Politik

Die Kriegsnacht im Überblick Selenskyj will alle Asowstal-Kämpfer retten - Moskau untermauert Pläne für Cherson

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Asowstal-Kämpfer, die ihre Waffen niedergelegt haben, werden von russischen Soldaten kontrolliert.

(Foto: picture alliance / AA)

Rund 260 ukrainische Soldaten aus dem Stahlwerk Asowstal befinden sich bereits in russischer Gefangenschaft. Präsident Selenskyj will auch die zurückgebliebenen Verteidiger retten und hofft auf einen Deal. Derweil zeigt sich ein russischer Regierungsvertreter entschlossen, die Region Cherson dauerhaft an Moskau zu binden.

Kiew hofft auf Austausch von Asowstal-Verteidigern

Nachdem gut 260 ukrainische Soldaten das Asow-Stahlwerk in Mariupol verlassen und sich in russische Hand begeben haben, bleibt die Lage der verbliebenen Verteidiger in der riesigen Industrieanlage unklar. Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte in der Nacht, in die Anstrengungen zu ihrer Rettung seien einflussreiche internationale Vermittler eingeschaltet. Die gut 260 Soldaten, die das Werk in der Nacht zum Dienstag bereits verließen, begaben sich in russische Gefangenschaft.

Kiew hofft auf einen späteren Austausch gegen russische Kriegsgefangene, Russlands Militär ließ einen solchen Schritt allerdings offen. Moskau veröffentlichte ein Video, das die Gefangennahme der Ukrainer, medizinische Behandlung sowie den Abtransport von Verletzten zeigen soll. Gut 50 der Soldaten sollen schwer verwundet sein.

Russischer Regierungsvertreter im besetzten Gebiet Cherson

In der Südukraine zeigt sich Russland entschlossen, das besetzte Gebiet Cherson an sich zu binden. Die Region um die Hafenstadt werde einen "würdigen Platz in unserer russischen Familie" einnehmen, sagte Russlands Vize-Regierungschef Marat Chusnullin bei einem Besuch in Cherson am Dienstag. Man werde künftig zusammenleben und -arbeiten, zitierte ihn die russische Staatsagentur Ria Nowosti. Russland führte in der Region zum 1. Mai bereits den russischen Rubel als offizielles Zahlungsmittel ein. Der Vizechef der prorussischen Verwaltung von Cherson, Kirill Stremoussow, brachte vor einigen Tagen ein formelles Beitrittsgesuch an Kremlchef Wladimir Putin ins Gespräch. Die ukrainische Regierung zeigt sich dagegen überzeugt, dass eine Russifizierung des Gebiets Cherson scheitern werde.

Ukraine beklagt tote Zivilisten

Unterdessen sind in dem zwischen russischen und ukrainischen Truppen umkämpften Gebiet Donezk nach Behördenangaben sieben Zivilisten getötet worden. Sechs weitere seien verletzt worden, teilte der ukrainische Militärgouverneur Pawlo Kyrylenko bei Telegram mit. Er warf russischen Truppen vor, die Menschen getötet zu haben. Selenskyj zählte Raketenangriffe und Bombardements in den Gebieten Lwiw, Sumy, Chernihiv und Luhansk auf. Das russische Militär wolle damit die Misserfolge im Osten und Süden kompensieren.

Deutsches Werk in der Ukraine bombardiert

In der Ostukraine wurde nach ukrainischen Angaben eine stillgelegte Gipsfabrik des deutschen Unternehmens Knauf von der russischen Luftwaffe bombardiert. "Durch die Luftschläge wurden Geschäftsräume beschädigt, und es brach Feuer aus", schrieb der Militärgouverneur des Gebiets Donezk, Pawlo Kyrylenko, bei Telegram. Es sei niemand verletzt worden. Knauf hatte das Werk kurz nach der russischen Invasion stillgelegt. Das Unternehmen bestätigte am Dienstagabend, das Werk in Soledor im Donbass sei von einer Rakete getroffen und in Brand gesetzt worden.

USA richten Online-Plattform ein

Angesichts des russischen Angriffskriegs in der Ukraine haben die USA eine Konfliktbeobachtungsstelle gestartet. Das neue Conflict Observatory soll sicherstellen, "dass von Russlands Truppen begangene Verbrechen dokumentiert und die Täter zur Verantwortung gezogen werden", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Washington. Das Programm werde unter anderem Informationen und Beweise für "Gräueltaten, Menschenrechtsverletzungen und die Beschädigung der zivilen Infrastruktur" erfassen, analysieren und veröffentlichen. Berichte würden künftig auf der Webseite ConflictObservatory.org gepostet.

Das bringt der Tag

  • Schweden und Finnland reichen ihre NATO-Mitgliedsanträge gemeinsam in Brüssel ein. Die nordischen Länder geben damit ihre lange Tradition der militärischen Bündnisfreiheit auf.
  • Die EU-Kommission legt ihre Strategie vor, wie die Europäische Union unabhängig von fossilen Brennstoffen aus Russland werden kann. Dafür will die Behörde ehrgeizigere Ziele für den Ausbau erneuerbarer Energien sowie beim Energiesparen setzen.
  • In der Ukraine beginnt der erste Prozess gegen einen russischen Soldaten wegen des Vorwurfs von Kriegsverbrechen.

Alle weiteren Entwicklungen können Sie in unserem Liveticker zum Ukraine-Krieg nachlesen.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa

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