Politik

Rückgang der Nachfrage Deutschland steuert auf Impfstoff-Überangebot zu

Ein Mann steht an einem Covid-19-Impfcenter hinter der Bodenaufschrift

Die Gesundheitsminister einigten sich darauf, dass die Länder ab dem 16. August nur noch die Menge an Impfstoff erhalten, die sie in der Vorwoche bestellt haben.

(Foto: Arne Dedert/dpa/POOL/dpa/Symbolbild)

Impffrust wegen stockender Terminvergabe und mangelndem Impfstoff - das ist noch gar nicht so lange her. Heute stehen Bund und Länder vor einem anderen Problem: Möglichst wenig Impfstoff soll verfallen. Dafür soll unter anderem die Verteilung geändert werden.

Mehr als ein halbes Jahr nach Start der Corona-Impfungen steuert Deutschland auf ein Überangebot an Impfstoff zu. Die Verfügbarkeit an Impfstoffen werde die Nachfrage schon bald "deutlich" übersteigen, stellten die Gesundheitsministerinnen und -minister von Bund und Ländern in einem Beschluss nach einer Videoschalte fest.

"Ein Rückgang der Nachfrage ist sowohl in den Impfzentren als auch in den Arztpraxen und bei den Betriebsärzten zu verzeichnen." Für den Erfolg der Impfkampagne sei aber eine möglichst hohe Impfquote entscheidend. 46,4 Prozent der Menschen in Deutschland sind mittlerweile vollständig geimpft. 59,9 Prozent haben mindestens eine Dosis. "Bund und Länder werden ihre Bemühungen noch einmal verstärken, um gezielt diejenigen Menschen mit einem Impfangebot zu erreichen, die sich bisher nicht für eine Impfung entschieden haben", so die Gesundheitsministerkonferenz.

Dafür soll die Impfkampagne näher in den Alltag der Menschen verlegt werden, um das zuletzt abgebremste Impftempo wieder zu erhöhen. Nach dem Vorbild von Städten wie Berlin oder Bremen sollen sogenannte niedrigschwellige Impfangebote gemacht werden. Dazu zählten mobile Impfteams etwa auf Marktplätzen, bei Kirchen, Supermärkten, Einkaufshäusern, Kultur-, Sport- oder Freizeitaktivitäten, heißt es in dem Beschluss.

Die Logistik rund um die Impfstofflieferungen soll flexibler werden. Nach ihrem Start im Dezember war die Impfkampagne über Monate davon geprägt gewesen, dass weit weniger Impfstoff zur Verfügung stand als benötigt. Deshalb wurden zunächst in Altenheimen geimpft und Hochbetagten, Menschen mit Vorerkrankungen und Angehörigen bestimmter Berufsgruppen Vorrang eingeräumt. Nun bekräftigten Bund und Länder: "Die anstehenden Lieferungen bis Ende Juli ermöglichen es, jedem impfwilligen Erwachsenen zeitnah ein Impfangebot in Form einer ersten Impfung machen zu können."

Gleichmäßige Verteilung endet Mitte August

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern einigten sich zudem darauf, dass die Länder ab dem 16. August nur noch die Menge an Impfstoff erhalten, die sie in der Vorwoche bestellt haben. Damit endet die bisher gleichmäßige Verteilung nach dem Bevölkerungsschlüssel. Der Bund soll zudem nicht genutzte Impfstoffe aus den Verteilzentren der Länder abholen, um zu vermeiden, dass sie weggeworfen werden müssen. Die Bundesregierung hatte bekanntgegeben, dass sie neben einer Vorrats-Lagerhaltung auch mindestens 30 Millionen Impfdosen an Drittstaaten spenden will.

Das Bundesgesundheitsministerium werde zeitnah einen logistischen Prozess auf den Weg bringen, um in den Verteilzentren der Länder gelagerte Impfstoffe dort abzuholen. Geklärt werden solle, wie mit schon ausgelieferten Impfstoffen umgegangen werde.

Quelle: ntv.de, hek/dpa/rts

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