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Monatelang ohne Stromversorgung? Texas stand "Sekunden" vor Blackout

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Der Worst Case war erschreckend nah.

(Foto: AP)

Ein heftiger Wintereinbruch legt Texas lahm, die Stromversorgung bricht vielerorts zusammen. Doch es hätte noch viel schlimmer kommen können, heißt es vom Netzbetreiber. Der Grund dafür ist eine historische Besonderheit im US-Stromnetz.

Von Wasser umgeben mag Texas zwar nicht sein, trotzdem ist der flächenmäßig zweitgrößte Bundesstaat der Vereinigten Staaten eine Insel. Zumindest, was seine Stromversorgung und sein Energienetz betrifft. In den USA gibt es laut "USA Today" drei große Stromnetze: eins im Westen, eins im Osten und eins in Texas. Eine historische Besonderheit, die aufgrund des heftigen Wintereinbruches in den vergangenen Tagen fast zur Katastrophe geführt hätte, nämlich zu einem andauernden, womöglich sogar monatelangen Stromausfall.

Zu einem kompletten Zusammenbruch hätten nur "Sekunden und Minuten" gefehlt, sagte Bill Magness, der Chef des Stromnetzbetreibers ERCOT. Millionen Menschen in Texas waren und sind bei Minusgraden und anhaltendem Extremwetter ohne Elektrizität, laut "poweroutage.us" sind auch am Freitagnachmittag deutscher Zeit noch immer mehrere Hunderttausend Haushalte von der Versorgung abgeschnitten. Nach Angaben von ERCOT offenbar der einzige Weg, einen dauerhaften Blackout zu verhindern. Und das, obwohl Texas der deutlich größte Erdöl- und Gasförderer in den USA ist.

Wie die "Texas Tribune" berichtet, habe der Wintereinbruch mit Temperaturen im Minusbereich dafür gesorgt, dass "Gas- und Kohlekraftwerke, aber auch Windkraftanlagen" die Stromerzeugung einstellen mussten, während der Bedarf gleichzeitig rapide anstieg. Hätten die Operatoren nicht reagiert, so Magness, hätte eine "undefinierbar lange" Krise gedroht. Denn zum Worst-Case-Szenario, der Überlastung des Netzes, fehlten eben nur "Sekunden und Minuten". Das wiederum hätte dazu führen können, dass es beispielsweise an Trafo-Stationen zu Kurzschlüssen kommt, Feuer entstehen und ganze Teile des Netzes bis auf Weiteres unbrauchbar machen.

Deregulierung statt sicherer Versorgung

Bei einem kompletten Stromausfall hätte es Monate gedauert, die Schäden zu reparieren, zitiert die "Texas Tribune" Bernadette Johnson von Enverus, einer Firma für Software rund um Öl und Gas aus der Landeshauptstadt Texas. Bei der Wiederherstellung der Versorgung - sowohl auf der Erzeuger- als auch auf der Abnehmer-Seite - sei Vorsicht geboten, sagte sie der Zeitung: "Es muss konstant in der Balance bleiben", denn: "Wenn das Netz einmal ausgefallen ist, ist es höchst schwierig, es wieder ans Laufen zu bringen."

ERCOT mahnte deshalb dazu, den Stromverbrauch nach Möglichkeit einzuschränken. Eine Versorgung mit Strom aus den Nachbarstaaten ist aufgrund der "Insellage" nicht möglich. Diese war einst eingeführt worden, weil Texas sich staatlichen Regulationen und staatlicher Kontrolle entziehen wollte. "Wenn du sagst, dass du es alleine hinbekommst, dann reiß dich zusammen und mach es", kritisierte Ed Hirs von der University of Houston in der "Texas Tribune" die landesweiten massiven Einschränkungen. Das Vorgehen des republikanisch regierten Bundesstaates, den Markt immer weiter zu deregulieren und so die Versorgungssicherheit zu gefährden, nannte Hirs ein "unfassbares Versagen".

Zusätzlich zu den Blackouts im Stromnetz waren außerdem mehrere Hunderttausend Menschen auch ohne fließendes Wasser, weil auch dort die Versorgung in Schwierigkeiten geriet. Wegen des Druckverlustes wurde empfohlen, das Leitungswasser vor dem Gebrauch abzukochen - ohne Strom allerdings so gut wie unmöglich.

Landesweit sind laut der Nachrichtenagentur AFP bereits mindestens 38 Menschen ums Leben gekommen, die Zahl der Toten dürfte in den kommenden Tagen weiter steigen. Der Bundesstaat "hatte mehr als genug Zeit, sich darauf vorzubereiten", zitiert "USA Today" beispielhaft Tim Taylor aus Austin, in dessen Haus die Temperatur bei nur noch zwei Grad über dem Gefrierpunkt lag. Eine echte Alternative zum Frieren aber bot sich ihm nicht. Hotelzimmer waren ausgebucht oder ebenfalls ohne Strom, weshalb er den naheliegenden Schluss zog: "Das ist einfach ein unerklärliches Versagen."

Quelle: ntv.de

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