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Inzidenz über 1000 London ruft Großlage aus - Virus "außer Kontrolle"

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Das medizinische Personal in Großbritannien arbeitet am Limit.

(Foto: picture alliance/dpa/PA Wire)

Spitzt sich die Corona-Lage in London weiter so rasant zu, werden innerhalb weniger Wochen Tausende Betten in den Krankenhäusern fehlen. Londons Bürgermeister ruft einen "major incident" aus. Es ist ein Hilferuf inmitten eines absoluten Krisenzustands.

Wegen der dramatischen Situation in den Krankenhäusern von London hat der Bürgermeister der britischen Hauptstadt vor einem Kollaps des Gesundheitssystems gewarnt. Angesichts des drastischen Anstiegs der Infektionen drohten in den Kliniken die Betten auszugehen, erklärte Sadiq Khan. "Die ungeschminkte Wahrheit ist, dass wir innerhalb weniger Wochen keine Betten mehr für Patienten haben, wenn die Virusausbreitung nicht drastisch gebremst wird."

Wegen der dramatischen Situation rief Khan einen "major incident" aus - eine Großlage, die die öffentliche Sicherheit bedroht. Es handele sich um eine absolute Krisensituation, das Virus sei "außer Kontrolle", sagte Khan. Er forderte unter anderem mehr finanzielle Unterstützung der britischen Regierung im Kampf gegen das Virus. "Wenn wir nicht sofort aktiv werden, wird unser Gesundheitssystem überfordert und noch mehr Menschen werden sterben."

Die Sieben-Tages-Inzidenz in der britischen Hauptstadt liegt inzwischen bei mehr als 1000. Die Zahl der im Krankenhaus behandelten Covid-19-Patienten in London sei allein in der ersten Januarwoche um knapp ein Drittel, die Zahl der Intensivpatienten um mehr als 40 Prozent gestiegen, hieß es in der Mitteilung des Bürgermeisters.

Am Donnerstag hatten britische Medien ein internes Papier des öffentlichen Gesundheitsdienstes NHS veröffentlicht, wonach bei einem Anhalten der jetzigen Entwicklung bereits am 19. Januar in London rund 1500 Krankenhaus-Betten fehlen könnten. Im schlimmsten Fall könnten es sogar 4400 fehlende Betten sein.

Großbritannien ist mit mehr als 78.000 Corona-Toten eines der am stärksten von der Pandemie betroffenen Ländern weltweit. Seit Dienstag gilt für England ein verschärfter Lockdown, Schulen und Geschäfte bleiben für mindestens sechs Wochen geschlossen.

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Derzeit kämpft die Regierung in London insbesondere gegen die rasante Ausbreitung eines mutierten Virus, das im Dezember erstmals im Südosten Englands entdeckt wurde. Erste Studien legen nahe, dass die Variante B.1.1.7 um bis zu 70 Prozent ansteckender sein könnte als die bisher bekannten Stämme.

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Die britische Regierung zeigte sich zudem beunruhigt über die neue Variante, die in Südafrika entdeckt wurde. Der britische Verkehrsminister Grant Shapps sprach von einer "sehr großen Besorgnis unter den Wissenschaftlern". "Die südafrikanische Variante beunruhigt die Experten, weil es sein könnte, dass der Impfstoff darauf nicht in gleicher Weise anspricht oder in gleicher Weise funktioniert", sagte er dem Radiosender LBC.

Die führenden Impfstoffhersteller prüfen nun mit Hochdruck, ob ihre Präparate auch gegen die neuen Virus-Varianten wirksam sind. Pfizer präsentierte eine Studie, wonach der gemeinsam mit der Mainzer Firma Biontech entwickelte Impfstoff gegen beide neue Varianten wirkt. Die Untersuchung wurde noch nicht von Fachleuten begutachtet.

Quelle: ntv.de, chf/AFP/rts