Panorama

Elfenbeinmafia ausgebremst Fast wären Tansanias Elefanten ausgestorben

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Yang Fengland galt einst als erfolgreiche Geschäftsfrau. Jetzt wurde sie wegen Elfenbeinschmuggels zu 15 Jahren Haft verurteilt.

(Foto: REUTERS)

In keinem anderen Land wurden in der Vergangenheit so viele Elefanten abgeschlachtet wie in Tansania. Schuld daran war die Chefin eines chinesischen Mafia-Rings. Doch der Kampf gegen den Elfenbeinhandel zeigt Erfolge.

30 Elefanten pro Tag wurden in den vergangenen Jahren in Tansania getötet. Die Zahl der Dickhäuter sank von rund 148.000 im Jahr 2009 auf rund 44.000 im Jahr 2015 -  eine alarmierende Tendenz. Allein im Selous-Nationalpark, der einst von deutschen Kolonialherren gegründet wurde und einer der ältesten Naturschutzgebiete des Landes ist, lebte noch in den 1970er Jahren die größte Elefantenpopulation weltweit: über 100.000 Tiere. Die letzte Zählung von 2013 kam gerade noch auf 13.000. Untersuchungen ergaben: 66 Prozent der Tiere dort waren in wenigen Jahren von Wilderern erlegt worden.

Dies war genau der Zeitraum, als die jetzt zu 15 Jahren Haft verurteilte chinesische Elfenbeinkönigin Yang Fenglan in Tansania zur Vizechefin des chinesisch-afrikanischen Wirtschaftsrates aufstieg, eine Art Handelskammer für die chinesische Außenwirtschaft in Afrika, und immer mehr chinesische Investoren ins Land strömten. 2012 war China Tansanias größter Handelspartner. Chinesen investierten in Infrastrukturprojekte wie die Eisenbahn und den Hafen aber auch in Öl-, Gas- und Windkraftanlagen.

Interessiert waren sie aber auch an Elfenbein, das in China für Schmuck und Kunstgegenstände begehrt ist. Dies zeigte sich nicht zuletzt beim ersten Staatsbesuch des frisch ins Amt aufgestiegenen chinesischen Präsidenten. Xi Jinping reiste Ende 2014 bei seiner ersten Auslandsreise ausgerechnet nach Tansania. Am Tag vor der Ankunft der Delegation in Daressalam verdoppelten sich dort glatt die Elfenbeinpreise auf 700 Dollar pro Kilo. Ermittlungen der internationalen Umweltschutzorganisation EIA (Environment Investigation Agency) zeigten später: Im Diplomatengepäck der chinesischen Präsidentenmaschine wurden Tausende Kilo Stoßzähne illegal aus dem Land geflogen.

Diesen Raubzug hatte offenbar die Elfenbeinkönigin organisiert. Yang Fenglan lebt seit den 1970er Jahren in Tansania, spricht fließend die lokale Sprache Kisuaheli und hatte den Ruf, eine erfolgreiche und einflussreiche Geschäftsfrau zu sein.

Tansania galt lange als Drehkreuz des Elfenbeinschmuggels aus Afrika: Die Hauptabnehmer sind asiatische Staaten, vor allem China. Die größten Elefantenherden leben tief im Inneren des Kontinents: im Kongo, in der Zentralafrikanischen Republik, in Südsudan und in Tansania selbst. Der Hafen in Darressalam, über den ein Großteil der Im- und Exporte zwischen Afrika und Asien abgewickelt wird, ist das perfekte Bindeglied zwischen den Kontinenten.

Doch vor einigen Jahren drehte sich der Wind für die Elfenbeinmafia. Bei der internationalen Jahreskonferenz des Washingtoner Artenschutzübereinkommens CITES 2013 in Südafrika wurde eine Liste von acht Staaten aufgesetzt, die als Hauptverantwortliche für die Ausrottung der Elefanten gelten, die sogenannte "Gang der acht". Darunter waren die Importländer China und Thailand sowie Vietnam, Malaysia und die Philippinen, daneben die Exportländer Kenia, Uganda und vor allem Tansania. Als Schuldige wurden korrupte Offizielle in den Regierungen benannt sowie der mangelnde Wille der Sicherheitsbehörden und der Justiz, die kriminellen Netzwerke lahmzulegen.

Zwei Jahre später, im Oktober 2015, wurde Yang Fenglan in Tansania festgenommen. 2016 kündigte China an, CITES beizutreten und ab 2017 den Import von Elfenbein unter Strafe zu stellen. Für Naturschützer rund um die Welt war dies ein Meilenstein im Kampf gegen den Elfenbeinhandel. Die Elefantenpopulation in Afrika steigt seitdem wieder an - auch dank der Millionen von internationalen Entwicklungs- und Spendengeldern, die in sogenannte Kapazitätsbildungsprojekte für afrikanische Nationalparks und Sicherheitsorgane fließen, um Wilderern und Schmugglerringen auf die Spur zu kommen. Die CITES-Länder haben das sogenannte MIKES-Programm aufgesetzt, über welches Polizei und Geheimdienste, aber auch Zoll- und Nationalparkbehörden geschult und mit modernster Ausrüstung ausgestattet werden, um Wilderei zu bekämpfen. Die Europäische Union hat 13 Millionen Dollar für das Programm bereitgestellt - mit Tansania als Fokusland. Mit Erfolg: Die Agenten des tansanischen Kriminalamts NTSCIU, die Yang Fenglan festnahmen und überführten, wurden mit diesen Mitteln ausgebildet.

Quelle: ntv.de