Panorama

Kritik an fehlenden Corona-Daten Alter der Intensivpatienten nicht erfasst

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Bei der Regierung werden die Zahlen erst künftig zusammengeführt.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

Aus den Krankenhäusern berichten Ärzte, dass die auf den Intensivstationen behandelten Coronapatienten immer jünger werden. Doch die Bundesregierung kann dies nicht mit eigenen Zahlen be- oder widerlegen. Denn die werden nicht erhoben - noch nicht.

Die Bundesregierung hat nach eigenen Angaben keine Kenntnis vom Durchschnittsalter der Covid-19-Patienten auf deutschen Intensivstationen. Das teilte das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage der FDP mit. Demnach müssen die Krankenhäuser zwar täglich ihre Behandlungskapazitäten sowie etwa die Zahl der entlassenen Patienten und Patientinnen übermitteln. "Daten über das (Durchschnitts-)Alter von Covid-19-Patientinnen und Covid-19-Patienten mit intensivmedizinischem Behandlungsbedarf" fallen aber nicht darunter.

In der Antwort auf eine Anfrage der FDP-Politikerin Judith Skudelny heißt es weiter, dass folglich auch keine Angaben darüber vorliegen, wie alt im Durchschnitt die Patientinnen und Patienten waren, die auf den Intensivstationen an dem Coronavirus starben. Das Alter sei bislang nicht "als erforderlich angesehen" worden, heißt es in der Antwort weiter.

Skudelny nahm eine Äußerung des SPD-Gesundheitspolitikers Karl Lauterbach zum Anlass der Anfrage. Dieser hatte kürzlich im ZDF bei "Maybrit Illner" gesagt, diejenigen, die jetzt auf den Intensivstationen behandelt werden, seien "im Durchschnitt 47 bis 48 Jahre alt". "Die Hälfte von denen stirbt. Viele Kinder verlieren ihre Eltern." Das sei "eine Tragödie", sagte Lauterbach weiter. Die FDP-Politikerin kritisierte den SPD-Politiker dafür scharf und warf ihm vor, mit "falschen Fakten" Angst zu verbreiten. Da das Alter aber gar nicht erfasst werde, entbehre diese Darstellung jeder Grundlage, sagte sie.

Alter jetzt relevant

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Skudelny kritisierte zudem grundsätzlich, dass die Regierung "in Zeiten, in denen Politik und Ethikkommission über eine Impfpriorisierung diskutieren", die Erhebung von simplen Zahlen mit hoher Bedeutung vernachlässige. Dazu gehöre auch das Alter der Intensivpatienten. "Das ist hanebüchen und wird dem erforderlichen Weitblick zur Pandemiebekämpfung nicht gerecht."

In ihrer Antwort schreibt die Regierung indes, dass die Altersangaben der Patientinnen und Patienten mit intensivmedizinischem Versorgungsbedarf "in Kürze erhoben" werden sollen, da das Alter nunmehr als relevant für die Aufrechterhaltung der Gesundheitsversorgung in Krankenhäusern angesehen werde. Dazu soll die sogenannte DIVI-Intensivregister-Verordnung angepasst werden, die die Übermittlung der Daten regelt. Skudelny sagte dazu, das Alter sei ein "absolut wichtiger Indikator". Dieser werde nun "leider" viel zu spät erhoben.

Quelle: ntv.de, sba/AFP

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