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Wie lange noch? Corona-Pandemie: Warten hat kein Ende

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Bücher lesen, Musik hören, Spiele spielen: Alles, was man zu Hause machen kann, ist nach einem Jahr Pandemie gemacht.

(Foto: imago images/Michael Eichhammer)

Nach mehr als einem Jahr Corona-Pandemie sind die Menschen weltweit mürbe. Keiner weiß, wie lange das Warten auf Lockerungen und zurückgewonnene Freiheiten noch dauern wird. So geht die Vorfreude auf das Ende einfach verloren, erklärt ein Experte.

Warten, dass es endlich wieder mehr Freiheiten gibt: In der Corona-Pandemie fühlten sich die Menschen zunehmend "wie in einer Endlos-Serie eines Warte-Dramas", sagte der Trierer Professor für Soziologie und Experte für Konsumforschung, Michael Jäckel, der Deutschen Presse-Agentur. Normalerweise werde Warten am Ende belohnt. "Aber in der Pandemie ist durch dieses dauernde Warten uns diese Fähigkeit zur Vorfreude abhandengekommen. Weil wir nicht wissen, wann das mal aufhört", sagte der Präsident der Universität Trier.

Nach einem Jahr Pandemie und zahlreichen Einschränkungen zeigten sich inzwischen vermehrt "Erschöpfungszustände". "Das Spektrum der Möglichkeiten, diese Zeit zu überbrücken, ist langsam erschöpft", sagte Jäckel. "Das zehnte Puzzle, das x-te Buch, der virtuelle Spieleabend. Wir haben ja alle analogen Dinge, die wir gemacht haben, versucht, in die digitale Welt zu verlegen." Es sei derzeit erkennbar, dass die Menschen langsam ungeduldiger würden.

Menschen wollen aktiv mithelfen

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"Man will nicht mehr nur warten, sondern auch mithelfen, gestalten, etwas tun", sagte der Soziologe. "Der Kredit auf die Zukunft, in der alles wieder besser wird, ist allmählich aufgebraucht." Man merke, dass die Menschen kontrolliert bei der Bewältigung der Pandemie mithelfen wollten. "Sie wollen nicht mehr nur nichts tun."

Das "kollektive Stoppschild", das den Bürgern in der Pandemie verordnet worden sei, werde mittlerweile auch "immer häufiger übersehen". Auch wenn die Mehrheit der Bevölkerung seiner Ansicht nach immer noch bereit sei, sich an die Regeln zu halten. Das gelinge aber nur solange, wie Vorschriften als gerecht und nachvollziehbar empfunden würden.

Quelle: ntv.de, jaz/dpa

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