Panorama

Gastronomie leidet unter Corona Den Iren fehlen ihre Pubs schmerzlich

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Ein trauriges Bild wie an vielen Orten Irlands - und der Welt: Rollläden runter, Pubs geschlossen.

(Foto: picture alliance / NurPhoto)

Es gibt kaum einen Ort in Irland, der nicht auch einen Pub hat. 7000 sind es insgesamt auf der Insel, 750 davon in Dublin. Viele Lokalbesitzer bangen um ihre Existenz. Den Gästen fehlt nicht nur der soziale Kontakt, sondern ein Stück irischer Kultur.

Grüne Wiesen, Schafe, Regen und urige Pubs - denkt man an Irland, sind das wohl die ersten Dinge, die einem in den Sinn kommen. Und nicht nur Touristen erwarten irische Livemusik und das frisch gezapfte Pint Guinness in der schon am Samstagmittag gut gefüllten Kneipe - auch für die Bewohner der Insel gehört das Feierabendbier im Pub zum Alltag.

"Wie jeder andere vermisse ich es, mit Freunden in den Pub zu gehen", sagt Darina Sweeney. Zwar konnte man sich während der Lockerungen mit ein paar Leuten draußen treffen, doch das sei nicht dasselbe, meint die 25-Jährige: "Ich vermisse die einladende und geschäftige Atmosphäre eines Pubs, selbst in einem ländlichen Ort." Die Irin lebt in Tipperary, einer Kleinstadt im Süden der Insel. Für sie sind Pubs traditionell ein Ort der Zusammenkunft. Alkohol sei nicht der einzige Grund, warum sich Menschen dort versammeln. "Der Gang in den Pub bietet vielen Menschen Gesellschaft, sei es, um mit Freunden und Nachbarn zu reden, Musik zu hören oder Sport zu sehen."

Wichtiger Teil des sozialen Lebens

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Sean's Bar in Athlone soll die älteste Bar Irlands sein. Auch ihre Betreiber hoffen auf das Ende des Lockdowns.

(Foto: imago stock&people)

Auch der Gastronom Brian McClean ist der Ansicht, dass Pubs ein wichtiger Teil des sozialen Lebens Irlands sind. Dort ist ein Pub ein Ort, an dem Jung und Alt zusammenkommen. Für viele ältere Leute ist der Besuch im Pub die einzige Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen. Für Menschen mittleren Alters und junge Leute ist er ein wichtiger Platz, um Freunde und Familie zu treffen. "Viele unserer Erinnerungen drehen sich darum, wo wir waren und mit wem wir in den Schlüsselmomenten unseres Lebens zusammen waren, und Pubs füllen den Ortsaspekt sehr gut aus", sagt McClean. Hinzu komme, dass das Personal in Bars in der Regel freundlich und aufgeschlossen sei und oft langfristige Freundschaften mit den Kunden entstünden.

Seit fast einem Jahr fehlt das nun - die Pubs in Irland sind geschlossen. Mitte März 2020, kurz vorm St. Patricks Day, der gesetzlicher Feiertag ist, mussten alle Lokale aufgrund des Coronavirus ihre Türen schließen. Mit relativ niedrigen Infektionszahlen durften im Sommer dann die Gaststätten öffnen, die auch Essen servieren. Seit Ende Dezember und dem dritten Lockdown sind nun die Lokale wieder komplett geschlossen. Nur Essen zum Mitnehmen oder Liefern ist erlaubt.

Das hatte McClean im zweiten Lockdown noch angeboten, momentan ist sein Pub "The Dark Horse Bar and Kitchen" in Athlone, 130 Kilometer westlich von Dublin, jedoch geschlossen. "Das war zweifellos ein hartes Jahr" sagt McClean. Als er im März 2020 plötzlich zumachen musste, sei eine große Unsicherheit dagewesen, ob er überhaupt jemals wieder öffnen könne. "Die Miete und Rechnungen hören nicht einfach auf." Ein Großteil seines Unternehmens hänge außerdem von besonderen Tagen wie Weihnachten, St. Patrick's Day und Sportereignissen ab. Die Kundschaft an diesen Tagen ist im vergangenen Jahr weggefallen.

Mal Ruhe ist auch ganz schön, aber ...

Aus persönlicher Sicht waren es für den 33-Jährigen gemischte Gefühle, die das Hin und Her begleiteten. "Die Gastronomie ist hektisch, gerade wenn du dein eigenes Unternehmen hast", sagt er. "Das war wahrscheinlich meine erste wirklich freie Zeit seit Jahren, was in gewisser Weise toll ist." Trotzdem sei natürlich die Unsicherheit während des Lockdowns sehr stressig.

