Politik

AKK: "Halsbrecherische" Aktion Darum nahm die Bundeswehrmaschine nur sieben Menschen mit

Die Lage am Flughafen von Kabul ist "unübersichtlich, gefährlich, komplex", sagt Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer. Erst nach Stunden kann die erste Bundeswehrmaschine überhaupt landen. Allerdings kommen nur sieben Menschen an Bord, bevor sie wieder abhebt. Dafür gibt es jedoch Gründe.

Die Bundeswehr hat mit ihrem ersten Evakuierungsflug nur sieben Menschen aus Kabul ausfliegen können, wie das Auswärtige Amt ntv-Informationen bestätigte. Nach stundenlanger Verzögerung und Warteschleifen in der Luft konnte der A400M in der Nacht zu Dienstag am Flughafen der afghanischen Hauptstadt landen. Wegen der nächtlichen Ausgangssperre konnten allerdings nicht mehr Menschen zum Flughafen gebracht werden. Zudem habe man nur einen Slot von 30 Minuten für die Maschine gehabt, sagte Johann Wadephul im Deutschlandfunk. "Wir konnten nur die mitnehmen, die jetzt da waren", so der CDU-Außenpolitiker. "Es wäre auch unverantwortlich gewesen, mehr dort jetzt schon zum Flughafen zu bringen, weil gar nicht sicher war, dass die Maschine landen konnte."

Die Maschine vom Typ A400M musste fünf Stunden lang über dem Flughafen kreisen, weil sie keine Landeerlaubnis erhielt. Der Treibstoff hätte nicht mehr lange gereicht, hieß es. Zuvor hatte bereits eine andere Transportmaschine der Bundeswehr den Anflug auf Kabul abbrechen und zum Nachtanken nach Taschkent fliegen müssen. Während des kurzen Aufenthalts war es offenbar nicht möglich, Afghanen vom zivilen Bereich herüberzuholen.

80 Fallschirmjäger sollen an diesem Dienstag versuchen, Deutsche und Hilfskräfte über Sammelpunkte in der Stadt zum militärischen Teil des Flughafens zu lotsen. Inzwischen hat sich die Lage am Flughafen Kabul nach Angaben von Außenminister Heiko Maas stabilisiert. "Die Bundeswehr sichert nun den Zugang", twitterte der SPD-Politiker. "Weitere Evakuierungsflüge erwarten wir im Laufe des Tages. Die Botschaft hat daher eine erste Gruppe zu Evakuierender kontaktiert, um ihren Abflug zu ermöglichen."

AKK: "Halsbrecherische Landung"

Der erste Flug der Bundeswehr sei unter äußerst schwierigen Umständen erfolgt, erklärte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer am frühen Morgen. "Wir haben eine sehr unübersichtliche, gefährliche, komplexe Situation am Flughafen, vor allen Dingen durch die Menschenmengen", sagte sie in der ARD. "Wir haben es gestern geschafft, in einer wirklich halsbrecherischen Landung unsere Maschine zu Boden zu bringen. Wir haben vor allen Dingen Soldaten dorthin gebracht, die jetzt absichern, damit die Leute, die wir rausfliegen wollen, auch überhaupt die Möglichkeit haben, zum Flugzeug zu kommen. Das war gestern der Hauptauftrag."

"Wir hatten nur ganz wenig Zeit, und deswegen haben wir nur die mitgenommen, die jetzt wirklich auch vor Ort waren, und die konnten gestern wegen der chaotischen Situation noch nicht in einer größeren Zahl am Flughafen sein", sagte Kramp-Karrenbauer. Auf die Aussage, dass sich nur sieben Personen an Bord der Maschine befinden, ging sie nicht explizit ein. Eine zweite Transportmaschine warte derzeit auf die Freigabe der USA, um Richtung Kabul zu starten, fügte sie hinzu. Sie hoffe, dass der Flughafen in Kabul lange offen gehalten werden könne und "dass wir doch über die nächsten Tage eine richtige Luftbrücke aufbauen können".

Sicherer Ablauf der Evakuierung

Die beiden Flugzeuge sollen deutsche Staatsbürger und afghanische Ortskräfte, die früher für die Bundeswehr oder Bundesministerien gearbeitet haben oder noch arbeiten, zunächst nach Usbekistan bringen. Vom dortigen Drehkreuz Taschkent soll es dann mit Chartermaschinen weiter nach Deutschland gehen. Die beiden A400M waren am frühen Montagmorgen vom niedersächsischen Wunstorf Richtung Kabul gestartet und in Baku in Aserbaidschan zwischengelandet.

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Am Montagnachmittag hatten sich zwei weitere Maschinen der Luftwaffe auf den Weg nach Kabul gemacht: Ein dritter A400M, der für medizinische Transporte ausgerüstet ist, sowie ein Airbus A310 MRTT.

Die abgesetzten Fallschirmjäger der Division Schnelle Kräfte sollen nun die US-Armee dabei unterstützen, auf dem Flughafen Ordnung herzustellen und einen sicheren Ablauf der Evakuierung zu ermöglichen. Tausende Menschen versuchten verzweifelt, an Bord eines der Rettungsflieger zu gelangen. Auf Videos ist zu sehen, wie sich zahlreiche Afghanen an eine Transportmaschine des US-Militärs klammern. Medienberichten zufolge starben mehrere Menschen, als sie von dem Flugzeug überrollt wurden oder herunterfielen. US-Soldaten erschossen außerdem zwei bewaffnete Männer in der Menge, die ihre Waffen "auf bedrohliche Weise geschwungen" hatten, wie ein Pentagon-Vertreter erklärte. Daraufhin wurde der Flugverkehr vorübergehend eingestellt.

Quelle: ntv.de, hny/sbl/chr/dpa/AFP

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