Panorama

Zwölf Jahre Hölle in der Armee "Kampfbarbie" klagt Soldaten an

Den Spitznamen "Kampfbarbie" erhält sie bereits an ihrem ersten Tag, doch bald beweist Katrina Hodge, dass sie genauso wie jeder männliche Soldat kämpfen kann. Dennoch ist das der Beginn einer jahrelangen Schikane.

Katrina Hodge diente mehrere Jahre in der britischen Armee. Nun erzählt die zweifache Mutter, wie sie wegen ihrer Auszeichnung für die Beteiligung an einem Irak-Einsatz verhöhnt, gequält und gemobbt wurde. Wie der britische "Mirror" berichtet, wurde Hodge eigenen Angaben zufolge von ihren männlichen Kollegen als "Schlampe" gebrandmarkt.

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"Das waren zwölf Jahre Hölle für mich und ich will mir das nicht weiter gefallen lassen", zitiert die Zeitung die 30-Jährige. Mit ihrer eigenen Geschichte wolle sie anderen Frauen in der Armee Mut machen, ihre Probleme offen anzusprechen. "2018 ist es nicht akzeptabel, dass Frauen auf diese Weise degradiert werden." Auch heute sei sie immer noch Opfer von sexistischen Angriffen seitens der Militärs.

​Mit 17 Jahren trat Hodge in die Armee ein, sie diente im Royal Anglian Regiment in Pirbright in der Grafschaft Surrey. Den Spitznamen "Kampfbarbie" erhielt sie bereits an ihrem ersten Tag beim Militär, nachdem sie damals noch mit blonden Haaren, in hohen Absätzen, mit falschen Wimpern und einem rosafarbenen Koffer zum Dienst erschienen war. Doch schon im ersten Jahr bewies Hodge, dass sie ebenso wie jeder männliche Soldat kämpfen konnte. Bei einer siebenmonatigen Mission im Jahr 2005 im Irak entwaffnete sie einen Dschihadisten und rettete fünf Kollegen das Leben, schreibt der "Mirror" weiter.

Ihr kommandierender Offizier belohnte ihre Tapferkeit mit einer Auszeichnung. Zu dieser Zeit begann das Mobbing. Hodge zufolge gab es eine Gruppe männlicher Soldaten, die sie hasste, weil sie dachten, dass sie die Auszeichnung nur bekam, weil sie eine Frau sei. "Sie behaupteten, ich hätte das Geschehene erfunden."

"Miss England" machte alles noch schlimmer

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Danach sei sie als Schlampe und Lügnerin bezeichnet worden und habe erniedrigende Briefe bekommen. Mehrmals sei sie zudem in der Kantine angegriffen worden. "Einmal hat jemand eine Dose Cola auf mich geworfen. Das war traumatisierend. Ich konnte mich beherrschen und weinte nicht vor ihnen, doch in meinem Zimmer brach ich in Tränen aus", so Hodge. Sie sei erst 18 Jahre alt gewesen und konnte nicht begreifen, was sie getan hatte, dass sie von diesen Menschen so gehasst wurde.

Als die Leitung von dem Vorfall erfahren habe, sei sie dieser Angelegenheit nicht nachgegangen, stattdessen sei ihr geraten worden, nichts zu tun, weil es sie wie eine Diva dastehen lassen würde. Kurze Zeit nach dem Vorfall wurde sie in ein anderes Regiment versetzt.

2009 wurde Hodge zur Miss England gekürt. Sie benutzte den Titel, um mehr Frauen zu ermutigen, sich dem Militär anzuschließen. Trotz der positiven Berichterstattung verschärfte sich der Konflikt mit den Kollegen noch weiter. 2015 verließ sie die britische Armee. Aber auch nach dem Start in ein neues Leben als Bankkauffrau sei es ihr immer noch nicht gelungen, dem Mobbing früherer Kollegen zu entkommen.

Hodge, die mit ihren Töchtern im Alter von drei und sechs Jahren in Brighton lebt, sagte: "Letzten Monat erschien ein positiver Beitrag auf der Facebook-Seite des British Military Club, der hervorhebt, was ich für Frauen in den Streitkräften getan habe. Es dauerte nicht lange und es gab mehr als 500 abfällige Kommentare von den alten Kollegen."

Quelle: ntv.de, dsi