Die Ruhe am St. Patrick's Day am 17. März kann McClean wohl oder übel auch in diesem Jahr genießen. Ende vergangener Woche kündigte die Regierung einen Lockdown bis Anfang Mai an. Das wurde in dieser Woche auf strikte Einschränkungen bis Anfang April korrigiert. Die Pubs jedoch werden wohl auch dann noch geschlossen bleiben, wenn sich der Rest der Wirtschaft langsam wieder öffnet. "Wir sehen das [die Wiedereröffnung der Pubs] nicht vor der Mitte des Sommers", sagte Ministerpräsident Michael Martin dem irischen Radiosender RTÈ.

Staatliche Hilfen für Gastronomie

Auf Twitter forderte Adrian Cummins von der "Restaurant Association of Ireland", die Regierung müsse die Unterstützung für die Gastronomie erweitern: "Die Unternehmensunterstützung muss für alle Restaurant- und Gastgewerbebetriebe erhöht werden. Das derzeitige Niveau der Unterstützung wird die große Mehrheit der Unternehmen nicht bis zum Sommer über Wasser halten."

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Hoch die Pints - heißt es normalerweise am St. Patrick's Day. Doch dieses Jahr bleiben die Pubs an dem Tag dicht, wie auch 2020 schon.

(Foto: imago/ZUMA Press)

McClean wird zurzeit vom Hilfsprogramm "Covid Restrictions Support Scheme" unterstützt. Davon werden Unternehmen bezahlt, die stark von den Einschränkungen betroffen sind. Der Pub-Betreiber erhält zehn Prozent seines durchschnittlichen Wochenumsatzes im Jahr 2019. Höchstens 5000 Euro wöchentlich kann ein Unternehmen von dem Hilfsprogramm bekommen.

Außerdem arbeitet die Regierung zurzeit an einem Gesetz, das den Pubs längere Öffnungszeiten nach der Wiedereröffnung erlaubt. Das soll ihnen helfen, nach dem Lockdown wieder auf die Beine zu kommen. Bisher ist beispielsweise an einem Sonntag der Verkauf von Alkohol in Pubs nur von 12.30 bis 23 Uhr erlaubt. Das soll unter diesem Gesetz verlängert und Einnahmen der Lokalbesitzer damit erhöht werden.

McClean hofft, dass er schon im Mai wieder öffnen kann. Zwar finde er die Entscheidung gut, den Lockdown zu verlängern, sonst stimme er jedoch mit sehr wenig überein, was die Regierung kommuniziere. "Das ständige deprimierende Recycling von mürrischen Gerüchten und Hörensagen zusammen mit der Unfähigkeit, einen Plan zu erstellen und sich daran zu halten, ist meiner Meinung nach nicht sehr professionell." Erst in dieser Woche hagelte es vor allem von irischen Medien Kritik, die Regierung würde unklar und widersprüchlich über Covid-Themen informieren.

Hoffnung liegt auf Mai

Dass der ganze Spuk und die Zeit der Lockdowns im Mai ihr Ende haben, ist McCleans Hoffnung. Ihm ist bewusst, dass es dann eine allmähliche Rückkehr zur Normalität geben muss. "Ich hoffe, dass das Geschäft auf persönlicher Ebene boomt und der Tourismus für Irland als Ganzes wieder anspringt", sagt er. Das Gastgewerbe sei unglaublich wichtig für Irlands Wirtschaft, "also drücken wir die Daumen, dass wir eine Rezession vermeiden können".

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Auch für die Bewohner der Insel ist es wichtig, bald wieder zur Normalität zurückzukehren. "Die Leute brennen nur darauf, rauszukommen und wieder Leute zu treffen", weiß McClean. Er habe das Gefühl, das gerade die jüngere Generation ihre Toleranz gegenüber den Einschränkungen verloren hat. "Ich erwarte, dass Bars, Restaurants, Geschäfte und jeder sonnige Urlaubsort in Europe diesen Sommer voll sein werden."

Sweeney freut sich schon darauf, Freunde zu sehen, die sie in den vergangenen Monaten nicht treffen konnte. Durch die Einschränkungen musste sie die Leute, die sie getroffen hat, sehr sorgfältig auswählen. "Außerdem liebe ich es, in Pubs Live-Musik zu hören, also kann ich es kaum erwarten, dass auch das wieder losgeht."

Quelle: ntv.de

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