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Waffenhandel von Ungarn aus Polizei fasst "Migrantenschreck"-Betreiber

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Auf "Migrantenschreck.ru" wurden in Deutschland illegale Waffen als "Verteidigung" gegen "Ficki-Ficki-Fachkräfte" beworben.

(Foto: picture alliance / dpa)

Hunderte Deutsche zählen zu seinen Kunden: Mario Rönsch soll Hetze verbreitet und illegale Waffen von Budapest aus verkauft haben. Mehr als ein Jahr ermitteln Behörden gegen den Rechtsextremisten. Ungarische Spezialkräfte machen ihn dingfest.

Der mutmaßliche Betreiber der Internetplattform "Migrantenschreck" ist in Ungarn verhaftet worden. Der Vorwurf lautet auf illegalen Waffenhandel, wie die Generalstaatsanwaltschaft Berlin über Twitter mitteilte. Die Durchsuchungen dauerten noch an, weitere Details wurden zunächst nicht genannt.

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Nach Informationen von ARD, "Süddeutscher Zeitung" und der Nachrichtenseite "Motherboard" nahmen ungarische Spezialkräfte den 34-jährigen Rechtsextremen Mario Rönsch am Morgen in Budapest fest. Er soll mit in Deutschland verbotenen Gaspistolen im Wert von mehr als 100.000 Euro gehandelt haben.

Der Online-Shop richtete sich gezielt an deutsche Kunden und bewarb die Waffen als "Verteidigung" gegen Flüchtlinge mit rassistischen Sprüchen. Hunderte Deutsche kauften über die Seite Schusswaffen ein. Die Staatsanwaltschaft nannte das Ausmaß der Verkäufe "erschreckend". Recherchen von "Zeit Online" zufolge hat Rönsch mehr als 300 Pistolen und Gewehre verkauft.

Geschosse können tödlich sein

In Ungarn dürfen die im Shop angebotenen Waffen Erwachsenen frei verkauft werden. In Deutschland gelten sie jedoch wegen ihrer Bauart als illegal. Sie verschießen Hartgummigeschosse. Die Behörden warnen, dass die Patronen genug Energie haben, um einen Menschen schwer zu verletzen oder sogar zu töten. Neben diesen Pistolen und Revolvern soll Rönsch auch mit Schreckschussgewehren, die aussehen wie Kalaschnikows oder doppelläufige Flinten, gehandelt haben.

Wann Rönsch von Ungarn nach Deutschland ausgeliefert wird, ist bislang unklar. Medieninformationen zufolge sollen die ungarischen Behörden durchaus Interesse an einer schnellen Überstellung an die deutsche Justiz geäußert haben. Der europäische Haftbefehl gilt bereits als Auslieferungsantrag, die übliche Frist dauert sechzig Tage.

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Behörden warnen vor solchen Pistolen, da die Gummigeschosse genug Energie haben, um einen Menschen schwer zu verletzen oder sogar zu töten.

(Foto: migrantenschreck.ru)

Anfang vergangenen Jahres hatten Zollfahnder bei Durchsuchungen in Berlin, Brandenburg und Thüringen 13 Schusswaffen gefunden, die sich Waffenkäufer aus Deutschland über die Internetseite "Migrantenschreck.ru" besorgt hatten. Daraufhin wurde der Betreiber des Online-Shops selbst zum Ziel der Ermittlungen. Rönsch tauchte aber bereits Anfang 2016 unter und setzte sich nach Budapest ab. Dort wechselte er mehrfach seine Adresse und narrte so lange Zeit die deutschen Ermittler.

Kunden drohen Strafen

Laut der "Süddeutschen Zeitung" soll der 34-jährige Erfurter außerdem zwei der größten deutschen Hetzseiten betrieben haben: Die berüchtigte Facebook-Seite "Anonymous.Kollektiv" sammelte mit rassistischen Posts und Verschwörungstheorien fast zwei Millionen Likes. Auch die Beiträge der Fake-News-Plattform "Anonymousnews.ru" erreichten Millionen Leser.

Rönsch ist den Behörden schon länger bekannt: Unter anderen hat der damalige Bundestagsabgeordnete Volker Beck wegen des Aufrufs zu Straftaten auf "Anonymous.Kollektiv" Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Weil die Waffen auf "Migrantenschreck.ru" mit Videos beworben wurden, in denen auf Fotos von Politikern wie Heiko Maas und Joachim Gauck geschossen wird, lief auch eine Anzeige wegen Volksverhetzung.

Ob Rönsch allein gehandelt hat oder ob hinter ihm ein größeres Netzwerk steckt, ist noch nicht klar. Fraglich ist auch, wer seine Geschäfte und seinen Lebensunterhalt im Exil finanziert hat. Die Justiz ermittelt wegen seines illegalen Waffenhandels nicht nur gegen Rönsch, sondern auch gegen viele seiner Kunden. Ihnen drohen hohe Geldstrafen.

Quelle: n-tv.de, hny/AFP

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