Panorama

Nach dem Juwelendiebstahl Soko "Epaulette" intensiviert die Fahndung

Einen Tag nach dem spektakulären Diebstahl in Dresden kommen die Ermittlungen langsam voran. Die Polizei weiß inzwischen, wie die Täter flohen und dass der Raubzug gut geplant war.

Was ist bisher über den Tatverlauf bekannt?
Nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei zerstörten die Täter zunächst ein Fenstergitter im Erdgeschoss und wandten sich dann gezielt einer Vitrine im sogenannten Juwelenzimmer zu. Mit einer Axt zerstörten sie das Glas und stahlen mehrere mit Edelsteinen besetzte Schmuckstücke. Die Tat dauerte nur wenige Minuten. Zuvor hatten sie offenbar einen Verteilerkasten in der Nähe der Augustusbrücke angezündet. Dadurch fiel die Straßenbeleuchtung in diesem Bereich aus.

Was wurde gestohlen?
Bei dem Einbruch wurden gezielt eine Brillantengarnitur und zwei Diamantengarnituren aus dem 18. Jahrhundert gestohlen. Die Polizei veröffentlichte Bilder der gestohlenen Gegenstände. Museumsdirektor Dirk Syndram muss zunächst den Abschluss der Arbeiten der Spurensicherung abwarten, um die Schäden genau zu erfassen. Anhand von Polizeifotos konnte er sehen, dass prominente Stücke der Brillant- und Diamantrosengarnitur sowie vom Brillantschmuck der Königinnen fehlen: ein Kleinod und ein Bruststern des polnischen Weißen Adler-Ordens, die Große Brustschleife, eine Kette aus sächsischen Perlen, eine Epaulette (Schulterstück) und ein mit mehr als 770 Diamanten besetzter Degen. 

Warum griffen die Sicherheitskräfte des Museums nicht ein?
Der Präsident des Deutschen Museumsbundes, Eckart Köhne, sagte nach dem Überfall, es sei üblich, dass das Sicherungspersonal nicht selbst eingreift. "Die Täter gehen manchmal auch mit großer Brutalität vor." Das Gewaltpotenzial sei in solchen Fällen sehr hoch "und die Wachleute sind ja keine ausgebildeten Einzelkämpfer". Bei der Arbeit der Sicherheitsleute gehe es darum, möglichst schnell die Polizei zu holen. "Es ist sicherlich nicht so, dass man da Menschen braucht, die Helden spielen. Menschenleben muss man definitiv schützen."

Wie waren die teuren Ausstellungsstücke geschützt?
Die Fenster sind vergittert, es gibt eine Videoüberwachungsanlage und Sicherheitspersonal. Nach Angaben der Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann, wurden mehrere Alarme ausgelöst. Ackermann sagte im ZDF, es habe Signale gegeben "beim Einbruch selbst, durch die Bewegungsmelder im Raum, beim Aufbrechen der Vitrine". Die Polizei sei bereits beim ersten Alarm informiert worden. Der Schmuck selbst lag in Vitrinen aus Sicherheitsglas. Ackermann zufolge waren alle Objekte auch noch einzeln befestigt. "Sie waren mit Stichen vernäht mit dem Untergrund." Auch deshalb konnten die Täter nicht noch mehr Teile mitnehmen.

Wieviele Täter waren beteiligt?
Auf den Video-Aufzeichnungen der Überwachungskameras des Historischen Grünen Gewölbes sind zwei Einbrecher zu sehen. Die Kriminalpolizei geht jedoch davon aus, dass weitere Täter beteiligt waren.

Was ist über die Flucht der Einbrecher bekannt?
Die Polizei bestätigte RTL/n-tv, dass die Einbrecher das Museum durch das eingeschlagene Fenster auch wieder verließen und mit einem Audi A6 vom Tatort flüchteten. Ein baugleiches Fahrzeug wurde später in einer Tiefgarage an der Kötzschenbrodaer Straße in Brand gesetzt. Der Audi wurde von Kriminalisten untersucht und sichergestellt. Die Garage gilt inzwischen einem Polizeisprecher zufolge als zweiter Tatort.

Wie liefen die ersten Ermittlungen?
Nach Angaben des Dresdner Polizeipräsidenten Jörg Kubiessa fahndeten bereits wenige Minuten nach der Einbruchsmeldung um 4.59 Uhr 16 Streifenwagen nach den Verdächtigen. Zudem wurden kurz darauf die an Dresden grenzenden Polizeibezirke, die Polizei in Brandenburg und die Bundespolizei informiert.

Gibt es schon eine heiße Spur?
Nein, nach den Tätern wird weiter gefahndet. Außerdem wurden Bilder gestohlener Schmuckstücke veröffentlicht. Im Museum wird vor allem nach DNA-Spuren der Täter gesucht. Das erweist sich in den Museumsräumen, in denen sich normalerweise sehr viele Menschen befinden, als sehr schwierig. Inzwischen sind 20 Ermittler im Rahmen der Sonderkommission "Epaulette" mit dem Fall befasst.

Können die Täter die Schmuckstücke verkaufen?
Nach Aussage des Museumsdirektors Syndram ist die Beute für das Museum unersetzlich und für die Diebe unverkäuflich. "Das sind alles Schliffe des 18. Jahrhunderts, man kann solche Steine nicht einfach zu Geld machen." Die Historizität und der Erhalt der Schmuckstücke machten deren Wert aus, herausgebrochene Diamanten entwerteten sie. "Es wäre eine Dummheit, das zu machen."

Kann das Museum nach dem Einbruch öffnen?
Das Historische Grüne Gewölbe von Dresden bleibt vorerst geschlossen. Syndram sagte dem MDR, er rechne damit, dass die Schatzkammer längere Zeit zu bleibe. Die anderen Museen im Residenzschloss sollten demnach am Mittwoch wieder öffnen.

Quelle: ntv.de