Politik

Blutiger Anschlag in Afghanistan Attentäter verstecken sich unter Burkas

cdc959d29b2362c33ffa68396cf2f64a.jpg

Mindestens 31 Menschen wurden getötet und mindestens 81 weitere verletzt. Die Opferzahl kann noch steigen.

(Foto: dpa)

Zwei Attentäter in Frauenkleidern sprengen sich im Osten Afghanistans während des Freitagsgebets in die Luft. Die Taliban haben nach eigenen Angaben nichts damit zu tun. In der Vergangenheit hatte der IS wiederholt Anschläge auf Schiiten verübt.

Bei einem doppelten Selbstmordanschlag auf eine schiitische Moschee im Osten Afghanistans sind mindestens 31 Menschen getötet worden. Mindestens 81 weitere wurden verletzt, sagte ein Sprecher der Provinzregierung. Demnach sprengten sich zwei Attentäter während des Freitagsgebets im Inneren der Moschee in der Stadt Gardes in die Luft.

Die Polizei befürchtete, dass die Opferzahl noch steigen könnte. "Alle Opfer sind Gläubige", sagte der Polizeichef der Provinz Paktia. Er fügte hinzu, dass die Angreifer zunächst das Feuer auf die Betenden in der Moschee eröffnet hätten, bevor sie Sprengsätze zündeten. Demnach trugen die Angreifer Burkas, um ihre Waffen und Sprengsätze zu verbergen.

Die radikalislamischen Taliban erklärten über Whatsapp und Twitter, nicht für den Anschlag verantwortlich zu sein. Die Gruppe hat sich bereits seit mehreren Wochen zu keinem Anschlag bekannt. Zuvor hatte es mehrere Rückschläge in dem möglichen Friedensprozess mit der afghanischen Regierung gegeben.

IS könnte verantwortlich sein

In Gardes leben Schätzungen zufolge rund 100.000 Menschen. Nach Angaben der Provinzregierung ist die schiitische Gemeinde in der Stadt äußerst klein - ihr gehören lediglich rund 200 Familien an. Sie alle würden in derselben Nachbarschaft wohnen, sagte Hasrat. Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten sind in Afghanistan traditionell nicht stark ausgeprägt. Sie nehmen aber zu, seit die in Afghanistan seit 2015 präsente sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mit einer Anschlagsserie auf Schiiten begonnen hat. Betroffen war bisher vor allem die Hauptstadt Kabul.

Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden im ersten Halbjahr 2018 bei gezielten Angriffen auf Schiiten in Afghanistan 115 Menschen getötet und 251 verletzt, fast alle davon durch Selbstmordattentate, die der IS für sich reklamierte. Im vergangenen Herbst töteten sie etwa 90 Menschen bei Anschlägen. Der IS sieht Schiiten als Ketzer an. Er hat in Afghanistan vergleichsweise wenige Mitglieder, ist aber seit 2014 schlagkräftig. Nach Schätzungen hat er insgesamt bis zu 2000 Mitglieder.

Quelle: n-tv.de, lri/AFP/dpa

Mehr zum Thema