Panorama
Weithin sichtbare Kühltürme: Die Anlagen des Atomkraftwerks Dukovany (Archivbild) liegen rund 30 Kilometer westlich von Brünn in Südmähren.
Weithin sichtbare Kühltürme: Die Anlagen des Atomkraftwerks Dukovany (Archivbild) liegen rund 30 Kilometer westlich von Brünn in Südmähren.(Foto: picture alliance/dpa)
Montag, 26. November 2018

AKW-Panne in Tschechien: Betreiber schaltet Uralt-Reaktor ab

Ein Kernkraftwerk im Süden Tschechiens rückt mit einer ungeplanten Schnellabschaltung ins Licht der Öffentlichkeit: Am AKW-Standort Dukovany gibt es Hinweise auf ein undichtes Rohr. Einer der vier Reaktoren muss aus Sicherheitsgründen vom Netz genommen werden.

Im tschechischen Kernkraftwerk Dukovany ist es zu einer Panne gekommen. Der Reaktorblock 1 sei am Sonntag außerplanmäßig abgeschaltet worden, sagte ein Sprecher des Betreibers CEZ nach Angaben der tschechischen Nachrichtenagentur CTK. Das mehr als 30 Jahre alte Akw mit seinen vier Reaktorblöcken liegt rund 100 Kilometer nördlich von Wien und 200 Kilometer östlich von Passau. Radioaktive Stoffe traten offenbar nicht aus.

Sowjetische Kraftwerkstechnik: Blick in die Schaltzentrale des Akw Dukovany (Archivbild).
Sowjetische Kraftwerkstechnik: Blick in die Schaltzentrale des Akw Dukovany (Archivbild).(Foto: picture alliance / dpa)

Grund für die Abschaltung sei der Verdacht auf ein undichtes Rohr im Bereich eines der Dampferzeuger, hieß es. Es werde erwartet, dass der Fehler bis Ende der Woche behoben werden kann.

Der Betrieb der Dampferzeuger werde kontinuierlich mit Dutzenden Messsensoren und mit Kameras überwacht, erklärte der AKW-Sprecher. Der Dampf der Dampferzeuger treibt Turbinen an und diese wiederum einen Generator, der elektrischen Strom erzeugt. Ob das fragliche Rohr tatsächlich undicht ist, wird noch geprüft.

Seit mehr als 30 Jahren am Netz

Der betroffene Reaktorblock 1 war erst im Frühjahr zwei Monate lang für den Brennelementewechsel, technische Kontrollen und Modernisierungen außer Betrieb. Die Anlage wurde dafür komplett abgestellt und heruntergefahren. Das Atomkraftwerk ging zwischen 1985 und 1987 in Betrieb. In den neunziger Jahren löste ein Störfall in Dukovany überregional Besorgnis aus: Ein Elektriker hatte aus Versehen die vier Reaktoren der Anlage gleichzeitig vom Netz getrennt und damit die automatische Schnellabschaltung ausgelöst. Dabei zeigten sich gravierende Schwächen in der Notstromversorgung.

Umweltschützer zählen das Akw Dukovany zu den gefährlichsten Meilern Europas. Die Reaktoren dort verfügen anders als modernere Anlagen über keinen massiven Sicherheitsbehälter aus Stahlbeton. Früheren Angaben zufolge plant die tschechische Regierung, die Betriebserlaubnis für die vier Reaktoren um weitere zehn Jahre zu verlängern und bis ins Jahr 2045 am Netz zu halten. Die Kosten für die erforderliche Modernisierung werden auf rund 20 Milliarden Kronen (rund 770 Millionen Euro) geschätzt.

Reaktortyp aus Sowjetzeiten

Daneben gibt es Pläne, auf dem Gelände des Kernkraftwerks neue Reaktorblöcke zu errichten. An einer offiziellen Ausschreibung hätten sich Unternehmen aus Russland, den USA, China, Frankreich, Japan und Südkorea beteiligt, berichteten tschechische Medien. Der Kraftwerksneubau ist bislang fester Bestandteil der tschechischen Energiepolitik.

Der am Standort Dukovany verwendete sowjetische Reaktortyp WWER 440/213 kam unter anderem auch im fünften Block des früheren Atomkraftwerks Greifswald zum Einsatz. Die dortigen Anlagen wurden 1990 abgeschaltet. 1995 begann der Rückbau. Die Arbeiten auf dem Gelände sind noch immer nicht abgeschlossen.

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Quelle: n-tv.de