Panorama

Kampf um den Dannenröder Forst Umweltschützer tritt Polizist gegen den Kopf

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Einsatz in großer Höhe: Zur Räumung sind Polizisten mit mehreren Hebebühnen und Kletter-Experten vor Ort.

(Foto: imago images/Hartenfelser)

Die Polizei rückt im Dannenröder Forst an, um dort ein großes Protestcamp gegen den Bau der A49 zu räumen. Doch freiwillig verlassen die Umweltschützer ihre Baumhäuser nicht. Einer von ihnen nimmt offenbar sogar einen gefährlichen Sturz eines Polizisten in Kauf.

Bei ihrem Großeinsatz im Dannenröder Forst in Hessen räumt die Polizei zentrale Protestcamps der Waldbesetzer. Die Einsatzkräfte holten in einem der Camps mit rund einem Dutzend Baumhäusern Personen von Bäumen oder Holzkonstruktionen, wie ein Polizeisprecher berichtete. Eine Person habe während des Einsatzes in etwa zehn Metern Höhe einen Polizisten gegen den Kopf getreten. Das Geschehen sei unter anderem in einem Livestream gezeigt worden. "In diesem Zusammenhang wurde ein Strafverfahren eingeleitet", so die Polizei.

Im Dannenröder Forst werden Bäume für den Bau der Autobahn 49 abgeholzt. Um das zu verhindern, halten Umwelt- und Klimaschützer das Waldstück seit mehr als einem Jahr besetzt und haben dort Baumhauscamps sowie zahlreiche Barrikaden errichtet, die von der Polizei seit dem 10. November Schritt für Schritt geräumt werden. Dabei kam es immer wieder zu gefährlichen Zwischenfällen. Die Aktivisten haben der Polizei wiederholt vorgeworfen, bei den Räumungen Leben zu gefährden.

So verletzten sich bislang zwei Aktivisten bei zwei Abstürzen. Für den ersten der beiden Fälle soll ein Polizist verantwortlich gewesen sein, der laut Staatsanwaltschaft Gießen zuvor ein Seil durchtrennt haben soll, das mit dem Gestell verbunden gewesen sei. Die Verbindung soll für den Beamten nicht erkennbar gewesen sein.

Zwischen den Baumhäusern hingen bei der Räumung heute Plakate mit Hinweisen auf Lebensgefahr. Nach Polizeiangaben haben sich Aktivisten beispielsweise an Betonklötze gekettet, die herabstürzen, wenn Seile durchtrennt werden, um nach oben zu den Baumhäusern zu gelangen. Die Polizei ermittelt auch wegen Verdachts auf ein versuchtes Tötungsdelikt, nachdem ein Gestell aus Baumstämmen in Richtung von Polizisten gestürzt war. Die Beamten hatten zur Seite springen können und waren unverletzt geblieben.

Umweltschützer rufen zu Blockade auf

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In dem Camp befinden sich 13 Baumhäuser in einer Höhe von 20 Metern.

(Foto: imago images/Hartenfelser)

Die Polizei hat inzwischen zu den erhobenen Vorwürfen Stellung bezogen. In einem am Mittwoch auf Twitter veröffentlichten Video sagte ein Polizeisprecher ein, dass manche der von den Aktivisten im Dannenröder Forst geäußerten Vorwürfe sich auf konkrete Ereignisse bezögen, die der Polizei bekannt seien und derzeit auch überprüft würden. Der Sprecher bezeichnete aber zugleich andere Vorwürfe der Aktivisten als "pauschal in den Raum geworfen" und für die Polizei weder örtlich noch zeitlich bestimmbar und somit nicht nachvollziehbar. "Diesen pauschalen Vorwürfen widerspreche ich ganz entschieden", so der Polizeisprecher.

Für den Lückenschluss der A49 sollen rund 85 Hektar Wald gerodet werden, 27 davon im Dannenröder Forst. Der Bau der Autobahn soll laut dem Landkreis Vogelsberg im September 2021 beginnen. Derzeit laufen vorbereitende Arbeiten. Die Befürworter erhoffen sich weniger Verkehrsbelastung und eine bessere Straßenanbindung. Gegner lehnen das Projekt, für das Baurecht besteht, aus Klimaschutzgründen ab. Die Organisation "Ende Gelände" versucht, die Rodungen des Waldes mit Blockaden wie am vergangenen Wochenende zu verhindern. Auch für den kommenden Sonntag rufen die Umweltschützer zu einer friedlichen Protestaktion in den sozialen Netzwerken auf.

Quelle: ntv.de, joh/dpa

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