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"Systematische Verfolgung" 47.000 Gülen-Verdächtige noch in U-Haft

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Bisher 262 Diplomaten und Militärangehörige suchen in Deutschland Schutz vor der staatlichen Verfolgung in ihrer Heimat.

(Foto: AP)

Neun Monate nach dem Putschversuch in der Türkei sitzen noch immer Zehntausende Menschen im Gefängnis, weil sie der Gülen-Bewegung angehören sollen - unter ihnen sind 2500 Richter und Anwälte. Für Türken könnte deshalb die Chance auf Asyl steigen.

Seit dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei im vergangenen Juli sind wegen angeblicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung mehr als 113.000 Menschen festgenommen worden. 47.155 dieser Verdächtigen säßen in Untersuchungshaft, sagte Innenminister Süleyman Soylu nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Der Rest sei meist unter Auflagen freigelassen worden. Unter den Verdächtigen in Untersuchungshaft seien auch 2575 Richter und Staatsanwälte sowie 168 Generäle.

Die Regierung macht die Bewegung des in den USA lebenden sunnitischen Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Vertreter westlicher Staaten zeigten sich zuletzt nicht überzeugt davon. "Die Türkei hat auf den verschiedensten Ebenen versucht, uns davon zu überzeugen. Das ist ihr aber bislang nicht gelungen", hatte etwa der Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND), Bruno Kahl, vergangenen Monat erklärt. Der Auswärtige Ausschuss des britischen Parlaments monierte, es sei "nicht durch öffentlich zugängliche Nachweise belegt", dass Gülen-Anhänger die alleinigen Urheber gewesen seien.

Seit dem Umsturzversuch geht der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan mit harter Hand gegen politische Gegner vor. Zahlreiche türkische Diplomaten und Militärangehörige suchten einem Medienbericht zufolge in Deutschland Schutz vor der staatlichen Verfolgung in ihrer Heimat. Dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) liegen 262 Anträge vor, wie der "Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe berichtet. Entschieden wurde demnach noch keiner.

Dem Bericht zufolge könnte die Anerkennungsquote türkischer Asylbewerber künftig steigen. Aufgrund einer Einschätzung des Auswärtigen Amtes überarbeite das Bamf derzeit seine Leitsätze für die Türkei. Demnach gebe es "deutliche Anhaltspunkte für eine systematische Verfolgung vermeintlicher Anhänger der Gülen-Bewegung", heißt es darin. Terrorvorwürfe würden in der Türkei "inflationär" erhoben.

Quelle: n-tv.de, jug/AFP

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