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Omikron-Wand ist da Timo Ulrichs: "Jetzt geht es relativ schnell"

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Der Epidemiologe Timo Ulrichs - hier im Gespräch mit ntv-Moderatorin Katrin Neumann - ist Professor für Medizin, Mikrobiologie und Katastrophenhilfe an der Akkon-Hochschule in Berlin.

Die Zahl der Neuinfektionen zieht auch in Deutschland deutlich an. Epidemiologe Ulrichs rechnet mit einer Inzidenz von mindestens 600 in einer Woche. Für Omikron kommt eine mögliche Impfpflicht zu spät, im ntv-Interview erklärt Ulrichs, warum er trotzdem darauf hofft.

ntv: Die bundesweite Inzidenz liegt jetzt bei 300. Wie weit sind wir weg von der erwarteten Omikron-Wand?

Timo Ulrichs: Die ist jetzt quasi schon da. Wir werden, wenn wir uns in einer Woche wieder sprechen, mindestens 600 haben, wenn nicht noch mehr. Das heißt, jetzt geht es relativ schnell. Wir müssen sehen, dass wir da mit den Maßnahmen mindestens eine Dämpfung erreichen, dass in der Folge die Krankenhauseinweisungen nicht auch in die Höhe schnellen.

Sind die von Bund und Ländern geplanten Maßnahmen angemessen und ausreichend?

Das Wichtige ist auf jeden Fall das Maskentragen. Wir müssen in den täglichen kurzen Kontakten versuchen zu verhindern, dass da schnell die Omikron-Variante rüberspringt. Sie braucht ja nur ganz kurze Zeiträume, um eine Infektion auszulösen. Und das Zweite ist, dass die Maßnahmen, die beschlossen worden sind zur Kontaktreduktion und zum Abstandhalten, beibehalten werden. Das ist ganz wichtig. Und was weiterhin parallel läuft, ist die Booster-Kampagne, dass wir möglichst viele Menschen impfen und boostern. Das zeigen uns die Daten aus Großbritannien, dass uns das dann weniger Menschen in Krankenhäusern beschert. Die sind nämlich davor gefeit. Wenn wir das alles zusammen nehmen, sollte es einigermaßen ausreichen, um diese Welle abzufedern.

Die Kontaktbeschränkung auf maximal zehn Personen im privaten Bereich kommt mir relativ viel vor. Ihnen auch oder ist das okay?

Das ist in der Tat relativ viel. Wir hatten auch schon mal strengere Kontaktbeschränkungen, vor einem Jahr zu Weihnachten. Da konnten wir uns aber noch nicht mit Impfungen vor schweren Verläufen schützen. Mittlerweile ist das ja möglich. Und diese Kombination aus Impfung und Kontaktreduktion könnte uns helfen, dass wir hier einigermaßen gut durchkommen.

Wie wichtige wäre eine Impfpflicht zum jetzigen Zeitpunkt?

Es wäre schön, wir hätten sie schon. Hätten wir das Impfen schon großflächiger geschafft, wäre das Risiko geringer, dass Menschen das Gesundheitssystem belasten. Das können wir uns im Augenblick nämlich nicht leisten. Leider wird es wohl so kommen, dass die Impfpflicht, wenn sie kommt, dann erst so Richtung Februar oder März eingerichtet wird. Dann müssten wir mit der Omikron-Welle schon fast durch sein. Allerdings wäre es gut, wenn sie trotzdem noch kommt, denn dann hätten wir ein reduziertes Risiko, dass das Virus in Form einer weiteren Welle im Herbst und Winter zurückkommt.

Inwiefern hilft das Impfen da?

Durch das Impfen wird zwar das Virus nicht verschwinden, aber wir werden keine größeren Wellen mehr sehen, wenn wir eine komplette Durchimpfung haben. Das gilt auch dann, wenn noch "bessere" Varianten kommen. Darauf müssen wir uns einstellen, weil das ganze Geschehen ja nicht nur in Deutschland zu beherrschen ist, sondern weltweit. Wir müssen auch Sorge tragen, dass weltweit geimpft wird, damit das Virus keine Chance hat, mit einer ganz anderen Variante wieder zurückzukommen.

Wenn man nach der Booster-Impfung keine Reaktionen hat, hat sie dann wirklich etwas gebracht?

Ja, das ist nicht miteinander korreliert. Man kann überhaupt nichts merken von der Impfung und hat trotzdem eine sehr gute Immunantwort. Und manche haben eben sehr schwere, vorübergehende Reaktionen, sind dann sogar ein paar Tage außer Gefecht gesetzt. Das ist in der Tat ein indirektes Zeichen dafür, dass das Immunsystem darauf angesprungen ist. Aber wenn man gar nichts merkt, ist das nicht gleichbedeutend damit, dass sich das Immunsystem nicht von der Impfung hat beeindrucken lassen. Man könnte es nochmal überprüfen, in dem man die Antikörper-Titer bestimmt. Das ist aber eigentlich gar nicht erforderlich. Man kann wirklich davon ausgehen, dass nach dreimaliger Impfung ein sehr guter Schutz hervorgerufen ist, sodass das Immunsystem sehr gut aufgestellt ist. Und zwar nicht nur, was die Antikörperproduktion angeht, sondern auch die ganzen Zellen, die ja erforderlich sind für eine umfassende, gut abgestimmte Immunantwort.

Mit Timo Ulrichs sprach Katrin Neumann

Quelle: ntv.de

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