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Brasiliens gefährlicher Kurs Agrarexporte als Gift für die "Lunge der Erde"

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(Foto: picture alliance/dpa)

Brasilien ist der weltweit größte Exporteur von Soja und Rindfleisch und gleichzeitig ein Schlüsselland im Kampf gegen den Klimawandel. Doch der Agrarsektor frisst sich immer weiter in den Regenwald. Präsident Bolsonaro kümmert das wenig. Nun schlägt sogar die Branche selbst Alarm.

Der brasilianische Regenwald gilt als "Lunge der Erde". Doch der Anstieg der landwirtschaftlichen Exporte bedroht das für das Weltklima so wichtige Ökosystem. Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro - Klimaskeptiker und Freund der Agrarindustrie - begünstigt den Raubbau am Amazonaswald. Monokolturen wie der Anbau von Soja oder Rinderzucht werden zulasten umweltfreundlicherer Familienbetriebe gefördert.

Die exportorientierte Landwirtschaft braucht immer neue Flächen. Im Regenwald und auch in der Cerrado-Savanne im Südosten Brasiliens werden riesige Wälder vernichtet. Das hat Folgen für die indigene Bevölkerung, die immer weiter zurückgedrängt wird, und für das Klima. Die brasilianische Agrarindustrie wird deshalb auch Thema im Sonderbericht des Weltklimarats (IPCC) zu Klimawandel und Landsystemen sein, der am morgigen Donnerstag vorgestellt wird.

Das im Juni vereinbarte Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Handelsverbund Mercosur könnte die brasilianischen Agrarexporte weiter ankurbeln. In dem Vertrag versprechen die Europäer zwar, kein Soja oder Rindfleisch einzuführen, das auf Abholzungsflächen produziert wurde. Wie dieser Vorsatz umgesetzt werden soll, bleibt jedoch vage.

Die Landwirtschaft ist für den überwiegenden Teil der Kohlenstoffdioxidemissionen Brasiliens verantwortlich. 2017 gingen 71 Prozent der von dem Land ausgestoßenen 2,07 Milliarden Kubikmeter CO2 auf das Konto des Agrarsektors, wie das Treibhausgas-Prognosesystem SEEG der nichtstaatlichen Initiative Observatório do Clima errechnet hat. Laut SEEG wurden 46 Prozent der Emissionen durch die Umwandlung von Regenwald oder Savanne in landwirtschaftliche Flächen verursacht.

Bolsonaros Linie schadet auch Agrarindustrie

Die gerodeten Flächen werden zunächst meist als Weideland genutzt, anschließend wird dort Soja angebaut. Brasilien ist sowohl der größte Exporteur von Soja als auch von Rindfleisch. "Brasilianisches Rindfleisch beeinträchtigt die Umwelt stark", sagt Gerd Angelkorte, Wissenschaftler an der Universität von Rio de Janeiro. "Die Produktivität ist sehr gering: Auf einen Hektar kommen im Schnitt 0,7 Rinder. Das hängt eng mit dem illegalen Landraub in der Amazonasregion zusammen." Die Regierung müsse härter gegen den Landraub vorgehen, fordert der Forscher. Doch unter Bolsonaro scheint das unwahrscheinlich.

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Die Unterzeichner des Freihandelsabkommens zwischen EU und Mercosur haben sich zwar verpflichtet, das Klimaschutzabkommen von Paris einzuhalten. Doch Bolsonaro erklärte bereits, dass es für sein Land unmöglich sei, bis 2030 die Treibhausgasemissionen um 43 Prozent im Vergleich zu 2005 zu reduzieren. "Dieses Ziel kann nicht erreicht werden, selbst wenn wir 100.000 Männer einsetzen, um Wälder aufzuforsten", sagte der Präsident Anfang Juli. Nach seiner Wahl im vergangenen Jahr hatte der Rechtspopulist bereits gedroht, aus dem Pariser Abkommen auszusteigen.

Davon hält die Agrarindustrie - obwohl einer der wichtigsten Unterstützer des Präsidenten - gar nichts. Denn sie will einen Importstopp ihrer Produkte in die EU unbedingt verhindern. "Uns gehen wegen Image-Problemen oft Geschäfte durch die Lappen. Die, die aus dem Pariser Abkommen aussteigen wollen, haben noch nie etwas exportiert", sagte Luiz Cornacchioni, Chef des brasilianischen Agrarhandelsverbandes, der Zeitung "Estado de S. Paulo".

Um das Image-Problem anzupacken, hat sich der Präsident den Überbringer der schlechten Nachrichten vorgeknöpft: Am Freitag entließ er den Leiter jener Behörde, die die Abholzung des Amazonas-Waldes misst und beschuldigte ihn, der Presse "falsche Daten" zu liefern, um "das Spiel der Nichtregierungsorganisationen zu spielen".

Quelle: n-tv.de, Louis Genot, AFP

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