Panorama

Dänemark als mahnendes Beispiel RKI: Tausende mit Corona-Mutanten angesteckt

Die verschiedenen bekannten Varianten des Coronavirus breiten sich in allen Bundesländern aus. Das Robert-Koch-Institut legt dazu einen umfangreichen Bericht mit konkreten Zahlen vor. Noch ist die Situation aber nicht mit der im nördlichsten Nachbarland Deutschlands vergleichbar.

Die Bundesländer berichten dem Robert-Koch-Institut (RKI) zunehmend von Nachweisen und Verdachtsfällen von ansteckenderen Corona-Varianten. In Deutschland sind seit Jahresbeginn durch das Meldesystem 4071 Fälle der in Großbritannien entdeckten Mutante B.1.1.7 bekannt geworden. Das geht aus einem am Nachmittag veröffentlichten RKI-Bericht hervor (Datenstand: 15. Februar). Die Fälle stammen demnach aus allen 16 Bundesländern. Wesentlich seltener, insgesamt 347 Mal, meldeten Bundesländer einen Verdacht auf die südafrikanische Variante B.1.351; mehrere Bundesländer meldeten noch keinen solchen Fall.

Das RKI stellt in seinem Bericht die Ergebnisse verschiedener Erhebungen getrennt voneinander dar. Eine davon beruht auf dem Meldesystem der Bundesländer. Das RKI weist darauf hin, dass verschiedene Überwachungssysteme und auch das Meldesystem die derzeit im Fokus stehenden Varianten noch nicht vollständig erfassten. Daher könnten die Zahlen aus verschiedenen Systemen noch deutlich auseinandergehen. Auch zwischen den berichteten Daten der Landesbehörden und dem RKI könne es Diskrepanzen geben. In der Vielzahl der Fälle sei keine vollständige Erbgutanalyse (Gesamtgenomsequenzierung) gemacht worden, heißt es.

Kernaussagen des RKI-Berichts hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Vormittag vorgestellt: Demnach stieg der Anteil der in Großbritannien entdeckten Variante binnen zwei Wochen von knapp 6 auf mehr als 22 Prozent. Diese Angabe bezieht sich auf Stichproben aus dem Zeitraum 8. bis 14. Februar, längst nicht alle positiven Corona-Tests in Deutschland werden auf Varianten untersucht. Folgeerhebungen plant das RKI in den Kalenderwochen 8 und 10, wie es im Bericht heißt. Das Institut wertete auch noch weitere Datenquellen aus.

Überregionale Mobilität fördert Ausbreitung

Das Gesundheitsministerium von Nordrhein-Westfalen teilte im Laufe des Tages Ergebnisse der landesinternen Studie "Molekulare Surveillance von Sars-CoV-2-Varianten in NRW" mit. Die Untersuchung am Universitätsklinikum Münster liefere demnach erstmals Ergebnisse zur tatsächlichen Verbreitung von Virusmutationen. Die Gesamtgenomsequenzierung von 933 positiven Patientenproben (Stichtag: 27. Januar 2021) ergab, dass davon rund neun Prozent auf besorgniserregende Virusvarianten (variants of concern, VOC) zurückzuführen sind. Dabei handelt es sich den Angaben zufolge überwiegend um die Variante B.1.1.7. Die Variante P.1, die sich vor allem in Südamerika verbreitet, ist in Nordrhein-Westfalen bisher nicht gefunden worden.

Die 933 Sars-CoV-2 positiven Patientenproben verteilen sich weitgehend repräsentativ über die 53 Kreise und wurden unter besonderer Berücksichtigung der Grenzregion zu den Niederlanden gesammelt und anschließend sequenziert. Rund zwei Drittel der Kreise haben die für die Repräsentativität gewünschte Anzahl von Proben (5-6 Proben pro 100.000 Einwohner) erreicht. Die niedrigeren Probenzahlen aus den übrigen Kreisen sind zum Teil durch die geringen Fallzahlen zu erklären.

Insgesamt wurde ein Drittel aller am 27. Januar 2021 vorliegenden positiven Proben in Nordrhein-Westfalen der Studie zugeführt. Davon konnten bisher 874 Proben aus 50 Kreisen sequenziert werden; nur bei wenigen dieser Proben war - bedingt durch eine zu geringe Viruslast - in der Ausgangsprobe kein Ergebnis messbar. Es wurden 60 verschiedene Varianten gefunden, darunter die sogenannte britische Variante (B.1.1.7) in 73 Proben und die südafrikanische Variante (B.1.351) in fünf Proben.

Die Daten zeigen zudem, dass die Virusmutanten eher in den Ballungsräumen auftreten. Ländliche Regionen, auch die Grenzregion zu den Niederlanden, sind weniger betroffen. "Unsere Daten deuten darauf hin, dass die VOCs weniger über die grenznahen Regionen als vielmehr durch überregionale Mobilität hinein in die Ballungsräume getragen werden", wird Alexander Mellmann, Direktor des Instituts für Hygiene am Universitätsklinikum Münster und Leiter der Studie, in einer Pressemitteilung zitiert.

B.1.1.7 in Dänemark in fast jeder zweiten Probe

Die britische Virusvariante gilt nach Schätzungen als um mindestens 35 Prozent ansteckender als frühere Formen. Es wird auch anhand der Erfahrungen von Ländern wie Dänemark schon länger befürchtet, dass der Anteil der Variante auch in Deutschland rasch und deutlich steigen wird. Das gilt als Risiko für Lockerungen.

In Dänemark ist die zuerst in England aufgetauchte Virus-Mutante zuletzt in fast jeder zweiten analysierten Corona-Probe gefunden worden. Wie aus einer aktualisierten Auflistung des Gesundheitsinstituts SSI hervorging, wurde die Variante B.1.1.7 in den ersten drei Tagen der vergangenen Woche in zunächst 47,5 Prozent der sequenzierten positiven Proben identifiziert. Das sind die aktuellsten verfügbaren Zahlen, sie werden laufend aktualisiert und können sich somit noch ändern.

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Damit geht der rapide Anstieg des B.1.1.7-Anteils unter den dänischen Corona-Fällen unvermindert weiter: Als die ersten Fälle der Variante in Dänemark auftauchten, wurde sie nur in 0,3 Prozent der analysierten Proben gefunden. Zum Jahreswechsel waren es um die 2 Prozent, seitdem ging es steil bergauf: In der letzten Januar-Woche waren es bereits 19,6, in der ersten Februar-Woche dann 30,7 Prozent.

Insgesamt wurde die Virus-Variante bislang bei 2510 Menschen in Dänemark nachgewiesen. Hinzu kommen neun Fälle der zunächst in Südafrika aufgetauchten Variante B.1.351. Generell ist die Zahl der dänischen Neuinfektionen seit Mitte Dezember deutlich zurückgegangen.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa

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