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Reisen oder rasen? Yamaha Tracer 9 GT - Touren-Sieger

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Yamaha hat die Talente der Vorgängerin mit der Tracer 9 GT weiter perfektioniert.

(Foto: Alessio Barbanti)

Bereits die Tracer 900 war ein Reisetalent. Die neue Yamaha Tracer 9 GT vereint das Talent fürs Touren mit dem für die schnelle Runde auf eine besonders gekonnte Art und Weise und kommt damit dem Ideal eines Sporttourers sehr nahe.

Die Trennung zwischen Tourensport-Motorrädern und Sporttourern war schon immer etwas unscharf, oftmals sogar unmöglich. Zumeist liegt die Betonung bei den jeweiligen Fahrzeugen auf der mutmaßlichen Kernkompetenz. Beim Tourensport ist es der Sport, beim Sporttourer hingegen das Touren. Dieses Ziel hatte Yamaha bei der Neuauflage der halbverkleideten Tracer mit dem knapp einen Liter großen Dreizylindermotor fest im Visier.

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Eines der Highlights der Yamaha Tracer 9 GT ist der erstarkte Triple.

(Foto: Alessio Barbanti)

Hieß das Vorgängermodell, seit 2018 am Markt, noch Tracer 900 und wurde von einem 847 Kubikzentimeter großen Triple aus dem Basismodell MT-09 angetrieben, hat die Tracer 9 GT jetzt einen neuen, 890 Kubikzentimeter großen Motor. Der gibt sich rundum kräftiger, ist aber längst nicht das Einzige, was an der 9 GT neu entwickelt wurde, denn sogar semiaktiv arbeitende Radaufhängungen hat Yamaha dem Dreizylinder-Tourer spendiert. Und das Ergebnis kann sich sehen lassen, auch wenn es vor der ersten Fahrt eine Aufstiegshürde von zumindest 14.000 Euro zu überwinden gilt.

Basis ist die MT-09

Grundlage der seit April verfügbaren Tracer 9 GT ist, wie schon in der Vergangenheit, die Yamaha MT-09. Dieses Nakedbike, mit 189 Kilogramm Leergewicht extrem schlank und agil, kann enorm viel, weist aber keine nennenswerte Touren- oder gar Zweipersonen-Eignung auf. Deshalb hat Yamaha die Schwinge um gut sechs Zentimeter verlängert und so mehr Platz für den Federweg geschaffen. Auch an der Hinterhand wurde zugunsten des Fahrkomforts mehr Luft zum Ausfedern bereitgestellt. Für mehr Reichweite gibt es jetzt einen von 14,5 auf 18 Liter vergrößerten Tank und eine Wahlmöglichkeit bei der Höhe der Sitzbank.

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Eine neue Halbverkleidung ziert die Front der Yamaha Tracer 9 GT.

(Foto: Yamaha)

Weil auch eine Halbverkleidung samt verstellbarem Windschild entwickelt wurde, steigt zwangsläufig das Fahrzeuggewicht, und zwar um 31 auf nunmehr 220 Kilogramm, wobei die ungewöhnlich geformten Seitenkoffer hier noch nicht einberechnet sind. Doch auch mit 230 Kilogramm darf man die Tracer 9 GT noch als sehniges, hochagiles und leicht fahrbares Motorrad bezeichnen. Außer der hochgerüsteten GT gibt es natürlich auch noch die schlichte Tracer 9. Ihr fehlen allerdings wesentliche Ausstattungsdetails wie zum Beispiel das semiaktive Fahrwerk, die Seitenkoffer und der Schaltassistent.

Hohe Drehfreude des Triple

Sehr angenehm zeigt sich der neue, nun bei 10.000 Kurbelwellenumdrehungen 119 PS leistende Dreizylinder. Vor allem das kräftig gestiegene Drehmoment im mittleren Drehzahlbereich beeindruckt. Maximal werden 93 Newtonmeter ab 7000 Touren bereitgestellt. Trotz hoher Drehfreude des Triple fährt man gerne auch mit niedrigen und mittleren Drehzahlen, Schalthektik ist hier nicht angebracht. Dabei macht die Tracer 9 GT Gangwechsel besonders leicht, denn wie schon erwähnt ist ein gut funktionierender Quickshifter zum kupplungslosen Schalten bereits in der Serienausstattung enthalten.

