Panorama

Sturm peitscht gen Griechenland "Vier Tiefs nehmen Europa in die Zange"

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Noch ist die See ruhig vor Griechenland. Doch zum Wochenende hin soll es hier Böen von bis zu 180 Kilometern pro Stunde geben.

(Foto: imago images/Hans Lucas)

Während in Deutschland herrlichstes Altweibersommer-Wetter herrscht, braut sich in Südeuropa etwas zusammen. Gleich vier Stürme bedrohen die Mittelmeeranrainer. Ein sogenannter Medicane entfaltet besonders große Wucht und verlagert sich zur Zeit in Richtung Griechenland, sagt ntv-Meteorologe Björn Alexander.

ntv.de: Bei uns scheint sich der Altweibersommer einnisten zu wollen. Aber das ist in Europa wohl nicht überall der Fall. Wie ist die Großwetterlage kurz vorm Wochenende?

Björn Alexander: Über Mitteleuropa und Deutschland ist inzwischen Hoch "Manfred" angekommen und sorgt hierzulande für ein sehr schickes Wochenende mit durchaus angenehmen Temperaturen. Altweibersommer, wie er besser kaum geht. Doch rund um "Manfred" ist einiges los. Gleich vier Tiefs nehmen Europa in die Zange. Darunter auch der ehemalige Hurrikan "Paulette" und ein sogenannter Medicane, der auf Griechenland zusteuert. Und dort ist die Lage aktuell auch am brisantesten.

Was ist ein Medicane?

Björn Alexander

ntv-Meteorologe Björn Alexander

Ein Medicane entsteht, wenn sich ein eigentlich ganz normales Tief über sehr warmem Wasser - momentan sind es in Teilen des Mittelmeeres noch über 27 Grad - immer weiter verstärkt und so immer mehr tropische Eigenschaften annimmt. Meteorologisch gesehen wird er somit zu einem sogenannten Medicane - einem mediterranen Hurrikan. Auf unseren Wetterkarten hat dieses Tief den Namen "Udine" bekommen. In Südeuropa wird es auch "Cassilda" genannt.

Wohin zieht der Sturm?

Aktuell liegt er südlich von Italien und verlagert sich unter Verstärkung in Richtung Griechenland und Ionisches Meer. Hier entwickelt er dann auch seine größte Wucht.

Wie schlimm wird es?

Hurrikan-Stärken

Die Kategorie eines Hurrikans bemisst sich auf der Saffir-Simpson-Skala anhand seiner Windgeschwindigkeit, der Größe der Flutwellen und dem Luftdruck im Zentrum des Wirbelsturms.

  • Kategorie 1 (schwach): bis zu 153 km/h, bis zu 1,6 Meter, über 980 Hektopascal (hPa)
  • Kategorie 2 (mäßig): bis zu 177 km/h, bis zu 2,5 Meter, bis zu 979 hPa
  • Kategorie 3 (stark): bis zu 209 km/h, bis zu 3,8 Meter, bis zu 964 hPa
  • Kategorie 4 (sehr stark): bis zu 249 km/h, bis zu 5,5 Meter, bis zu 944 hPa
  • Kategorie 5 (verwüstend): ab 250 km/h, über 5,5 Meter, unter 920 hPa

Auf dem offenen Meer und im Bereich der vorgelagerten Inseln berechnen die Wettercomputer vor dem Wochenende Böen bis zu 180 Kilometern pro Stunde. Auch Böen darüber sind nicht ganz auszuschließen. Das entspricht übrigens in der Stärke einem Hurrikan der Kategorie 1 bis 2 von 5! Die anderen Ionischen Inseln und Teile Griechenlands werden an den Küsten auch volle Orkanböen jenseits von 140 Kilometern pro Stunde bekommen. Außerdem sind auch einzelne Tornados nicht auszuschließen. Dazu gehen heftige gewittrige Starkregen nieder.

Mit welchen Regenmengen?

In der Spitze sind durchaus 150 bis 300 Liter pro Quadratmeter bis einschließlich Samstag möglich. Auf den kargen Böden mit der Gefahr von Erdrutschen und Überschwemmungen. Außerdem peitscht der Sturm das Mittelmeer meterhoch auf. Die Wellen dürften auf dem offenen Wasser zwischen fünf und knapp zehn Meter Höhe erreichen.

Die anderen Tiefs sind schwächer?

Im Prinzip schon. Jedoch hat es auch das Tief Richtung Iberische Halbinsel in sich. Spanien und Portugal sind aktuell mit einer erhöhten Unwettergefahr dabei. Hier drohen stellenweise schwere Gewitter mit großem Hagel, Sturmböen und Platzregen sowie eine erhöhte Tornadogefahr.

Was macht der ehemalige Hurrikan?

Das namentlich wohl prominenteste Tief "Paulette" hat das geringste Potenzial. Über dem Atlantik, westlich der Britischen Inseln ist es angekommen, um dort langsam schwächer zu werden. Da hält in diesem Fall Hoch "Manfred" ganz gut dagegen.

Welches Wetter bringt uns denn der starke "Manfred" am Wochenende?

Der Samstag bringt uns - nach kühlem Start und lokalem Bodenfrost - viel Sonne und einen klaren Spitzenreiter bei den Temperaturen. Der Hotspot liegt nämlich mit bis zu 28 Grad nach wie vor im Südwesten. Am kühlsten ist es derweil im Nordwesten bei 18 Grad an der Nordsee. Erst abends steigt an der Grenze zu Frankreich das Gewitterrisiko.

Und am Sonntag?

Bleibt es im Norden und Osten überwiegend sonnig. Im Süden und Westen sind dagegen etwas mehr Wolken unterwegs. Aber nur an den Alpen sind abends einzelne Schauer oder Gewitter möglich. Dazu erreichen die Temperaturen zwischen 19 Grad an der Ostsee und 27 Grad an Rhein und Mosel.

Wie geht es in der neuen Woche weiter?

Montag und Dienstag bleiben vielfach freundlich bis sonnig und spätsommerlich warm mit Spitzenwerten zwischen 18 Grad an der See und um die 28 Grad im Südwesten.

Ist eigentlich auch mal wieder Regen in Sicht?

Mittwoch und Donnerstag könnten regional ein erhöhtes Schauer- und Gewitterrisiko bringen. Aber eine nachhaltige Umstellung auf regnerisches Tiefdruckwetter ist nicht allzu wahrscheinlich. Einzig die Temperaturen könnten in der zweiten Wochenhälfte schon mal einen Schubs nach unten bekommen. Das würde dann ja auch in die Jahreszeit passen. Schließlich ist am Dienstag ja kalendarischer Herbstanfang.

Quelle: ntv.de