder per Kilowattstunde, pro Ladevorgang oder die am Kabel verbrachte Zeit berechnet. Die wahren Kosten sind dadurch kaum vergleichbar.

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Die Preise für den Strom können von Ladestation zu Ladestation stark schwanken.

(Foto: dpa)

Allerdings ist das Problem seit Langem bekannt - und sollte eigentlich längst gelöst sein. Bereits im August 2018 hat das Bundeswirtschaftsministerium in einem Rechtsgutachten festgestellt, dass eine korrekte, nachvollziehbare und transparente Preisangabe und Abrechnung von Ladestrom nur durch die Verwendung der Maßeinheit Kilowattstunde (kWh) erfolgen kann. Den Ladesäulenbetreibern wurde daraufhin eine Übergangsfrist bis zum 1. April 2019 gewährt, ihre Anlagen auf die kilowattstunden-genaue Abrechnung umzustellen und die geladene Energiemenge sowie die Preise transparent darzustellen.

Umrüsten der Ladesäulen ist teuer

Das Problem: Für die zur genauen Abrechnung nötigen Zähler fehlten zunächst die eichrechtlichen Genehmigungen. Vor allem die schnellen Gleichstromsäulen konnten zunächst überhaupt nicht umgestellt werden, weshalb regional zahlreiche Betreiber eine weitere, individuelle Fristverlängerung erhielten. Bis heute ist die Umstellung nicht abgeschlossen. "Es wird damit gerechnet, dass bis Ende 2020 ein Großteil der Wechselstrom-Ladeinfrastruktur umgerüstet ist", hat die Bundesregierung kürzlich mitgeteilt. Im Gleichstrom-Bereich, also bei Schnellladern, werde dies jedoch noch bis Ende 2021 dauern. Neben Zeit kostet die Umstellung auch Geld: für den Zählereinbau in die langsameren Wechselstromsäulen werden 650 bis 2500 Euro fällig, bei Schnellladesäulen sind es 1000 bis 4500 Euro. Geld, das kein Ladesäulenbetreiber freiwillig zur Verfügung stellen möchte.

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Ein nachträglicher Zählereinbau, in eine Schnellladesäule, kostet bis zu 4500 Euro.

(Foto: dpa)

Die eichrechtskonformen Ladesysteme verfügen in der Regel über ein Display oder einen Zähler, über das dem Kunden die getankte Strommenge dargestellt wird. Aber auch andere Ansätze wie etwa Papierbons wären denkbar - Hauptsache, der Kunde sieht, was er getankt hat und wie viel es kostet. Langfristig ist es allerdings nicht unwahrscheinlich, dass der Stromzähler von der Ladesäule ins Auto wandert. Dann wäre auch das vergütete Wiedereinspeisen von Strom ins Netz möglich.

Wo Strom noch ohne das transparente Messverfahren abgegeben wird, behelfen sich die Betreiber aktuell mit Notlösungen. Einige verlangen beispielsweise eine Pauschale oder verschenken den Strom. Teilweise wird auch nach Zeit abgerechnet, was einige Eichämter jedoch nicht akzeptieren, da auch damit keine Nachvollziehbarkeit gewährleistet ist. Zudem sind Fahrer von E-Autos mit geringer Ladeleistung pro Stunde dort finanziell gegenüber Nutzer von schnell ladenden Modellen benachteiligt. Langfristig werden diese drei Tarifmodelle daher zugunsten der Bezahlung pro tatsächlich getankter Kilowattstunde verschwinden. Doch bis es so weit ist, können durchaus noch zwei Jahre ins Land gehen.

Quelle: ntv.de, Holger Holzer, sp-x