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Die Sitzbank für die Yamaha Tracer 9 GT ist jetzt in verschiedenen Höhen verstellbar.

(Foto: Yamaha)

Eine echte Rundum-Versorgung bietet Yamaha bei der Elektronik. Dank Sechsachsensensor ist vom Kurven-ABS über die schräglagenfähige Traktionskontrolle bis hin zur Slide-Control und zum Vorderrad-Lift-System alles geboten, was technisch derzeit möglich ist. Die Einstellung der insgesamt drei Fahrmodi ist einfach und auch während der Fahrt möglich. Das Bremskontrollsystem bietet ebenfalls eine Wahlmöglichkeit. Zudem sind vier Modi für das Motor-Ansprechverhalten konfiguriert, um unterschiedliche Fahrertypen anzusprechen. Ebenfalls serienmäßig ist ein sehr fein regelnder Tempomat. Natürlich ist die Ausrüstung mit elektronischem Gasgriff Voraussetzung für diese Technik. Mit zehn Regelstufen bietet die Griffheizung eine ungeahnte Menge an Wahlmöglichkeiten für warme Handflächen.

Kein Säufer

Mit einem Normverbrauch von fünf Litern auf 100 Kilometer ist die Tracer 9 GT kein Säufer. Wer allerdings gerne den Sport-Modus bemüht, muss schon mit einem halben Liter mehr rechnen. Dank des 18 Liter fassenden Tanks sollten aber 300 Kilometer am Stück stets möglich sein. Außer man jagt mit der bei Bedarf 218 km/h schnellen Maschine häufiger über die Autobahn oder vergisst permanent das Schalten.

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Für mehr Komfort wurde auch der Federweg an der Hinterhand der Yamaha Tracer GT 9 vergrößert.

(Foto: Yamaha)

Der neue, deutlich leichtere Aluminiumgussrahmen sorgt für einwandfreie Stabilität bei höheren Tempi, hat aber auch Talent zum freudvollen Kurvenräubern. Dazu trägt die sehr gelungene Ergonomie bei; Sitz, Lenker, Fußrasten und der verstellbare Windschild passen prima. Wobei ein Extralob dem Soziussitz gebührt; Mitfahrer sind perfekt untergebracht. Ein wesentlicher Grund für das sehr angenehme Fahrverhalten liegt an der semiaktiven Radaufhängung: Das System spricht schnell und feinfühlig an und ist einer mechanischen Radführung deutlich überlegen. Spürbar ist das insbesondere auf Straßen mit mäßigem oder gar schlechtem Belag.

Eigenwillige Instrumentierung

Weniger Gefallen werden einige Fahrer an der Instrumentierung der Traßer 9 GT finden. Das Doppel-Display spiegelt gerne, die Zahlen und Buchstaben im linken Teil sind arg klein geraten und die Bedienung bedarf umfangreicher Übung.

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Das Display der Yamaha Tracer 9 GT mag nicht jeden entzücken, hat aber was.

(Foto: Yamaha)

Dass keine Smartphone-Einbindung gegeben und demzufolge auch keine integrierte Navigation möglich ist, verwundert. Das Kurvenlicht könnte besser sein, das Abblendlicht scheint lediglich aus dem rechten der beiden kleinen Scheinwerfer und es fehlt eine automatische Blinkerrückstellung.

Im Vordergrund steht aber das gelungene Gesamtpaket: Die Tracer 9 GT fährt unter allen Bedingungen und auf Straßen aller Art sehr gut, das Triebwerk, das Fahrwerk und die Dreischeiben-Bremsanlage überzeugen auf ganzer Linie. Insofern sollte es für Yamaha kein Problem sein, am Jahresende mit der Tracer 9 GT wieder unter die 15 in Deutschland bestverkauften Motorräder vorzustoßen.

Quelle: ntv.de, Ulf Böringer, sp-x

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