Politik

Kiew hofft auf Gefangenentausch Asowstal-Kämpfer müssen Folter und Tod fürchten

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Wo brachte Russland die unverletzten ukrainischen Soldaten aus dem Stahlwerk hin?

(Foto: REUTERS)

Mehr als 200 Soldaten aus dem belagerten Stahlwerk sollen in den russisch besetzten Ort Oleniwka gebracht worden sein. Ihnen drohen Folter und vielleicht sogar die Todesstrafe. Scharfmacher in Moskau hetzen gegen die Asow-Kämpfer, sie seien die vom Kreml gejagten "Nazis".

Kämpfer des Asow-Regiments haben nach Ansicht eines russischen Unterhändlers kein Recht auf Leben. Russland sollte für diese nationalistischen Kämpfer die Todesstrafe in Erwägung ziehen, sagte Leonid Slutski, der für Russland mit der Ukraine verhandelt. "Sie verdienen es nicht zu leben angesichts der monströsen Menschenrechtsverbrechen, die sie begangen haben und die sie weiterhin an unseren Gefangenen begehen." Slutski, der zugleich Vorsitzender des Außenausschusses der Duma ist, nannte die Soldaten "Tiere in Menschengestalt".

Mit der Gefangennahme von zahlreichen ukrainischen Soldaten rückt zwar ein Ende der Kämpfe um das belagerte Stahlwerk in Mariupol näher, doch was aus den ukrainischen Soldaten wird, ist völlig unklar. "In den vergangenen 24 Stunden haben 265 Kämpfer, darunter 51 Schwerverletzte, ihre Waffen niedergelegt und sich in Gefangenschaft begeben", sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. Das russische Präsidialamt sicherte zu, die Kämpfer würden nach internationalen Standards behandelt. Russlands Präsident Wladimir Putin habe dies zugesichert, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.

Passend dazu veröffentlichte Russland ein Video, das die Gefangennahme der Ukrainer, medizinische Behandlung sowie den Abtransport der Verletzten zeigen soll. Mit teils erhobenen Armen stehen Männer in Militärkleidung vor ihren Gegnern. Andere liegen verletzt auf Tragen, haben Verbände an Armen und Beinen, werden in spezielle Busse zum Abtransport gebracht. Im Hintergrund ist ein Industriegelände zu sehen. Viele der Männer haben lange Bärte, ihre Blicke wirken leer und erschöpft, kaum einer spricht.

Duma-Chef gegen Gefangenenaustausch

Ob es nach der Gefangennahme aber tatsächlich zu dem von Kiew erhofften Gefangenenaustausch kommen wird, ließ Russlands Militär offen. Alle Verletzten seien ins Krankenhaus von Nowoasowsk gebracht worden, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums. Zum Aufenthaltsort der übrigen Gefangenen machte er keine Angaben. Laut ukrainischen Quellen wurden sie in die von russischen Truppen besetzte Ortschaft Oleniwka gebracht. Entgegen allen Beteuerungen aus Moskau, die Gefangenen gut zu behandeln und medizinisch zu versorgen, befürchten einige Beobachter, sie könnten nun Opfer von Misshandlung und Folter werden.

Scharfe Töne aus Moskau sind erste Indizien, dass ein glückliches Ende für die Stahlwerk-Kämpfer noch nicht in Sicht ist. Der Chef des russischen Parlaments, Wjatscheslaw Wolodin, sprach sich gegen einen generellen Gefangenenaustausch aus. "Nazi-Verbrecher unterliegen keinem Austausch. Das sind Kriegsverbrecher, und wir müssen alles dafür tun, sie vor Gericht zu bringen", sagte der Duma-Chef bei einer Plenarsitzung. Einige der zuletzt noch in Mariupol ausharrenden ukrainischen Kämpfer gehören dem nationalistischen Asow-Regiment an. In Moskau wird Asow immer wieder als Rechtfertigung für den Krieg gegen die Ukraine herangezogen, der unter anderem die angeblich notwendige "Entnazifizierung" des Nachbarlands zum Ziel hat.

"Ziel der Spezialoperation"

Parlamentschef Wolodin betonte, Russland tue alles, um verletzte ukrainische Gefangene medizinisch zu versorgen und sie human zu behandeln. "Aber was die Nazis betrifft, so muss unsere Position fest bleiben, weil dies eins der Ziele der militärischen Spezialoperation ist", sagte er. In Moskau wird der Ende Februar gegen die Ukraine begonnene Krieg offiziell nur als "militärische Spezialoperation" bezeichnet. Trotzdem sprach Wolodin nun von "Kriegsgefangenen".

Die Generalstaatsanwaltschaft beantragte der Nachrichtenagentur Interfax zufolge beim Obersten Gericht die Einstufung des Regiments Asow als Terrorgruppe. Die Verhandlung darüber solle am 29. Mai stattfinden.

Die Ukraine wiederum hofft weiter auf einen Austausch der mehr als 260 eigenen Soldaten aus dem belagerten Stahlwerk. So setzte die ukrainische Regierung ihre Bemühungen zur Rettung der letzten Soldaten aus Mariupol am Nachmittag fort. "Wir arbeiten an weiteren Etappen der humanitären Operation", schrieb die ukrainische Vize-Regierungschefin, Iryna Wereschtschuk, im Nachrichtendienst Telegram. Vize-Verteidigungsministerin Hanna Maljar erklärte, die Asow-Kämpfer würden gegen russische Kriegsgefangene ausgetauscht.

Quelle: ntv.de, mau/rts/dpa

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