Politik

Geringverdiener härter betroffen Corona macht Gesellschaft ungleicher

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Menschen mit höheren Einkommen kommen besser durch die Pandemie.

(Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild)

Das Coronavirus bedroht alle - ist aber kein "großer Gleichmacher". Denn Geringverdiener werden von der Pandemie härter getroffen, wie aus dem Datenreport 2021 hervorgeht. Soziale Ungleichheiten wurden so noch verschärft.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben die soziale Ungleichheit in Deutschland verschärft. Das geht aus dem Datenreport 2021 hervor. Fachleute aus amtlicher Statistik und Sozialforschung haben darin Zahlen und Fakten ausgewertet. Im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 waren demnach die untersten Einkommensgruppen häufiger von Freistellungen und Arbeitslosigkeit betroffen.

Zugleich zeigt der mehr als 500 Seiten starke Bericht: Wer in Deutschland einmal unter die Armutsgrenze rutscht, bleibt immer öfter länger arm. So beträgt der Anteil dauerhaft von Armut bedrohter Bürger an allen in prekären sozialen Verhältnissen lebenden Menschen 44 Prozent - und ist damit mehr als doppelt so hoch wie noch 1998. 2018 lebte hierzulande fast jeder Sechste unterhalb der Armutsrisikoschwelle. Der Anteil ist im Vergleich zu 2017 zwar leicht gesunken, das Armutsrisiko lag aber deutlich über dem Niveau Ende der 1990er Jahre mit damals knapp 11 Prozent.

Die vorgestellten Zahlen zu den sich verfestigenden Armutsrisiken seien bedrückend, sagte der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, auf einer Online-Pressekonferenz zum Sozialreport. Die ab Frühjahr 2020 über Deutschland gerollte erste Corona-Welle habe die Gesellschaft zudem "ungleicher" gemacht. Die Pandemie habe sich mit Blick auf die Sozialstruktur nicht wie anfänglich erwartet als "großer Gleichmacher" erwiesen, sondern eher als "starkes Vergrößerungsglas" - und dies auch perspektivisch.

Wie in einem Sonderkapitel des Sozialreports aufgezeigt wird, waren in der ersten Phase der Pandemie (31. März – 4. Juli 2020) zwar höhere Einkommensgruppen häufiger von Einkommenseinbußen betroffen. Die finanziellen Folgen der Pandemie seien für die Bezieher von Niedrigeinkommen allerdings härter ausgefallen, so Philip Wotschack vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).

Höhere Einkommensgruppen öfter im Homeoffice

Rund jeder Fünfte in dieser Gruppe gab an, von finanziellen Schwierigkeiten und Risiken betroffen zu sein, oder ging davon aus, dass dies in den kommenden zwölf Monaten so sein würde. "Das heißt, sie waren in Zahlungsschwierigkeiten geraten, mussten Kredite aufnehmen, waren in ernsthafte Geldprobleme geraten, mussten möglicherweise auf Ersparnisse zurückgreifen, Sozialleistungen beantragen oder ihren Lebensstandard drastisch einschränken", erläuterte WZB-Experte Wotschack.

Besonders selten arbeiteten Menschen in Berufen im unteren Drittel der Einkommensverteilung im ersten Lockdown von zuhause aus. So betrug in rund der Hälfte dieser Berufe der Homeoffice-Anteil weniger als sechs Prozent. Ganz anders zeigte sich das Bild bei Berufen im oberen Einkommensdrittel: Fast zwei Drittel dieser Berufsgruppen hatten einen Homeoffice-Anteil von 20 Prozent und mehr.

"Wir erleben einen Homeoffice-Boom. Vieles spricht dafür, dass einiges davon mitgenommen wird in die Zeit nach Corona", sagte Martin Bujard vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB). Arbeitgeber in Deutschland bleiben bis Ende April aufgerufen, ihren Beschäftigten die Arbeit von zu Hause aus zu ermöglichen.

In der Corona-Krise zeigt sich laut dem Datenreport zudem, dass auch materielle Voraussetzungen Bildungschancen beeinflussen. "Augenfällig ist dies beim Zugang zu digitalen Unterrichtsformaten, für die es Computer und Tablets braucht", erklärte das Statistische Bundesamt. Familien mit höherem Einkommen besitzen demnach im Durchschnitt mehr Endgeräte, während Familien mit niedrigen Einkommen oft nicht für jedes Kind einen Computer haben.

Quelle: ntv.de, mli/rts

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