Politik

Leistungsniveau schwankt stark Bundesland beeinflusst Bildung enorm

66408176.jpg

Die Chancen für einen geglückten Schulabschluss variieren je nach Bundesland.

(Foto: picture alliance / dpa)

Immer mehr Schüler in Deutschland machen das Abitur. Das belegt eine Studie zur Chancengleichheit. Dennoch gibt es große Leistungsunterschiede zwischen den Bundesländern. Berliner Schüler liegen deutlich hinter Gleichaltrigen aus Sachsen zurück.

Das deutsche Bildungssystem kommt voran, allerdings gibt es noch immer ein Ungleichgewicht zwischen den Bundesländern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zur Chancengleichheit der Bertelsmann Stiftung, der TU Dortmund und der Universität Jena. Zudem spielt die soziale Herkunft von Schülern eine entscheidende Rolle beim Bildungsniveau. Insgesamt seien die Schulsysteme leistungsstärker und chancengerechter geworden, teilte die Bertelsmann Stiftung mit.

26ef575521ae496c5c5838a54b376138.jpg

Jörg Dräger (l.) und Wilfried Bos bei der Vorstellung des Chancenspiegels.

(Foto: dpa)

Während im Jahr 2002 nur etwa jeder Dritte seine schulische Laufbahn mit einem Abitur oder einer Fachhochschulreife abschloss, waren es 2014 bereits 52,2 Prozent aller Schüler in Deutschland. Dennoch lag die Quote mit 55 Prozent im Jahr 2013 schon einmal höher. In Hamburg erlangten 2014 62,5 Prozent eine Zugangsberechtigung zum Studium, in Sachsen-Anhalt waren es nur 38,2 Prozent. "Die Wahrscheinlichkeit, das Abitur zu erwerben, ist also aktuell zu stark vom jeweiligen Bundesland abhängig", resümieren die Wissenschaftler.

Neuntklässler mit großen Leistungsunterschieden

Die Zahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss sank zwischen 2002 und 2014 von 9,2 Prozent auf 5,8 Prozent. Eine Einschränkung gibt es hierbei für ausländische Schüler, die keinen deutschen Pass oder einen Migrationshintergrund haben. Bei ihnen ging die Abbrecherquote zwar von 2002 bis 2014 um 3,8 Prozent zurück, stieg aber im Jahresvergleich von 2013 zu 2014 mit 0,8 Prozent leicht an. Mit 12,9 Prozent brach immer noch mehr als jeder zehnte ausländische Schüler die Schule ohne einen Hauptschulabschluss ab.

Negativ ist auch die Leistungsentwicklung der Schüler im Ländervergleich für das Jahr 2015. Anhand der Lesekompetenz von Neuntklässlern konnte errechnet werden, dass Jugendliche in Baden-Württemberg, Berlin, Bremen und Hessen deutlich hinter Gleichaltrigen aus Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Thüringen und Schleswig-Holstein zurückfallen. Die Differenz entspricht einem Rückstand von mehr als drei Schuljahren. "Von vergleichbaren Kompetenzen - und damit Chancen - kann über die sechzehn Bundesländer hinweg also aktuell keine Rede sein", heißt es in der Untersuchung.

Ganztagsschulen nehmen deutlich zu

Erfolge verzeichnet die Studie bei den Themen Inklusion und Ganztagsschule. So ging jedes dritte Kind im Schuljahr 2014/2015 auf eine Ganztagsschule, zwölf Jahre zuvor war es nur jedes zehnte. Jedoch gibt es gravierende Unterschiede zwischen den Bundesländern: In Hamburg besuchten 88 Prozent aller Schüler eine Ganztagsschule, in Bayern waren es nur 15 Prozent. Dennoch wünschen sich etwa 80 Prozent der Eltern einen Ganztagsplatz für ihr Kind. "Gehen die Reformen im bisherigen Tempo weiter, dauert es noch mindestens drei Jahrzehnte, bis alle Kinder in Deutschland einen Ganztagsschulplatz erhalten", mahnte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Obwohl der Anteil der Kinder mit Förderbedarf stieg, wurde eine zunehmende Inklusion in den allgemeinen Schulbetrieb verzeichnet. Im Bundesdurchschnitt wuchs die Förderquote von 5,5 auf 8 Prozent. 2002 besuchten 4,8 Prozent aller Schüler eine Sonderschule, 2014 waren es 4,6 Prozent. Dass sich die Zahlen kaum verändert haben, lässt sich mit der gestiegenen Förderquote um 27 Prozent erklären. In Bremen lernen nur noch 1,3 Prozent der Kinder mit Förderbedarf an einer Sonderschule, in Mecklenburg-Vorpommern sind es 6,9 Prozent.

"Die generellen Verbesserungen hinsichtlich der Chancengerechtigkeit dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es große Unterschiede zwischen den Ländern gibt und diese seit 2002 noch gewachsen sind", sagte Professor Wilfried Bos von der TU Dortmund. Problematisch ist zudem, dass in den Bundesländern unterschiedliche Analysemethoden genutzt werden, was einen kompletten Ländervergleich unmöglich macht.

Quelle: ntv.de, lsc