Panorama

Studie zu Corona-Antikörpern Millionen Engländer waren vermutlich infiziert

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Blutproben im Labor des Imperial College in London.

(Foto: picture alliance/dpa)

Eine Studie in England testet Probanden auf Corona-Antikörper, sechs Prozent sind positiv. Hochgerechnet auf die Bevölkerung wäre das eine deutlich höhere Anzahl an Fällen als bisher bekannt. Die Ergebnisse könnten Aufschluss über die Dunkelziffer und Todesrate geben.

In einer groß angelegten Studie des Imperial College in London werden 100.000 Menschen auf Antikörper gegen das Coronavirus getestet, bei sechs Prozent der Probanden ist das Ergebnis positiv. Es sei wahrscheinlich, dass sie bis Ende Juni eine Coronavirus-Infektion durchgemacht hätten. Hochgerechnet auf die Bevölkerung wären das 3,4 Millionen Engländer. Die Ergebnisse sollen helfen, die Pandemie zielgerichteter zu bekämpfen, teilte die Universität mit.

Anhand der ermittelten Infizierten könnte sich auch eine andere Risikobewertung des Coronavirus vornehmen lassen, da eine deutlich höhere Infektionszahl auch die Zahl der bisher ernsthaft Erkrankten relativieren würde. Ebenso wäre die tatsächliche Todesrate eindeutig geringer. Eine Antikörper-Studie in Italien kam zuletzt zu einem ähnlichen Ergebnis. Offiziellen Zahlen zufolge gibt es in ganz Großbritannien bisher circa 313.000 bekannte Corona-Fälle.

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Der leitende Wissenschaftler Graham Cooke warnte aber vor voreiligen Schlüssen: "Es gibt noch viel Unbekanntes bei diesem neuen Virus einschließlich der Frage, inwieweit die Anwesenheit von Antikörpern einen Schutz vor künftigen Infektionen darstellt." Die Zahl der positiv Getesteten unterscheidet sich der Studie zufolge sowohl geografisch als auch zwischen bestimmten Gruppen stark.

Demografisch ungleich verteilt

Besonders hoch ist die Rate in London, wo sogar 13 Prozent der Menschen positiv auf Antikörper getestet wurden. Am niedrigsten ist sie hingegen im Südwesten des britischen Landesteils mit 3 Prozent. Junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren wurden mehr als doppelt so oft positiv getestet (8 Prozent) wie Menschen im Rentenalter zwischen 65 und 74 Jahren (3 Prozent). Ebenfalls überdurchschnittlich stark betroffen sind Mitarbeiter im Gesundheitswesen und Angehörige ethnischer Minderheiten.

Bei Mitarbeitern in Pflegeheimen mit Patientenkontakt lag die Rate bei 16 Prozent. Bei Menschen mit schwarzer Hautfarbe wiesen sogar 17 Prozent Antikörper auf. Die ethnische Zugehörigkeit war den Wissenschaftlern zufolge selbst dann noch ein Faktor, wenn man Besonderheiten wie die Konzentration in bestimmten Berufen und eine von der weißen Bevölkerung abweichende Altersstruktur berücksichtigte.

Die Probanden nahmen zwischen dem 20. Juni und 13. Juli zu Hause einen Blut-Schnelltest, in diesem Fall eine Entnahme aus der Fingerkuppe, vor und luden die Ergebnisse anschließend auf einer Webseite hoch. Die Teilnehmer der Studie wurden repräsentativ nach dem Zufallsprinzip ausgewählt.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa