Politik

Ohne Masken und Abstand CDU-Abgeordneter feiert Privatparty

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Der CDU-Abgeordnete Willsch im März im Bundestag.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Eine Geburtstagsparty inmitten der Corona-Pandemie bringt den hessischen CDU-Bundestagsabgeordneten Willsch in Erklärungsnot. Der Politiker entschuldigt sich, er habe nur gegen Empfehlungen verstoßen, und mutmaßt eine Kampagne gegen sich. Aber seine Erklärung wirft neue Fragen auf.

Ein hessischer CDU-Bundestagsabgeordneter steht wegen einer privaten Geburtstagsfeier ohne Hygieneabstände und Masken in der Kritik. Am 28. Februar habe er seinen 60. Geburtstag mit seiner Familie gefeiert, erklärte Klaus-Peter Willsch aus dem Wahlkreis Rheingau-Taunus/Limburg in einer Stellungnahme. Der Politiker verteidigte die Feier. Sie sei "nach den geltenden Regeln in Hessen nicht verboten" gewesen.

Den Abend habe er mit seiner Hausgemeinschaft verbracht. Später sei unangekündigt eine befreundete Familie zur Runde hinzugestoßen, um zu gratulieren, erklärte Willsch. Nach den in Hessen geltenden Regeln sei das erlaubt gewesen, jedoch bedaure er, dass "ich damit meiner Vorbildfunktion nicht gerecht geworden bin".

Der "Spiegel" veröffentlichte einen Ausschnitt aus einem Video, das Willsch zeigte, wie er mit weiteren Menschen feierte. Auf den Aufnahmen trug keiner der Gäste einen Mund-Nasen-Schutz, Sicherheitsabstände wurden nicht eingehalten. Private Treffen mit mehreren Haushalten sind in Hessen während der Corona-Pandemie nicht verboten. Zum Zeitpunkt der Feier gab es lediglich die Empfehlung, sich pro Haushalt nur mit einem Menschen aus einem weiteren Haushalt zu treffen.

Zweifel an der Zwei-Haushalte-Version

Der Hessische Rundfunk (HR) berichtete von einem internen Schreiben Willschs an Parteikollegen, in dem der Abgeordnete eine "Kampagne" gegen sich beklagt. Das Handyvideo der Feier sei dem Sender aus dem Umfeld der Jungen Union zugespielt worden. Wer das Video in den vergangenen Tagen in politischen Kreisen verbreitet hat, ist laut HR aber noch unklar.

Schwerer dürfte allerdings wiegen, dass es inzwischen Zweifel an der Version gibt, es sei nur Willschs und eine zweite befreundete Familie bei der Geburtstagsparty gewesen. Denn unter den Partygästen identifizierte der Sender unter anderem den ehemaligen Landesvorsitzenden der Werteunion Sebastian Reischmann sowie zwei Mitglieder der Jungen Union und eine Mitarbeiterin von Willsch. Es feierten also Menschen verschiedenster Haushalte ohne Maske und Abstand zusammen.

Inzwischen meldete sich zu dem Vorfall auch der CDU-Landesvorsitzende und Ministerpräsident Volker Bouffier: "Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass man sich an die Verordnungen und dringenden Empfehlungen hält. Gerade von Persönlichkeiten, die in der Öffentlichkeit stehen, insbesondere von Abgeordneten, erwarte ich, dass sie ihrer Vorbildfunktion gerecht werden", sagte Bouffier dem HR.

*In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir den Hessischen Rundfunk mit der Aussage zitiert, das Video sei von Willschs Bruder aufgenommen worden. Dieser bestreitet das. Gegenüber ntv.de erklärte Manfred Willsch, seinem Bruder an diesem Tag nur telefonisch gratuliert zu haben und auf der Geburtstagsparty gar nicht dabei gewesen zu sein.

Quelle: ntv.de, mau/AFP

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