Panorama

Zahlen stabilisieren sich leicht Spahn: Gebremster Anstieg "reicht noch nicht"

Im aktuellen Lagebericht von Gesundheitsminister Spahn und RKI-Chef Wieler klingt schon deutlicher Optimismus durch. Allerdings betonen beide, dass man nicht glauben dürfe, die Pandemie sei nun unter Kontrolle. Das bestätigt ein Intensivpfleger mit dramatischen Schilderungen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der Chef des Robert-Koch-Instituts Lothar Wieler haben gemeinsam betont, dass es trotz sich leicht stabilisierender Corona-Infektionszahlen noch zu früh für Entwarnung ist. Wieler sagte in Berlin: "Die Pandemie ist leider noch nicht vorbei." Innerhalb einer Woche seien die Fallzahlen weltweit um 24 Prozent gestiegen. Die Pandemie werde erst dann unter Kontrolle sein, wenn dies in allen Teilen der Welt der Fall sei.

Der steile Anstieg der Zahlen ist Spahn zufolge in Deutschland aber derzeit gebremst. Es sei jedoch noch unklar, ob dies nur eine Momentaufnahme oder ein Trend sei, sagte der CDU-Politiker. "Das reicht aber insgesamt noch nicht." Die Zahlen seien nach wie vor zu hoch, und auch die Intensivstationen in Deutschland seien noch zu voll. Diese Einschätzung bekräftigte auch der Intensivpfleger Ricardo Lange, der in der regelmäßig veranstalteten Pressekonferenz zu Gast war.

Er habe durch seine Tätigkeit bei einer Zeitarbeitsfirma Einblick in die Lage mehrerer Berliner Krankenhäuser. Wenn Patienten, die unter Nicht-Pandemie-Bedingungen auf der Intensivstation liegen würden, nun auf anderen Stationen behandelt würden, seien die Intensivstationen bereits über der Kapazitätsgrenze. Lange berichtete emotional, dass das Sterben so vieler Patienten nicht nur für die Angehörigen eine Katastrophe sei, sondern auch den Pflegenden sehr zu schaffen mache.

Kinderimpfstoff wird kommen

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Wieler warnte in seinem Lagebild zudem davor, Corona-Infektionen bei Kindern zu unterschätzen. Auch wenn es bei infizierten Kindern meist weniger schwere Krankheitsverläufe gebe, zeigten Studien, dass auch hier sogenannte Long-Covid-Symptome auftreten könnten. Dazu gehörten Atem-, Konzentrations- und Erschöpfungsprobleme, so der RKI-Chef. Spahn betonte, dass er in Europa mit einer "zügigen Zulassung" des Corona-Impfstoffs von Biontech und Pfizer schon ab zwölf Jahren rechnet. Er würde es begrüßen, wenn die über Zwölfjährigen im Sommer dann zum Schulstart nach den Ferien geimpft werden könnten. "Es würde sehr helfen, wenn die Zulassung da ist." Bislang ist der Impfstoff in der EU erst ab 16 Jahren zugelassen, in den USA bereits ab zwölf.

Allerdings seien entgegen der öffentlichen Wahrnehmung auch in der Altersgruppe über 80 Jahre in Deutschland längst nicht alle geimpft. Wieler zufolge ist dies zurzeit erst bei zwei Dritteln der Fall. In der Gruppe der über 70-Jährigen seien derzeit sogar nur 30 Prozent geimpft. "Wir impfen sehr schnell und sehr viel." Aber es gebe eben auch sehr viele Menschen, die noch geimpft werden müssten.

Quelle: ntv.de, sba/rts

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