Panorama

"Gehen Sie nicht auf Straßen" Medicane "lanos" erreicht Griechenland

Ein mediterraner Hurrikan, auch Medicane genannt, ist eigentlich ein seltenes Phänomen. Nun tobt "lanos" an der Westseite Griechenlands. Fährverbindungen mit dem Festland sind zusammengebrochen. Der Zivilschutz warnt die Bevölkerung. Auch Athen könnte betroffen sein.

Ein schwerer Herbststurm mit den Merkmalen eines Hurrikans hat den Westen Griechenlands erreicht. Meteorologin Christina Souzi sprach im Nachrichtensender "Skai" von einem sogenannten Medicane, einem mediterranen Hurrikan. Betroffen waren zunächst die Inseln Zakynthos und Kefalonia sowie Ithaka. Die Fährverbindungen mit dem Festland brachen zusammen. Griechische Meteorologen haben dem Sturm den Namen "Ianos" (lateinisch: Janus) gegeben. Mit einer Wetterbesserung rechneten sie von Sonntagnacht an.

"Ein Medicane entsteht, wenn sich ein eigentlich ganz normales Tief über sehr warmem Wasser- momentan sind es in Teilen des Mittelmeeres noch über 27 Grad - immer weiter verstärkt und so immer mehr tropische Eigenschaften annimmt", sagt ntv Meteorologe Björn Alexander. "Meteorologisch gesehen wird er somit zu einem sogenannten Medicane - einem mediterranen Hurrikan. Auf unseren Wetterkarten hat dieses Tief den Namen 'Udine' bekommen. In Südeuropa wird es auch 'Cassilda' genannt."

Sobald der Medicane das Festland erreicht, verliert er an Heftigkeit. Begleitet wird ein Medicane von starkem Wind und Niederschlägen. "Es war ein seltenes Phänomen im Mittelmeer. Jetzt mit dem Klimawandel wird es wohl öfter vorkommen", sagte der Chef des griechischen Wetteramtes, Kostas Lagouvardos, im Staatsfernsehen. Am Vormittag erreichten die Winde auf Zakynthos die Stärke zehn bis elf, wie das Wetteramt mitteilte.

"Auf dem offenen Meer und im Bereich der vorgelagerten Inseln berechnen die Wettercomputer vor dem Wochenende Böen bis zu 180 Kilometern pro Stunde", sagt Alexander weiter. "Das entspricht übrigens in der Stärke einem Hurrikan der Kategorie 1 bis 2 von 5." Die anderen Ionischen Inseln und Teile Griechenlands werden an den Küsten auch volle Orkanböen jenseits von 140 Kilometern pro Stunde bekommen. "Die Wellen dürften auf dem offenen Wasser zwischen fünf und knapp zehn Meter Höhe erreichen."

Auch einzelne Tornados möglich

Außerdem seien auch einzelne Tornados möglich. Dazu gehen heftige gewittrige Starkregen nieder. Dabei könnten in der Spitze durchaus 150 bis 300 Liter pro Quadratmeter bis einschließlich Samstag möglich sein. "Auf den kargen Böden mit der Gefahr von Erdrutschen und Überschwemmungen", sagt Meteorologe Alexander weiter.

"Gehen Sie nicht auf die Straßen. Sichern Sie alles, was herumfliegen kann. Gehen Sie auf die höheren Stockwerke, wenn es Fluten gibt", sagte der Chef des Zivilschutzes, Nikos Chardalias, nach einer Krisensitzung in Athen im Staatsfernsehen (ERT). Segler wurden vom Wetteramt dazu aufgerufen, sobald wie möglich den nächsten Hafen aufzusuchen. Die Schulen in acht Regionen, über die der Medicane hinwegfegen soll, sollten am Freitag geschlossen bleiben, ordnete der Zivildienst an.

Die Regionen, die neben den Inseln im Ionischen Meer voraussichtlich am härtesten getroffen werden, sind die Halbinsel Peloponnes, Mittelgriechenland sowie teilweise auch die Insel Kreta. "Wir können aber nicht genau sagen, wie sich der Medicane bewegen wird", sagte Meteorologe Lagouvardos im Staatsfernsehen. Schwere Regenfälle und stürmische Winde sollten auch Athen am Freitag treffen, hieß es.

Quelle: ntv.de, ysc/dpa