Politik

Presseschau zur Wahl von AKK "Die wachgeküsste Union"

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Sichtlich gerührt über ihre Wahl zur Parteivorsitzenden: Annegret Kramp-Karrenbauer, kurz AKK.

(Foto: picture alliance/dpa)

Mit 517 Stimmen wird Annegret Kramp-Karrenbauer auf dem CDU-Parteitag im zweiten Wahlgang zur neuen Vorsitzenden gewählt. Die Merkel-Verbündete siegt über Jens Spahn und Friedrich Merz. Eine "Merkel 2.0" ist sie aber nicht - da sind sich die Kommentatoren einig.

"Zum Abschied bekam Angela Merkel einen Taktstock geschenkt. Die neue Dirigentin der CDU brauchte ihn freilich dringender. Denn das Orchester, das Annegret Kramp-Karrenbauer nach wochenlangem Wettmusizieren mit Friedrich Merz und Jens Spahn übernahm, neigte unter der Vorgängerin zunehmend zu Dissonanzen", bemerkt die Frankfurter Allgemeine Zeitung. "Nun aber ist immerhin die Leitungsfrage entschieden: Die CDU hat, denkbar knapp, die Kontinuität dem Experiment vorgezogen. Doch auch mit Kramp-Karrenbauer wählte die Partei nicht ein einfaches Weiter-so. Die dreifache Mutter unterstrich mit ihrer kämpferischen Rede auf dem Parteitag, dass sie schon rhetorisch keine "Mini-Merkel" ist."

Das sieht der Münchner Merkur ähnlich: "Mit AKK als Parteichefin darf Angela Merkel vielleicht noch etwas länger regieren. Aber die Aufbruchsstimmung, die die CDU mit dem Treffen von Hamburg erfasst hat, verschafft der neuen Parteichefin erhebliches Mitspracherecht. Das schafft Konfliktpotenzial - wobei beide Frauen viel zu klug sind, als dass sie wie andere Alphatierchen öffentlich streiten. Darum muss man umso aufmerksamer beobachten, wo die Regierung neue Wege einschlägt. Hier könnte eine erste Handschrift der künftigen Bundeskanzlerin Kramp-Karrenbauer sichtbar werden."

Den knappen Sieg über ihren Konkurrenten Merz deutet die Nürnberger Zeitung als richtungsweisend: "Merz hätte die große Aufgabe angehen können, die CDU zu einer zeitgemäßen konservativen Volkspartei für Deutschland und Europa zu machen. Dass die Wahl so knapp ausging, bedeutet auch, dass es in der CDU ein Bedürfnis nach klarer konservativer Politik gibt."

"Mit Kramp-Karrenbauer folgt nun erstmals in einem großen Land der westlichen Welt eine Frau auf eine Frau an der Spitze einer Regierungspartei", bemerkt Die Welt. "Damit könnte erstmals im Westen auf eine Regierungschefin eine weitere Frau an der Regierungsspitze folgen. In den USA können sie von solcher Perspektive nur träumen. Wer einen Beweis dafür sucht, wie weit vorne Deutschland in manchen Fragen weltweit liegt, findet mit dem Hamburger Ergebnis einen Beweis dafür."

Die Mainzer Allgemeine Zeitung nimmt direkten Bezug auf ein Zitat der frisch gewählten CDU-Vorsitzenden: "Kramp-Karrenbauer muss von heute an beweisen, dass die Volksparteien CDU und CSU tatsächlich "das letzte Einhorn in Europa" sind. Sie muss jetzt nicht nur die wachgeküsste Union lebendig halten. Sie muss sich auch vom ewig absichernden Politikstil Merkels absetzen und Führung zeigen. Sie muss ihre Forderung nach einem stärkeren Staat mit konkreter Politik unterlegen. Und sie muss Führungspersönlichkeiten neben sich zulassen, die AfD-Wähler ebenso zurückgewinnen können wie Wähler der Grünen."

Zusammengestellt von Anne Grandjean

Quelle: ntv.de, agr/dpa