Panorama

Fehlalarm am Breitscheidplatz Verdächtigte Männer sind Salafisten

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Der Alarm auf dem Breitscheidplatz stellte sich als unbegründet heraus.

(Foto: REUTERS)

Ein Tag nach der Räumung des Weihnachtsmarkts am Breitscheidplatz geben Ermittler Einblicke in die Aktion. Das verdächtige Verhalten der Männer, die der salafistischen Szene zugerechnet werden, führte demnach zu dem drastischen Schritt. Dass dieser trotz allem richtig war, bezweifeln weder Polizei noch Politik.

Die beiden verdächtigten Männer, die am Samstagabend den Polizeieinsatz auf dem Berliner Weihnachtsmarkt ausgelöst hatten, gehören laut Polizei der salafistischen Szene an. Das sagte Polizeisprecher Thilo Cablitz. Ob sie damit auch als islamistische "Gefährder" eingestuft werden, sagte der Sprecher nicht. Festgenommen wurde keiner der Männer. Die Polizei stellte aber ihre Identitäten fest. Sie hätten in Berlin gelebt, sagte Cablitz. Der "Tagesspiegel" berichtet, die beiden Männer seien zuvor observiert worden. Ein Polizeisprecher wollte dem Blatt dies aber nicht bestätigen.

Laut Calbitz handelt es sich um 21 und 24 Jahre alte syrischstämmige Männer. Sie wurden am Samstag in Gewahrsam genommen, als sie sich auf dem Weihnachtsmarkt verdächtig benommen hatten. Laut Calbitz waren die Männer einer Polizeistreife aufgefallen, weil sie sich "schlagartig entfernt" und dabei auch Leute beiseite gedrängt hatten, wie es am Sonntag heiß. Daraufhin wurde der Weihnachtsmarkt geräumt, weil nicht ausgeschlossen werden konnte, dass dort ein verdächtiger Gegenstand abgelegt wurde. Über mehrere Stunden war der Bereich gesperrt, der S-Bahn-Verkehr am Bahnhof Zoo gestört.

Bei der Überprüfung der Personalien der Männer hätten sich Widersprüche eines der Männer zur tatsächlichen Identität ergeben, außerdem Hinweise auf eine internationale Fahndung im islamistischen Kontext und der Bezug beider Männer zum Salafismus. Deshalb habe es "keine Alternative" zur Räumung gegeben, erklärte die Polizei. An dem Einsatz waren demnach rund 250 Polizisten beteiligt, die beiden als verdächtig Eingestuften konnten nach einer Überprüfung wieder gehen. Die Suche auf dem Weihnachtsmarkt auch mit Hilfe von Sprengstoffspürhunden blieb ohne Ergebnis.

BKA: Neun islamistische Anschläge seit 2016 verhindert

Berlins Innensenator Andreas Geisel nannte die Entscheidung zur Räumung richtig. Der Einsatz habe gezeigt, "dass sich unsere Sicherheitsbehörden nicht im Routinemodus befinden und weiter wachsam sind", sagte der SPD-Politiker. Ein Fehlalarm sei immer die bessere Nachricht.

Vor fast genau drei Jahren, am 19. Dezember 2016, war der Attentäter Anis Amri mit einem Lastwagen in den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz gerast. Bei dem Anschlag wurden zwölf Menschen getötet. Nach dem Vorfall vom Samstagabend öffnete der Weihnachtsmarkt am Sonntag wieder.

Der Leiter der neuen BKA-Abteilung Islamistisch motivierter Terrorismus/Extremismus, Sven Kurenbach, wies in der "Welt am Sonntag" auf die erhöhte Anschlagsgefahr nach dem Tod des IS-Anführers Abu Bakr al-Baghdadi Ende Oktober hin. In radikalislamistischen Kreisen sei vermehrt zum Terror im Westen aufgerufen worden. "Der Trend geht dabei zu Anschlägen mit einfachen Tatmitteln. Schusswaffen spielten bei Anschlagsplanungen hierzulande zuletzt weniger eine Rolle", sagte Kurenbach.

In den drei Jahren seit dem Amri-Attentat hätten deutsche Sicherheitsbehörden neun islamistisch motivierte Anschläge in Deutschland verhindert, berichtet die "WamS" unter Berufung auf das BKA. Allein im November seien zwei abgewendet worden.

Quelle: ntv.de, jog/dpa/AFP