Panorama

Furcht vor Corona in Lagern Geflüchtete in Griechenland positiv getestet

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Im Lager Ritsona nördlich von Athen sind die Zustände bei weitem nicht so schlimm wie in der Ägäis.

(Foto: AP)

Es ist der erste Fall dieser Art: In Athen melden die Behörden, eine Geflüchtete sei positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Frau hatte gerade ein Kind zur Welt gebracht. Nun ist die Frage, ob sie sich in einem Lager angesteckt hat.

Erstmals ist in Griechenland in einem Flüchtlingslager eine Infektion mit dem Coronavirus diagnostiziert worden. Betroffen ist eine Frau, bei der das Virus nach der Geburt ihres Kindes in einem Krankenhaus in Athen festgestellt wurde, wie das griechische Migrationsministerium mitteilte. Die Menschen, die mit der aus Afrika stammenden Frau in Kontakt gekommen sind, seien isoliert worden. Ähnliche Maßnahmen seien im Camp von Ritsona im Norden Athens getroffen worden. Es werde nun nachgeforscht, wo genau die Frau infiziert wurde. Im Lager von Ritsona - wo nach Schätzungen der Athener Medien rund 3000 Menschen leben - ist die Lage bei weitem nicht so schlimm wie in den Camps auf den Inseln im Osten der Ägäis.

Ein Virus-Test bei einem Mitbewohner der Frau fiel den Angaben zufolge negativ aus. Die griechische Gesundheitsbehörde hat demnach schon vor einigen Tagen damit begonnen, die Kontaktpersonen der Frau ausfindig zu machen. Das Ministerium versicherte, alle erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um die Bewohner und das Personal des Flüchtlingslagers zu schützen. In Griechenland sind bislang 1212 Coronavirus-Infektionen nachgewiesen worden. 46 Menschen starben. Die Sorge ist groß, dass sich das Coronavirus auch in den völlig überfüllten Flüchtlingslagern in Griechenland ausbreiten könnte.

Die Menschen dort leben inmitten von Müll, Schlamm und Gestank und dürfen die Lager wegen Corona-Ausgangsbeschränkungen nicht mehr verlassen. Gab es für die Menschen schon zuvor kaum noch Perspektiven, kommt jetzt die Angst vor dem Virus hinzu. Diese Sorge teilen die Hilfsorganisationen: Sollte Corona in einem der Lager wüten, könnten die Todesfälle weitaus höher liegen als in einer normalen Umgebung. Forderungen nach der Evakuierung der Lager gibt es immer wieder, Lösungen jedoch keine. Athen weiß nicht, wohin mit den Menschen, und die EU-Staaten können sich nicht darauf verständigen, sie untereinander zu verteilen.

Angesichts der Ausbreitung des Coronavirus warnt der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) vor einer "humanitären Katastrophe" auf den griechischen Inseln. Deutschland und andere europäische Staaten sollten als "Koalition der Willigen" Schutzbedürftige aus Griechenland aufnehmen, fordert der SVR in einem am Dienstag veröffentlichten Positionspapier zur seit Jahren stockenden Reform der europäischen Asylpolitik. Hierzulande ist eine Aufnahme von unbegleiteten Minderjährigen im Gespräch.

Quelle: ntv.de, vpe/dpa/AFP